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„Wenn man Umschau hält in der großen herrlichen Schöpfung, so gewinnt man die Überzeugung, dass unsere Erde ein Paradies ist und dass nur die Menschen die Erde zur Hölle machen. … Mit den Paradiesfrüchten oder, wie wir sie fortan nennen wollen, mit dem Golde war ein Gegenstand auf den Markt gekommen, dessen Nachfrage nie durch das Angebot gedeckt wurde. … So lebten die Menschen jetzt in Angst und Aufregung; die Inschrift der Paradiesfrüchte hatte sich bestätigt, das Gold regierte die Welt, aber die Erde war kein Paradies mehr. … Seid Ihr jetzt dahinter gekommen, wie es kam, dass fleißige Arbeiter doch ewig im Elend leben mussten und schließlich darin zu Grunde gingen? Das Gold, die Paradiesfrüchte, die Erbsünde trugen die Schuld. … Ein Geld, welches nicht verliert wie jede Ware, ist kein Vertreter der Ware, sondern ein mit den Prärogativen eines Gottes ausgerüsteter Gegenstand, der – dem zerstörerischen Einfluss der Zeit sich entziehend - ewig unverändert bleibt. Der Inhaber eines solchen Geldes hat damit ein Instrument in der Hand, welches ihm eine furchtbare despotische Macht verleiht. … Das heutige Geldwesen ist vernunfts- und rechtswidrig, unwürdig eines Rechtsstaates. … Das heutige Geldwesen ist der Despot, der die Menschheit an der Nase herumführt wie Narren; vor seiner Willkürherrschaft beugt sich alles; willenlos tanzen die Menschen nach seiner närrischen Melodie. Um einen solchen Götzen tanzen die Menschen seit Jahrtausenden! … Wenn man sieht, wie Millionen von Arbeitern vom Kapital gezwungen, in ungesunden Werkstätten, gefährlichen Minen ihre Gesundheit, ihre Kräfte, ihr Leben hergeben müssen, um allen möglichen Dreck, allen möglichen dummen Tant, welcher keinen Teufel wert ist, herzustellen, während dieselben Arbeiter in der Herstellung gesunder Wohnungen, die ihnen selber Not tun, in der Bebauung brachliegender Länderflächen, deren Früchte ihrem Knochenmark fehlen, beschäftigt werden könnten. Wenn man sieht, dass dieselben Kapitalisten, welche immer an den Militärausgaben zu nörgeln haben, an der Sicherheit des Reiches nagen, Hunderte von Millionen an Kutschern, Köchen und Kammerjungfern ausgeben. Wenn man sieht, welche Mühe es kostet, lächerliche kleine Summen zu wissenschaftlichen Zwecken zusammenzubringen, während Milliarden in Palästen verbaut werden, welche den freien Ausblick in die Natur begrenzen. … Dann ergreift es den Beobachter mit wildem Weh, und er wünscht den Tag zu sehen, wo all dem Unsinn ein Ende gemacht wird.“
Die Reformation des Münzwesens als Brücke zum sozialen Staat (1891) in: Band 1, S. 32, 36 – 39, 49, 56, 61 und 66.
„Das heutige Geldwesen ist die verrückteste Einrichtung, die auf Erden existiert. … Zählt die Tränen, welche arme Mütter beim Anblick ihrer hungrigen Kinder vergießen; zählt die Milliarden, welche für Paläste, Dienerschaft und sonstiges dummes Zeug ausgegeben werden, multipliziert dies mit der Zahl der Schwindsüchtigen, Selbstmörder und bankrotten Kaufleute, dann habt Ihr in Mark einen geringen Teil dieser Unterhaltungskosten eines so teuren Geldsystems. … Auf Millionen, auf Tausende von Millionen, auf Milliarden belaufen sich die Verwaltungskosten des heutigen Geldwesens, die Verwaltungskosten der ersten, wichtigsten und gleichzeitig einfachsten aller staatlichen Verkehrseinrichtungen.“
Nervus rerum (1891), in: Band 1, S. 84 – 85 und 102.
