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LESEPROBEN 07 | Inflation, Deflation und
stabile Währung

   „Was bedeutet die Währung, was bedeutet das Eigentum noch, wenn die Preise der Waren auf und nieder schwanken wie ein Rohr im Winde?“

Diskontopolitik und Währung (1902), in: Band 3, S. 107.


   „Bei helllichtem Tage vor jedermanns Auge zu stehlen, das tut man nicht. Im Trüben, heißt es, ist gut fischen! Trüb war die Währung früher, ein Eldorado für Diebe. Jetzt ist das Wasser geklärt und für jedermann durchsichtig.“

Die Verwirklichung des Rechts auf den vollen Arbeitertrag (1906), in: Band 4, S. 145.


   „Das Geld soll über Ort und Zeit hinweg stets und ewig denselben Preis erzielen, den man in Waren dafür bezahlt hat, damit der Schuldner das zurückzahlt, was er selbst für das geborgte Geld erstanden hat. Keinen Pfennig mehr, keinen Pfennig weniger.“

Die Verwirklichung des Rechts auf den vollen Arbeitsertrag (1906), in: Band 4, S. 198.


   „Wir haben Maß für Bier, für Leinwand, für Speck. Wir messen die Tiefe des Meeres, die Höhe der Berge, die Entfernung der Gestirne, die Stärke des Lichts, die Gewalt des Dampfes, die Flucht der Zeit. Aber für die Herstellung eines Maßes für das Geld haben wir noch keine Zeit gefunden. …
   Kann man ein Haus bauen, ohne für ein Fundament zu sorgen? Kann man auf die ‚unklarste’, ‚verworrenste’ und ‚strittigste’ Partie der Volkswirtschaft, auf einem Moraste von Widersprüchen des Landes weitaus wichtigste Einrichtung, die Währung, begründen? Das ist ja eine wahnsinnige Hoffnung.“

Die Verwirklichung des Rechts auf den vollen Arbeitsertrag (1906), in: Band 4, S. 224 und 229.


   „Es ist ungerecht, das Geld zu entwerten, weil dies den Schuldner auf Kosten des Gläubigers begünstigt. Es ist ebenso ungerecht, den Geldwert zu heben, weil dies den Gläubiger zum Schaden des Schuldners bevorzugt. Die Gerechtigkeit verlangt, dass der Wert des Geldes auf einem festen Stand erhalten werde. … Die Schwankungen in den Jahreszeiten und in der Luftwärme gleichen wir durch einen Wechsel unserer Kleidung aus. Eine Geldpolitik aber, die nicht die Notwendigkeit vorsieht, sich dem Wechsel der Handelsbedürfnisse anzupassen, kommt uns vor wie ein Reisender, der nur einen Rock hat und der abwechselnd über Kälte und dann über Hitze klagt.“

La pletora monetaria de 1909 y la anemia monetaria de 1898, (1909), in: Band 5, S. 209 und 211.


   „Die Preise dürfen niemals und unter keinerlei Umständen fallen! … Die Mark als Währung ist das Unveränderliche, das Währende, die Grundlage aller Berechnungen. Die Mark als Geld hat nur den Ausgangspunkt mit jener gemein. Es ist also weiter nichts geschehen, als was mit allen Dingen rings um uns her geschieht. Die Gattung, der Begriff bleibt sich gleich -  das Exemplar, der Vertreter ist sterblich und treibt ständig seinem Ende entgegen. Nichts ist mehr geschehen als dass wir das Tauschobjekt von der Währung, das Exemplar von der Gattung getrennt und das Geld dem allgemeinen Gesetz des Werdens und Vergehens unterworfen haben.“

Die neue Lehre vom Geld und Zins (1911), in: Band 6, S. 132 und 177.


   „Es lässt sich für die Volkswirtschaft nichts Schlimmeres denken als rückgängige Preise.“

Die Rolle des Geldes in den Geschicken der Völker (1914), in: Band 8, S. 66.


