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LESEPROBEN 07 | Einfluss des Geldes auf
die Geschichte

   „Der Geldmangel, der während der ganzen Dauer des Mittelalters vorherrschte, verhinderte eine größere Ausbreitung der Geldwirtschaft überhaupt. Und wo sie sich eingebürgert hatte, notierten die Preise en baisse. … Diese Zeit wirtschaftlichen Verfalles (der wiederum zur Genüge den geistigen und politischen Knechtssinn erklärt), fand nun mit den Rimessen Pizarros ein Ende. Das Gold wanderte in die Münzen und von dort natürlich auf den Markt, wo gleich die Nachfrage wuchs und die Preise anzogen. Und das genügte, um die tausendjährige Baisse zu beseitigen. Handel und Verkehr waren wieder freigegeben. Die Unternehmer, überhaupt die Arbeit, atmeten wieder auf. Und die ökonomische Freiheit löste auch dann die Bande des Geistes. Es ist vielleicht gar nicht zuviel gesagt, wenn behauptet wird, dass Thomas Müntzer, Luther, der Bauernkrieg etc. Produkte der Hausse waren.“

Die argentinische Geldwirtschaft und ihre Lehren (1900), in: Band 2, S. 287 – 288.


   „Ansätze zur Renaissance hat es ja immer gegeben, aber es fehlte die Vorbedingung jeder Kulturentfaltung, es fehlte das Tauschmittel Geld, welches allein die Arbeitsteilung, den Handel, den Verkehr ermöglicht. Aber von dem Augenblick an, wo wieder Geld unter die Leute kam, da wurde es lebendig, überall, in allen Ländern, in allen Köpfen. Da wurde gedichtet, gemalt, gemeißelt, gebaut. Da befuhr man wieder die Meere, da wurde auch der Boden vorbereitet für die Reformation.“

Die Rolle des Geldes in den Geschicken der Völker (1914), in: Band 8, S. 61.


   „Das Geld ist das natürlichste und mächtigste Bindemittel der Völker. Das Weltreich der Römer wurde durch die römische Münze fester als durch seine Heerhaufen zusammengehalten. Als die Gold- und Silbergruben versiegten und keine Münzen mehr geprägt wurden, da fiel das Weltreich auseinander.“

Die Natürliche Wirtschaftsordnung (1920), in: Band 11, S. 149.


     „Das zu Geld gewordene Gold ermöglichte es den Barbaren, die Arbeitsteilung einzuführen und sich technisch für die Warenerzeugung einzurichten. Das Geld war eine Leiter, die es dem Urmenschen gestattete, aus seiner Höhle auf lichtere Höhen des Menschentums zu steigen. Doch es war eine schadhafte Leiter. Und eine schadhafte Leiter wird umso gefährlicher, je höher man damit steigt.
   Es ist noch heute vielen vollkommen rätselhaft, wie fabelhaft schnell die alten Kulturvölker die höchsten Höhen des Menschentums erklommen hatten. Man staunt über das, was die Griechen, Römer und ältere Völker vor ihnen in oft verblüffend kurzen Zeiträumen geleistet haben. Dieses Rätsel löst das Geld und die damit ermöglichte Arbeitsteilung, deren fortschrittsfördernde Kraft niemals hoch genug eingeschätzt werden, niemand überschätzt werden wird. Die erstaunliche Schnelligkeit der Entwicklung jener Völker gibt uns den besten Maßstab für die Bedeutung des Geldes. …
   Das Geld ist die Grundmauer der Kultur  - alles andere ist auf dieser Grundmauer errichtet. Diese alles überragende Bedeutung des Geldes sagt uns aber auch, was es bedeuten würde, wenn diese Grundmauer einmal versagte. Alles, was darauf gebaut wurde, stürzt dann wieder zusammen. Und tatsächlich sanken auch die alten Kulturvölker in das Nichts zurück, als das Geld verschwand.“

Die Natürliche Wirtschaftsordnung (1920), in: Band 11, S. 217.