„Das Geld kann dem Verkehr entzogen und demselben wieder zugeführt werden, wie es dem Besitzer desselben passt, ohne befürchten zu müssen, dass es faule oder verderbe. Kein Gegenstand eignet sich somit so vorzüglich zur Spekulation wie das Geld. Brot, Fleisch, Petroleum, Eisen, Kupfer sind Gegenstände, die man braucht, aber man kann sie auch für kurze Zeit wenigstens entbehren und durch andere ersetzen. Das Geld ist aber durch nichts zu ersetzen. Niemand kann das Geld auch nur einen Tag entbehren. … Es gibt in der Welt nicht eine Person, welche nicht die Unveränderlichkeit des Geldes benutzt hätte, um beim Kauf einer Ware kleine Vorteile zu erhaschen. Es gibt niemanden auf der Welt, welcher nicht täglich zehnmal Spekulation mit seinem Gelde treibt. … Und so geht es Tag für Tag, jahraus, jahrein, seit Jahrhunderten, seit Jahrtausenden. Immer hat der Geldinhaber dem Wareninhaber denselben kleinen Vorteil voraus, dass das Geld nicht verdirbt. Diese kleinen täglichen Vorteile machen mit der Zeit große kolossale Summen aus und bilden den Grund zu den riesigen Kapitalanhäufungen, denen wir heute begegnen. … Wer die Ursache der heutigen sozialen Krankheit finden will, der darf dieselbe nicht in dem Donner des dahinstürmenden Eisenbahnzuges suchen, nicht in dem ohrzerreißenden Tone der Fabrikpfeifen, nicht in den phantastischen Bewegungen der Windmühlen, sondern er muss sich bücken, er muss sein Auge anstrengen, wenn nötig das Mikroskop zur Hand nehmen. Und dann wird er sehen, dass der Reichtum und die despotische Macht Rockefellers aus den kleinen molekulären Vorteilen besteht, welche der heutige Geldinhaber über den Wareninhaber hat.“
Nervus rerum (1891), in: Band 1, S. 106 – 107 und 122.
„Man flucht über die Börse. Man nennt sie einen Giftbaum. Und niemand sieht ein, dass das Geld, das Goldene Kalb der wirkliche Giftbaum ist. Die ewige Verwechslung der Wirkung mit der Ursache wird auch hier nicht erkannt. … Die Nationalökonomie ist also auf dem Holzwege, wenn sie die Zinsen mit der Produktivität des Kapitals in Verbindung bringt. Die Produktivität des Kapitals hat mit den Zinsen gar nichts gemein, sondern diese sind nur eine Begleiterscheinung des heutigen Geldwesens.“
Die Verstaatlichung des Geldes (1892), in: Band 1, S. 204 und 208.
„Das Geld dient heute als Spar- und Tauschmittel, also zwei völlig verschiedenen, vielfach sich kreuzenden und widersprechenden Zwecken. … Das Geld soll also gleichzeitig laufen und ruhen, schlafen und arbeiten. Es soll gleichzeitig als Anker und Schraube, als Wagen und Sarg dienen. Aus dieser Doppelverwendung, diesen antagonistischen Zwecken entspringen alle Fehler des heutigen Geldwesens. Alle Widersprüche, Rätsel und Unklarheiten finden ihre Erklärung in dieser unnatürlichen Vereinigung von Tausch- und Sparmittel. Diese Doppelnatur des heutigen Geldes trägt ganz allein die Schuld, warum die Währungsfragen so überaus kompliziert erscheinen.“
Die Notwendigkeit einer Neubewaffnung der Emissionsbanken für den Kampf gegen Boom und Krise (1903), in: Band 3, S. 175.
„Im Anfang war das Geld. Und das Geld wurde zu einer Fabrik. Und die Fabrik war das Geld.“
Die Unentgeltlichkeit des Kredits in ihrem Verhältnis zum Real- und Geldkapital (1903), in: Band 3, S. 289.
„Wie geringe Temperaturschwankungen die Butter fest, weich oder flüssig machen, so ist das Geldangebot heute flüssig, morgen steif und übermorgen starr - je nachdem der politische Wind aus Nord, West, Süd oder Ost weht. … Wer auf dem Geldmarkt Herr sein will, der muss nicht allein das Monopol der Notenfabrikation besitzen, sondern er muss auch das von ihm ausgegebene Papiergeld dauernd unter seiner unmittelbaren Kontrolle behalten. … Mit der Diskontopolitik lässt sich keine vernünftige Emissionspolitik betreiben. Und tatsächlich haben ja bisher auch die tollsten Sprünge des Diskontosatzes weder vermocht, Hausse- und Baisseperioden zu vermeiden noch ihre Folgen abzuschwächen. Geld, dessen Angebot den Profit zur Voraussetzung hat, dessen Angebot von den Ansichten, Hoffnungen und Befürchtungen der Kapitalisten abhängig ist, ist psychologischen, nicht wirtschaftlichen Gesetzen unterworfen.“
Die Verwirklichung des Rechts auf den vollen Arbeitsertrag (1906), in: Band 4, S. 212 und 238.