  „Wer an der Währung rüttelt, der rüttelt an den Grundfesten der Volkswirtschaft und des Staates. Auf der Währung ist die Volkswirtschaft aufgebaut. Löhne, Gehälter, das Kreditwesen, das Kapital der Gläubiger (Hunderte von Milliarden), alles steht und fällt mit der Währung. Wer ein ganzes Volk zerrütten und entsittlichen will, der braucht nur die Währung anzutasten. … Die absolute Währung, unter der der Durchschnittspreis unter allen Umständen fest bleibt, ist heute Sache des Wollens, nicht mehr des Könnens. … Privatwirtschaftliche Gesichtspunkte sollen aber in einer öffentlichen Sache wie der des Geldes überhaupt keine Berücksichtigung finden, da man diesen privatwirtschaftlichen Interessen nur auf Kosten anderer privater Interessen gerecht werden könnte. Die absolute Währung steht unparteiisch über allen privaten Interessen. …
   Die absolute Währung muss man sich dynamisch, nicht statisch vorstellen. Sie ist eine Tat, ein Verwaltungsprodukt, kein Stoff, keine Eigenschaft einer Materie. … Die absolute Währung kreist, ohne an irgendeine konkrete Ware gebunden zu sein, frei wie die Erde um die Sonne um den Durchschnittspreis der Waren.“

Die gesetzliche Sicherung der Kaufkraft des Geldes durch die absolute Währung –
Denkschrift an die Nationalversammlung (1919), in: Band 10, S. 249, 258 – 259, 261 und 264.


   „Die Währung ist doch der Drehpunkt der Volkswirtschaft, der Ordnung, der Moral und des Rechtes. Wer an der Währung rüttelt, der rüttelt an den Grundmauern des Staates. Alles schwankt; alles, alles wird in Frage gestellt. Männer werden irre, Mädchen stürzen, wenn dieser Drehpunkt nachgibt. Es geht dann im Staate zu wie im Planetensystem, wenn die Sonne entfernt wird.“

Wie wars mit unserer finanziellen Kriegsbereitschaft? (1919), in: Band 10, S. 318.


   „Wir geben der Reichsbank den Rat, sich möglichst bald gesetzliche, verantwortungsfähige Richtlinien für ihre Notenpolitik geben zu lassen, denn es könnte geschehen, dass man sie in naher Zukunft zur Rechenschaft ziehen wird für ihre Mitbeteiligung am Zusammenbruch und an der Sabotage der Demokratie.“

Für das sozialistische Wörterbuch der Volkswirtschaft (1919), in: Band 10, S. 340.


   „Das Geld soll über Ort und Zeit hinweg ewig denselben Preis erzielen, den es heute hat. … Da hier Milliarden auf dem Spiele stehen, da von dem Geldpreis das Wohl und Wehe der Gläubiger und Schuldner abhängt, so bedarf es hier einer sorgfältigen Arbeit. Das Verfahren, das hier angewandt wird, muss der Sonderbeeinflussung Einzelner entrückt sein und ein genaues, wissenschaftlich unanfechtbares Ergebnis liefern. … Die Preise dürfen niemals und unter keinen Umständen fallen!“   

Die Natürliche Wirtschaftsordnung (1920), in: Band 11, S. 154, 157 und 195.


     „Die Währung hält den Staat zusammen oder sie sprengt ihn  - je nachdem. Wird hier gepfuscht, so löst er sich in kleinste Teile auf, wie wir es jetzt erleben, in Atome, die sich gegenseitig abstoßen. Stadt gegen Land, Beruf gegen Beruf, Volksstamm gegen Volksstamm, Norden gegen Süden, Gläubiger gegen Schuldner, Festbesoldete gegen Lohnarbeiter -  bis schließlich Arbeiterbataillone gegen Arbeiterbataillone marschieren.“

Verteidigungsrede (1919/20), in: Band 12, S. 28.


   „Privatwirtschaftliche Gesichtspunkte sollen aber in einer öffentlichen Sache, wie sie das Geld ist, überhaupt keine Berücksichtigung finden, da man diesen privatwirtschaftlichen Belangen nur auf Kosten anderer privater Interessen gerecht werden könnte. Die absolute Währung steht unparteiisch über aller Rücksicht auf Einzelne. … Die absolute Währung muss man sich dynamisch, nicht statisch vorstellen. Sie ist eine Tat, eine Verwaltungsmaßnahme – kein Stoff, keine Eigenschaft eines Stoffes. … Die Tätigkeit des Reichswährungsamtes ist mit der Arbeit des Schiffssteuermanns zu vergleichen, der das durch Strömung und Wind ständig aus dem Kurs geworfene Schiff durch entgegengesetzte Steuerwendungen doch immer wieder in die gewollte Richtung zurück zwingt. …
   Das Reichswährungsamt ist nach allen Seiten hin unabhängig, namentlich auch gegenüber den Geldbedürfnissen des Finanzministeriums ist diese Unabhängigkeit eine unbedingte. … Damit wird dann den Spekulationsgeschäften der Boden entzogen und der Handel kann sich auf einer festen Unterlage entwickeln. … Es handelt sich hier bei der Reichsbank nicht mehr um eine Aktiengesellschaft, sondern um ein Reichsamt.“

Das Reichswährungsamt (1920), in: Band 12, S. 66 – 68, 96 und 99.