  
   „Für die Römer traf das ungefähr um die Zeit des Kaisers Augustus zu, wo alle Goldbergwerke erschöpft waren und auch die spanischen Silberminen, die bis dahin den Hauptbeitrag zum Rohstoff der römischen Münzen geliefert hatten, nur noch sehr spärlich förderten. Damit setzte der Verfall des Römerreiches ein. Roms Macht war wie jede dauerhafte Staatsmacht eine wirtschaftliche, auf Handel, Arbeitsteilung und Geldwesen aufgebaute Macht. Wohin das römische Geldwesen gelangte, da konnte sich die Arbeitsteilung entfalten, die den Wohlstand schuf. … Als aber die Römer kein Gold und Silber mehr fanden, da konnten die Römer auch kein Geld mehr prägen. Das vorhandene Geld verschwand nach und nach, ging verloren, wurde großenteils als Bezahlung der Einfuhr aus dem Morgenlande, der keine entsprechende Ausfuhr gegenüber stand, ausgeführt. … Die goldene Leiter brach und das Römerreich stürzte so tief, weil es so hoch auf dieser verräterischen Leiter gestiegen war. Und heute staunen in der Umgegend Roms die Geißhirten verständnislos die Trümmer gewaltiger Werke an, die das Geld aus dem Nichts hervorgezaubert hatte. Roms Glanz war wie der Glanz Babylons, Griechenlands und Jerusalems nur ein Abglanz der im Geldwesen verborgenen, urgewaltigen Kulturkräfte.
   Was man sonst als Erklärung des Unterganges der Völker des Altertums anführt, stammt alles aus der mittelalterlichen, unfrohen, klösterlichen Weltanschauung, die dann zur Herrschaft gelangt, wenn kein Gold gefunden wird, wenn die Arbeitsteilung eingeschränkt oder aufgegeben werden muss, wenn Elend, Hunger und Unterwürfigkeit sich breit machen. Es ist nicht wahr, dass die Lasterhaftigkeit der herrschenden Klassen Roms Untergang verursachte. So mächtig sind keine Menschen, dass das Wohl und Wehe eines ganzen Volkes auf Jahrhunderte hinaus von ihnen abhinge. … Rom ging nicht an der Sittenverderbnis zugrunde; verderbte Männer gehen selber an ihrer Verderbtheit zugrunde, doch das Volk hat damit nichts zu tun. Wie oft wären die Völker Europas zugrunde gegangen, wenn die Lasterhaftigkeit der Fürsten, der herrschenden Klassen dazu genügte. … Falsch ist es ferner, wenn man die Germanen für den Untergang Roms verantwortlich macht. Was sollten die Germanen auf den Trümmern Roms, wenn auch sie kein Gold fanden, um Geld für die Arbeitsteilung zu prägen? Und ohne Arbeitsteilung können auch Germanen keine Kultur schaffen. Rom ging an der Geldschwindsucht zugrunde und diese tödliche Pest übertrug sich auf alle Völker, die nach Rom kamen. Aus den Trümmern Roms konnte kein neues Leben erstehen, auch unter germanischer Herrschaft nicht.
   Und so schlief denn Rom anderthalb Jahrtausende bis zur Wiedergeburt, bis zur Renaissance. Und diese Wiedergeburt ist der größten Erfindung aller Zeiten, der Erfindung unechter Münzen, zuzuschreiben. Jawohl, es ist so, die Falschmünzerei weckte Rom, weckte ganz Europa aus dem mittelalterlichen Winterschlaf. Es fehlte der Rohstoff, um echte Münzen zu machen, also machte man unechte. Die Künstler, Erfinder und Kaufherren der Renaissance sind Wirkungen, keine Ursache. Dichter und Erfinder werden zu allen Zeiten geboren. Ist die große Hebamme – Geld – zur Stelle, so gedeihen sie, entfalten ihre Kräfte; sonst aber gehen sie zugrunde. Die wahre Ursache der Renaissance lag also tiefer. Sie muss in der Tatsache erkannt werden, dass man im 15. Jahrhundert überall in Europa und namentlich in Italien daran ging, das wenige von der Römerzeit herüber gerettete Geld durch Zusatz von Kupfer zu vermehren und diesen unechten Münzen trotzdem die volle gesetzliche Zahlkraft zuzumessen. … Der Schinderling gab der Arbeitsteilung wieder Luft – und was war denn im Grunde die Renaissance anderes als die Wiedergeburt der Arbeitsteilung?“