„Angesichts der Tatsache, dass man in allen volkswirtschaftlichen Schriften als Muster von Realkapitalien regelmäßig nur Fischangeln, Hobel und ähnliche niedliche Dingelchen anführt, hielt ich es für geboten, es einmal klar auszusprechen, dass der Besitz von Realkapital so viel heißt wie ein steter Kampf gegen Fäulnis, Gestank, Moder, Feuergefahr, Schimmel, Überschwemmung, Mäuse, Motten, Ratten, Bruch, Explosionen usw. Ich hielt es für angezeigt, denn niemand hat es bisher getan, daran zu erinnern, dass der anscheinend so sehr begehrenswerte Besitz von Realkapital nur Kosten und Verluste bedeutet und dass es gegen diese Verluste nur ein einziges bewährtes Mittel gibt, nämlich die sofortige, nötigenfalls bedingungslose Verleihung.“
Die Verwirklichung des Rechts auf den vollen Arbeitsertrag (1906), in: Band 4, S. 247.
„Spart man des Zinsgenusses wegen oder für den Winter des Lebens und die Jahreszeit? Zu beachten ist hier, dass man nicht von einer Sparsitte, sondern allgemein von einem Sparsinn spricht. Die Sinne (oder Instinkte) waren aber alle ausgebildet, lange bevor an Zinsen gedacht wurde. Die Not lehrte den Menschen sparen zu einer Zeit, da sein Gehirn noch plastisch war. Und so hat sich das Sparen zu einem erblichen Sparsinn ausgebildet. Man spart, um über schlechte Zeiten hinwegzukommen. Die Bienen sparen, die Hamster sparen, der Bär spart (durch Fettansatz), aber von Zinsen ist in der Natur nirgendwo eine Spur zu sehen.“
Die Verwirklichung des Rechts auf den vollen Arbeitsertrag (1906), in: Band 4, S. 255.
„Den Zinsfuß zerlegt man ganz allgemein in: 1. den reinen Kapitalzins (Nettozins) und 2. die Risikoprämie. Aber zeitweise enthält der Zinsfuß noch ein drittes Element, nämlich 3. eine Vergütung für einen erwarteten Preisfall des Geldes (Verlust an Kaufkraft), die man nicht unpassend mit Ristorno bezeichnen könnte. Um die Natur dieses dritten Bestandteils des Bruttozinses richtig zu erfassen, ist die Erkenntnis unerlässlich, dass zwischen einer allgemeinen Preissteigerung und einer Erhöhung des Zinsfußes ein innerer Zusammenhang besteht. … Der reine Zins ist eine unveränderliche, fast eherne Größe.“
Die Verwirklichung des Rechts auf den vollen Arbeitsertrag (1906), in: Band 4, S. 277 und 285.
„Unsere sog. Gewerbe- und Handelsfreiheit ist nicht wurzelecht, darum trägt sie Dornen statt Rosen. Durch den Privatbezug der Grundrente wird im Wettlauf der Bürger der Start gefälscht, die Gewerbefreiheit aufgehoben. Und durch das heutige Geldwesen wird der Anspruch der Produkte unter die Kontrolle der Kapitalisten gestellt, die ihn von einem Zins abhängig machen. Monopole nehmen heute den Platz der Gewerbefreiheit ein. Diese Monopole sollen durch die Geld- und Bodenreform beseitigt werden und dadurch der Handelsfreiheit eine wurzelechte Grundlage gegeben werden.“
Die Verwirklichung des Rechts auf den vollen Arbeitsertrag - unveröffentlichter Werbeprospekt, in: Band 5, S. 252.
„Wie der Alchimist dasselbe Experiment tausend und abertausend mal wiederholt, immer in der heimlichen Hoffnung, dass durch eine glückliche Konstellation es doch einmal gelingen möge, so suchen nun schon seit ihrem Bestehen die Emissionsbanken den Zinsfuß mit vermehrten Geldmassen zu drücken. Sie haben immer nur das Gegenteil eines Erfolges wahrgenommen, aber das wird sie nicht hindern, morgen dasselbe unsinnige Experiment noch einmal zu versuchen. … Das Geld ist Tauschmittel der Waren und wo in der Verwaltung des Geldes die Direktiven anderswo als bei den Waren gesucht werden, da kann man auch sicher sein, dass irgendetwas in Unordnung geraten wird. … Von der höheren Warte der unpersönlichen Volkswirtschaft, nicht aus dem engen Gesichtskreis der Dividende, des Profits, der Differenz heraus soll die öffentliche Verwaltung des Geldes ihre Direktiven nehmen.“
Aktive Währungspolitik (1909), in: Band 5, S. 108, 114 und 141.
„Man kann in der letzten schroffsten Folgerung sagen, dass die Emissionsbank mit ihrer Politik die Kirchhöfe, die Kranken-, Waisen- und Zuchthäuser bevölkert. … Die meisten anarchistischen Attentate fanden in Baisse-Zeiten statt. Für diese Taten sind die Notenbanken vielleicht eher verantwortlich zu machen als die anarchistische Literatur.“
Aktive Währungspolitik (1909), in: Band 5, S. 138 und 140.
„Das Geld ist der Fußball der Volkswirtschaft.“
Die neue Lehre vom Geld und Zins (1911), in: Band 6, S. 58.
„Das Angebot ist immer gleich dem Warenbestand. Die Nachfrage ist dagegen von solchem Zwange befreit. Aus Gold hergestellt, einem Edelmetall, das wie der Name schon sagt eine Ausnahmestelle unter allen irdischen Stoffen einnimmt und sozusagen als Fremdkörper dieser Erde betrachtet werden kann, widerspricht es siegreich allen Zerstörungselementen der Natur. Das Gold rostet nicht und fault nicht. Frost, Hitze, Sonne, Regen, Feuer, nichts kann ihm schaden. Das Geld, das wir aus Gold machen, schützt seinen Besitzer vor jedem Substanzverlust. … Dieses Verhältnis bringt den Warenbesitzer in Abhängigkeit vom Geldbesitzer oder, um es in der kurzen und klaren Weise von Proudhon auszudrücken, das Gold ist nicht Schlüssel, sondern Riegel des Marktes, des Warenaustausches. … Wie das Feuer den Luftzug erzeugt, der den Brand belebt, so stärkt heute die Unterbrechung des Geldumlaufs die Nachfrage nach Geld. Nirgendwo sieht man die ausgleichenden Kräfte wirken, von denen noch so viele träumen. Verschärfung, nicht Milderung. Von Ausgleich, von regulierenden Kräften nirgendwo eine Spur.“
Die neue Lehre vom Geld und Zins (1911), in: Band 6, S. 115, 117 und 124 – 125.
„Der Urzins ist eine dauernd sprudelnde Quelle und die Erfahrung der Jahrtausende zeigt, dass man mit einer jährlichen und durchschnittlichen Beute von 4 oder 5 % rechnen kann. … Das Geld stellt für das Zustandekommen eines Hauses, einer Fabrik usw. die selbstverständliche Bedingung, dass das Haus von den Mietern, die Fabrik von den Arbeitern, das Schiff von den Frachten denselben Zins erheben kann, den es selber von den Waren jederzeit erheben kann. Kein Zins, kein Geld für Häuser, Fabriken und Schiffe. So besteht das Urkapital eines jeden kapitalistischen Unternehmens aus einer Summe Geld. Für alle die Millionen Mietshäuser, Fabriken, Schiffe usw. gilt das Wort: Im Anfang war das Geld. … Das Königskapital, das wirkliche Urkapital, das ist das Geld. Alle anderen Kapitalgegenstände sind Kreaturen des Geldes. Ihre Existenz als Kapital hängt durchaus von der Existenz des heutigen Geldes ab. Nimmt man dem Geld das Vorrecht, dem Volk den Bau neuer Häuser zu verbieten, reißt man das Wehr ein, welches das Geld zwischen den Arbeitern und den so genannten Realkapitalien errichtet, so wächst das Angebot dieser Dinge und sie verlieren ihren Charakter als Kapital. … Das so genannte Realkapital besitzt nicht, wie das Geld, eigene zinszeugende Organe. Es handelt sich bei diesen so genannten Realkapitalien genau wie bei den Waren um vom Geld ad hoc geschaffene und erzwungene Marktverhältnisse, um eine automatisch wirkende, künstliche Beschränkung in der Produktion so genannter Realkapitalien, so dass deren Angebot niemals die Nachfrage decken kann. … Das Geld schafft das Proletariat - nicht weil die Zinslasten das Volk um Hab und Gut bringen, sondern weil es das Volk gewaltsam daran hindert, sich Hab und Gut zu erschaffen. Das Proletariat ist eine gesetzmäßig sich einstellende Begleiterscheinung des herkömmlichen Geldes. … Der Zins, den die Realkapitalien heute abwerfen, ist eine Kreatur des Urkapitals, des Geldes. … Der Urzins ist der Schwerpunkt, um den der Zins aller Realkapitalien pendelt.“
Die neue Lehre vom Geld und Zins, in: Band 6, S. 214 – 219.