Die Natürliche Wirtschaftsordnung (1920), in: Band 11, S. 218 - 220.


   „Es ist sehr schade, dass die Historiker zumeist nichts von der Währungsfrage wissen.“

Der Untergang Roms und seine Ursachen (1921), in: Band 13, S. 26.


   „Wenn in dem uns Menschen prophezeiten Untergang ein einziges Liebespärchen sich aus der Sintflut rettet, dann werden, wenn diese Menschen eine bessere Unterhaltung kennen als Bürger- und Völkerkrieg, knapp 500 Jahre genügen, um die Welt wieder so zu bevölkern, wie sie heute ist. Und was bedeuten fünf Jahrhunderte für den, der sie im Grabe an sich vorbeiziehen lässt? … Muss es nun durchaus so kommen? … Steht die Menschheit etwa mit Ebbe und Flut in Verbindung? Muss die Menschheit wie das Einzelwesen etwa altern und sterben? Gibt es in der Entwicklung des Menschengeschlechtes etwa auch Jahreszeiten, Sommer und Winter? Oft wird dieser Vergleich zur Erklärung des sonst rätselhaften Unterganges der Völker gebraucht. Nichts, aber auch gar nichts berechtigt uns zu solchem Vergleich. … Der Vergleich mit den Jahreszeiten ist an den Haaren herbeigezogen. … Nicht der Mensch, sondern sein Werk ging unter. …
   Unser Boden- und Geldrecht bildet die Grundlage der gesellschaftlichen Ordnung. Auf ihm spielt sich das Leben ab. Es ist der Träger der Arbeitsteilung, der Industrie, des Verkehrs, des Handels. Es prägt allen gesellschaftlichen Einrichtungen, allen Sitten und Gebräuchen, der Ehe, dem Bau der Städte, der Architektur, dem Bau der Mietskasernen, der nationalen und internationalen Politik, der Literatur, der Philosophie, der Religion, dem Streben der Jugend und des Alters den Stempel auf, und zwar den schmutzigen Stempel der Gewalt, des Hasses, der Verlogenheit, des Klassenstaates. Ihm passen wir alles an. Innerlich wie äußerlich sind wir zum Spiegelbild dieses Rechtes geworden. Es bildet die Gussform, innerhalb derer wir uns seit 6000 Jahren entwickeln. Und Krieg, Mord und Raub sind die Notausgänge aus dieser Form. Und alle Kriege, alle Empörungen und Revolutionen haben bisher nicht vermocht, diese Form zu sprengen.“

Der Aufstieg des Abendlandes (1923), in: Band 14, S. 201 – 206.


     „Über Europa wird Unheil hereinbrechen, wenn die Währungsfrage nicht gelöst wird. Immer und immer wieder unterbrach die ungelöste Währungsfrage den Aufstieg der Menschheit. Babylon, Athen, Rom gingen an der ungelösten Währungsfrage zugrunde. Und wie das blühende Mesopotamien würde sich auch Europa wieder in eine Wüste verwandeln, falls wir  - wie jene Völker  - uns als unfähig erweisen sollten, die verborgenen Mängel unserer Währung zu erspähen und zu beseitigen.“

Geschichtsstudiengesellschaft des FFF-Bundes (1924), in: Band 15, S. 67 – 68.

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