„Die physiokratische Lohntheorie lautet: Was nach Abzug der Grundrenten und des Kapitalzinses an Produkten übrig bleibt, das ist das, worin sich das arbeitende Volk zu teilen hat. Und zum arbeitenden Volk gehört jeder, der vom Ertrag seiner Arbeit lebt – also sowohl die Land- und Fabrikarbeiter wie auch die Beamten, Kaufleute, Unternehmer, Ingenieure, Ärzte, Lehrer usw. Die Unternehmer und Kaufleute rechnen hier zu den Arbeitern nur in ihrer persönlichen Eigenschaft als Unternehmer, nicht als Besitzer von Kapital. Als Arbeiter haben die Unternehmer das gleiche Interesse an der Verwirklichung des Rechts auf den vollen Arbeitsertrag wie jeder Proletarier; als Kapitalisten haben sie diesem Rechte entgegengesetzte Interessen.“
Die physiokratische Lohntheorie (1912), in: Band 7, S. 85.
„Unternehmer in ihrer Eigenschaft als Leiter, also auch als Arbeiter, haben mit den Arbeitern antikapitalistische Interessen gemein. Meistens sind sie aber Arbeiter und Kapitalist in Personalunion. Wo der Kapitalist vorherrscht, hört auch die Freundschaft auf.“
Brief an Fritz Schwarz vom 2./13.7.1917 aus Les Hauts Geneveys, in: Band 18, S. 149.
„Mit dem Achtstundentag (der übrigens aus hygienischen Gründen durchaus und mit allen Mitteln zu erstreben ist) wird weniger produziert und damit die Zeitspanne von einer Krise zur anderen verlängert. Statt alle fünf Jahre kommt mit dem Achtstundentag die Krise jetzt alle acht oder zehn Jahre. Während man früher 12 Stunden und mehr arbeitete, um sich dann in monatelanger Arbeitslosigkeit zu ‚erholen’, arbeitet man jetzt kürzere Zeit, dafür aber mit verkürzten Ferien. Die … Autosabotage braucht der Kapitalist mit dem Achtstundentag seltener in Anwendung zu bringen, um sich gegen eine drohende Kapitalüberproduktion (nicht mit Warenüberproduktion zu verwechseln!) zu sichern. Das ist alles, wenn es auch schon sehr viel für den Arbeiter wie für den Kapitalisten ist. Jeder einsichtige Kapitalist wird im eigenen Interesse für den Achtstundentag eintreten. Wenn man den Sechsstundentag einführte, so brauchte der Kapitalist überhaupt nicht mehr zu streiken und vielleicht könnte der Kurs des Kapitals von 4 auf 8 % steigen. Ihm, dem Kapitalisten, wäre das recht. … Denn der Kapitalzins wird genau wie der Warenpreis durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Dauert dieser Druck genügend lange an, so verschwindet der Zins vollständig; er geht von 5 auf 4 - 3 - 2 - 1 - 0 % herab. Damit ist aber das eigentliche Ziel aller proletarischen Aktionen erreicht – der Mehrwert, die Ausbeutung ist aus der Welt geschafft. Und mit der Beseitigung der Ausbeutung genügt wieder der Vier-, Fünf- oder Sechsstundentag, um das Kapitalangebot auf gleicher, den Zins vernichtenden Höhe zu halten und dem Arbeiter gleichzeitig doppelten Arbeitsertrag (nicht mit Arbeitsprodukt zu verwechseln) zu verschaffen.“
Proletarische Hoffnungen und Aktionen (unveröffentlichtes Manuskript 1917/18) http://www.silvio-gesell.de/html/ms_1917-18_2.html
„Ein Hirngespinst ist der so genannte Wert, ein jeder Wirklichkeit bares Erzeugnis der Einbildung. … Das ist ja gerade das Erstaunliche an der Behauptung, die Wertlehre wäre die Grundlage der nationalökonomischen Wissenschaft, dass dem Handel das Dasein dieses so genannten Wertes vollkommen unbekannt ist.“
Die Natürliche Wirtschaftsordnung (1920), in: Band 11, S. 122 -123.
„Das Geld bedarf offenbar des Stoffes nur, um greif- und sichtbar zu sein, damit wir überhaupt sein Dasein feststellen und es übertragen können, nicht etwa weil wir etwas vom stofflichen Teil des Geldes erwarten. … Beim Geld genügt es eben, dass man es zählen kann – der Rest ist immer lästiger Ballast. … Beim Geld verlangt man keinen Geschmack, kein Gewicht, keinen Raum, nichts Körperliches, nichts für die unmittelbare Befriedigung eines persönlichen Bedürfnisses. … Nicht seiner Farbe wegen hat man das Gold zu Geld gemacht, nicht seines Gewichts, seines Raumgehaltes, seines Klanges, seines Geruchs, seines Geschmacks, auch nicht seiner chemischen Verwandtschaften wegen. Das Gold rostet nicht, fault nicht, wächst nicht, zergeht nicht, kratzt, brennt und schneidet nicht; es ist leblos, das Urbild des Todes. … Je unwirksamer die Eigenschaften eines Stoffes sind, umso wirksamere Vorzüge hat er als Geldmaterial. Das ist das ganze Geheimnis der Papierwährung.“
Die Natürliche Wirtschaftsordnung (1920), in: Band 11, S. 142 – 143.
„Die Gegenstände, die das Angebot vertreten, verderben; sie verlieren an Gewicht und Güte, fallen gegenüber den frischen Erzeugnissen ständig im Preise. Bruch, Rost, Fäulnis, Nässe, Hitze, Kälte, Wind, Blitz, Staub, Mäuse, Motten, Fliegen, Spinnen, Feuer, Hagel, Erdbeben, Krankheiten, Unglücksfälle, Überschwemmungen und Diebe nagen nachdrücklich und ohne auszusetzen an der Güte und Menge der Waren. Und nicht viele unter ihnen gibt es, die nicht bereits nach wenigen Tagen oder Monaten deutliche Spuren dieser Angriffe zeigen. Und gerade die wichtigsten und unentbehrlichsten unter den Waren, die Lebensmittel und Kleider, widerstehen ihren Feinden am schlechtesten. Wie alles Irdische, so ist die Ware in steter Umwandlung begriffen. … Die Ware verdirbt nicht nur, sondern sie veraltet auch. … So sehen wir, wie die Natur der Ware, ihre Vergänglichkeit, die große Mehrheit des Volkes zwingt, regelmäßig auf dem Markte zu erscheinen. … Das Angebot der Ware geht also von der Ware aus, nicht vom Eigentümer. … Die Nachfrage ist dagegen von solchem Zwange befreit. Aus Gold hergestellt, widersteht sie siegreich allen Zerstörungskräften der Natur. … Das Geld, das wir aus Gold machen, schützt seinen Besitzer vor jedem Stoffverlust. Auch die Güte ändert sich nicht. … Die Zeit geht am Gold spurlos vorüber; der Zahn der Zeit kann ihm nichts anhaben. … Unser heutiges Geld vermittelt den Austausch der Waren nur unter Erhebung einer Abgabe. Ist der Markt die Straße, auf der die Waren ausgetauscht werden, so ist das Geld der Schlagbaum, der nur nach Zahlung des Wegegeldes gehoben wird. Das Wegegeld, der Profit, die Abgabe, der Zins oder wie man es nennen mag, ist die allgemeine Voraussetzung des Warenaustausches. … Zwang, dinglicher, der Ware anhaftender Zwang beim Angebot; Freiheit, Wille, Unabhängigkeit von der Stunde, von der Zeit bei der Nachfrage – das Ergebnis muss notwendig eine Abgabe sein. Die Ware muss dem Geld diese Freiheit bezahlen. Ohne diesen Tribut wird kein Geld angeboten; ohne dem Geld die Tauschvermittlung zu bezahlen, erreicht keine Ware den Bestimmungsort. Kann aus irgendeinem Grund das Geld seine gewohnte Steuer nicht erheben, so bleiben die Waren liegen, sie verderben, verfaulen, vergehen (Krise).“
Die Natürliche Wirtschaftsordnung (1920), in: Band 11, S. 179 – 181 und 183.
„Das Geld soll doch ‚ein Schlüssel und kein Riegel des Marktes’ sein, es soll eine Straße und kein Schlagbaum sein; es soll den Austausch fördern, verbilligen, nicht hemmen und belasten. Und es ist doch klar, dass ein Geld nicht zugleich Tausch- und Sparmittel (besser: Wertaufbewahrungsmittel; d. Red.), Peitsche und Bremse sein kann. … Das Angebot steht unter einem unmittelbaren, den Waren anhaftenden sachlichen Zwang; darum fordere ich einen gleichen Zwang für die Nachfrage, damit bei den Verhandlungen um den Preis das Angebot nicht der Nachfrage gegenüber im Nachteil bleibe. … Der stoffliche Umlaufszwang befreit den Geldumlauf von allen Hemmungen und versetzt die gesamte vom Staate ausgegebene Geldmasse in einen ununterbrochenen, gleichmäßigen, durch nichts zu störenden Umlauf und erzeugt dadurch eine ebenso regelmäßige, ununterbrochene Nachfrage.“
Die Natürliche Wirtschaftsordnung (1920), in: Band 11, S. 197 - 198.
„Ohne Kauf kein Verkauf; darum, wenn das Geld seinen Zweck erfüllen soll, soll der Kauf dem Verkauf auf dem Fuße folgen – Zug um Zug. … Ein Recht auf Zins widerspricht dem Gedanken des Geldes, denn dieses Recht käme einer Besteuerung gleich, einer privaten Besteuerung des Warenaustausches mit Hilfe einer staatlichen Einrichtung. … Eine Ruhebank ist das Geld nicht, sondern ein Übergangslager. … Der Staat baut Straßen für die Beförderung der Waren und er verfertigt Geld für den Tausch der Waren. Und wie der Staat verlangt, dass niemand eine belebte Straße durch zu langsames Fahren mit Ochsenkarren versperre, so muss er auch verlangen, dass niemand den Tausch durch Festhalten des Geldes unterbreche oder verzögere. Wer dennoch solche Rücksichtslosigkeiten begeht, soll bestraft werden.“
Die Natürliche Wirtschaftsordnung (1920), in: Band 11, S. 200.
„So kam mit dem Geld und der Arbeitsteilung zugleich der große Friedensstörer, der Zins, auf die Welt. … Die Arbeitsteilung hätte den Menschen allgemeinen Wohlstand bringen sollen, da sie ja kein Vorrecht einzelner, sondern allen Menschen zugänglich ist. Aber aus den Händen des Geldes empfing die Menschheit diese Götterkraft nur unter der Bedingung des Zinses und damit auch der Trennung der Menschen in Arm und Reich.“
Die Natürliche Wirtschaftsordnung (1920), in: Band 11, S. 224 – 225.
„Kein Zins = kein Geld; kein Geld = kein Austausch der Waren; kein Tausch = keine Arbeit.“
Die Natürliche Wirtschaftsordnung (1920), in: Band 11, S. 283.
„Wir bezahlen im Urzins also weiter nichts als die Tätigkeit der Kapitalisten, die darin besteht, dem Handel Steine in den Weg gewälzt zu haben. … Der Urzins ist eine dauernd sprudelnde Quelle. … Für alle die Millionen Mietshäuser, Fabriken, Schiffe usw. gilt das Wort: Im Anfang war das Geld. … Es muss gesetzmäßig dahin kommen, dass das gesamte so genannte Realkapital den gleichen Zins einträgt, den das Geld dem Warenaustausch als Urzins aufbürden kann. Die Häuser, Fabriken, Maschinen usw. sind Kapital. Sie erheben den Zins nicht wie die Ware als Kassenbote, um ihn an den Geldbesitzer abzuliefern, sondern für den Besitzer des Hauses. Aber diese Macht stützt sich nicht auf Eigenschaften dieser Dinge, sondern darauf, dass das Geld – genau wie bei den Waren – die Marktlage für die Erhebung des Zinses vorbereitet. … Das Geld allein ist das wirkliche Urkapital. Alle anderen Kapitalgegenstände (Sachgüter) sind durchaus von der Beschaffenheit des Geldes abhängig, sind dessen Geschöpfe, sind vom Geld in den Adels-, in den Kapitalstand erhoben worden. … Das so genannte Realkapital muss Zins abwerfen, weil es nur durch Ausgeben von Geld zustande kommen kann und weil dieses Geld Kapital ist. Das sog. Realkapital besitzt nicht – wie das Geld – eigene Zins erpressende Machtmittel. Es handelt sich bei diesen sog. Realkapitalien genau wie bei den Waren um vom Geld … geschaffene Marktverhältnisse, um eine selbsttätig wirkende, künstliche Beschränkung in der Erzeugung sog. Realkapitalien, so dass deren Angebot niemals die Nachfrage decken kann. … Das sog. Realkapital besteht sicher aus sehr realen und unentbehrlichen Gegenständen; aber als Kapital sind diese Gegenstände nichts weniger als real. Der Zins, den sie heute abwerfen, ist ein Geschöpf des Urkapitals, des Geldes. … Der Urzins ist der Gleichgewichtspunkt, um den der Zins aller Realkapitalien pendelt.“
Die Natürliche Wirtschaftsordnung (1920), in: Band 11, S. 334, 338 – 341.
„Das Proletariat ist eine notwendige, gesetzmäßig sich einstellende Begleiterscheinung des herkömmlichen Geldes. Ohne Ausflüchte, ohne Gewalt, ohne Wenn und Aber ist das Proletariat von unserem herkömmlichen Gelde unmittelbar abzuleiten.“
Die Natürliche Wirtschaftsordnung (1920), in: Band 11, S. 368.
„Die Bestandteile des Bruttozinses: Urzins, Risikoprämie und Hausseprämie. … Neben der Risikoprämie enthält der Zinsfuß oft noch einen eigentümlichen, von den Schwankungen im allgemeinen Preisstand der Waren bestimmten Bestandteil, den ich in Anlehnung an seinen fremdnamigen Gefährten und um ihm einen auch für das Ausland brauchbaren Namen zu geben, mit Hausseprämie bezeichne. Diese bedeutet den Gewinnanteil des Geldgebers an der erwarteten Preissteigerung.“
Die Natürliche Wirtschaftsordnung (1920), in: Band 11, S. 369.
„Der Kapitalist lebt ganz in der Gegenwart. Seine Zukunftspläne reichen nie über den Abend hinaus. Zukunft ist für ihn nichts als verkürzte, verbrauchte Gegenwart. Er braucht keine Hoffnung. Diesen billigen Gegenwartsersatz überlässt er dem Proletarier. Der Proletarier braucht Hoffnung. Ganz bestimmt würde der Proletarier für sich und für den Kapitalisten das Ende mit Schrecken dem Schrecken ohne Ende vorziehen, wenn er die Hoffnung verlöre.“
Die Ausbeutung – ihre Ursachen und ihre Bekämpfung. Zweite Denkschrift an die Deutschen Gewerkschaften (1922), in: Band 13, S. 353.
„Unter Kapitalismus ist der Zerfall der Völker in Klassen, die Scheidung der Menschen in Rentiers und Arbeiter zu verstehen, die heute in der ganzen Welt durchgeführt ist. Wohin man sich auch wenden mag, nach Osten und Westen, nach Norden und Süden, nach autokratisch oder demokratisch geführten Staaten, allüberall findet man die gleichen Verhältnisse: Hunderttausende von Rentiers, die kaum wissen, was sie aus Übermut treiben sollen, und Arbeiter, die trotz der durch die Wunder der modernen Technik ins Riesenhafte gesteigerten Produktionsfähigkeit oft nicht wissen, wie sie die elementarsten Bedürfnisse befriedigen können. Dabei die durch die Krisen geschaffene Unsicherheit. Dieser Zerfall der Völker ist so alt wie die Kultur. Er ist ihr unzertrennlicher Begleiter. Sobald ein Volk zur Geldwirtschaft übergeht, die die Arbeitsteilung ermöglicht und ausgestaltet, setzt auch der Zerfall des Volkes in Genießer und mühselig Beladene ein. Worauf ist diese Erscheinung zurückzuführen? Auf diese Frage gibt es unzählige Antworten. Die erste Antwort, von der uns die Geschichte erzählt, gab Moses, indem er die Unveräußerlichkeit des Bodens erklärte, das Zinsverbot und das Jubeljahr einführte. Merkwürdigerweise hat auch Lykurg auf die Frage nach der Ursache des sozialen Zerfalles der Völker die gleiche Antwort wie Moses gegeben: Unveräußerlichkeit des Bodens und Ersatz des Goldes durch eisernes Geld waren Lykurgs Forderungen. Beide großen Gesetzgeber des Altertums, Moses und Lykurg – voneinander durch sieben Jahrhunderte und ein Meer getrennt – gaben also auf die Frage nach der Ursache des sozialen Zerfalles der Völker übereinstimmend zur Antwort: das Gold und das Privateigentum am Boden. Und jetzt nach 3½ Jahrtausenden, nach einer entsetzlichen Leidensgeschichte der Menschheit, kommt Freiland-Freigeld auf die Antworten von Moses und Lykurg zurück und erklärt: ja, Moses und Lykurg haben recht.“
Vorwort zu: Der verblüffte Sozialdemokrat (1922), S. 30 – 31.
„Die Spaltung des Volkes in reich und arm ist noch tausendmal übler und vor allem gefährlicher als die allgemeine Armut. Aus dieser Spaltung erwächst der Widerstand gegen jede vernünftige Fortentwicklung des Gesellschaftslebens. Aus dieser Spaltung erwächst der reaktionäre Geist. Diese Spaltung überträgt sich in gerader Linie auf den Reichstag, auf die Gesetzgebung, auf die Verfassung. Sie ist die Ursache, warum allem, was von dort kommt, die schmutzigen Fingerabdrücke des Pfuschers anhaften. Sie überträgt sich auf die Literatur, auf die Wissenschaft, auf die Religion. Sie steht wie der Kunst so allem Echten im Wege. Sie ist das Jagdgebiet der Heuchler, der Lügner, der Politiker, der Taktiker und der Strategen. Kurz, sie ist der große Hemmschuh, sie ist es letzten Endes, die den wahnsinnigen Krieg über uns gebracht hat.“
Die Erfüllung und was wir von ihr persönlich sowie welt-, staats- und sozialpolitisch zu erwarten haben (1923), in: Band 14, S.277 – 278.
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