   „Die Gerechtigkeit verlangt, dass der Wert des Geldes auf einem festen Stand erhalten werde. Wie das zu erreichen ist? Einfach, indem man das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage nach Geld aufrechterhält.“

Das Reichswährungsamt (1920), in: Band 12, S. 129.


   „Das Währungsamt benutzt als Maßstab für die Bemessung des Geldbedarfs den vom statistischen Amt fortlaufend zu ermittelnden Durchschnittspreis der Waren. Das Währungsamt wird in Übereinstimmung mit der bereinigten Quantitätstheorie Geld einziehen, so oft und so lange die Warenpreise aufwärts streben, und umgekehrt Geld ausgeben, so oft und so lange die Warenpreise eine Neigung nach unten zeigen. Ausdrücklich wird dem Währungsamt bei der Bemessung des Geldbedarfs jede Rücksichtnahme auf die Bedürfnisse des Fiskus, der Banken sowie auf den Zinsfuß versagt. Auch darf das Währungsamt keinerlei Bankgeschäfte betreiben. Als Methode zur Ermittlung des Durchschnittspreises der Waren wird dem statistischen Amte die sogenannte Indexnumber-Methode vorgeschrieben.“

Internationale Valuta-Assoziation (1920), in: Band 12, S. 173.


   „Eine Forderung, die heute von Vertretern aller Parteien trotz allen sonstigen Streites in schöner Einmütigkeit erhoben oder befürwortet wird und die deshalb eigentlich ohne erheblichen Widerspruch irgendeiner Partei durchgeführt werden könnte, ist der Preisabbau. … Wer aber die große Bedeutung der Währungsfrage für die Volkswirtschaft richtig einzuschätzen weiß …, der wird das Mittel des Preisabbaus immer nur als gefährliches Gift bezeichnen können. … Der Preisabbau hat also wie der Skorpion den Stachel gegen sich selbst gerichtet; er stirbt als Selbstmörder schon beim ersten Anlauf. Er ist unmöglich, wirtschaftlich, rechnerisch, finanziell unmöglich. Darum weder Preissteigerung noch Preisabbau, sondern auf festen Durchschnittspreisen beruhende Währung.“

Der Preisabbau – eine Erwiderung an Prof. Zadow und andere (1920), in: Band 17, S. 269 und 273.


   „Die Statistik liefert uns dafür das nötige Material. … Und dafür, dass hier alle Sonderinteressen ausgeschaltet werden, sorgt die öffentliche Kontrolle durch die Handelskammern, die Gewerkschaften und den Bauernbund.“

Die Wissenschaft und die Freiland-Freigeld-Lehre (1921), in: Band 12, S. 256.


   „Die absolute Währung, unter der der Durchschnittspreis unter allen Umständen fest bleibt, ist heute eine Sache des Wollens, nicht mehr des Könnens. …
   Was antwortete die Nationalversammlung auf meine Eingabe? Kein Wort. Sie schwieg. Wie mir noch heute (November 1922) ein Parlamentarier sagte: Es scheint in den deutschen Parlamenten nicht ein einziger Volksvertreter zu sein, der auf dem Gebiete der Währungsfrage zu Hause ist!! So muss es wohl sein, denn die Nationalversammlung vergaß, die Währung, den eigentlichen Drehpunkt des Gesellschaftslebens, in die Verfassung einzubauen!“

Denkschrift an die deutschen Gewerkschaften zum Gebrauch bei ihren Aktionen in der Frage der Währung, der Valuta und der Reparationen (1922), in: Band 13, S. 208 und 215.


   „All diesen, die Bescheid wussten, geht es nun noch so einigermaßen. Sie besitzen nun die Häuser, die Aktien, die landwirtschaftlichen Güter, die die Patrioten verkauften, um Kriegsanleihen zeichnen zu können. Keiner aber von denen, die Bescheid wussten, fühlte sich verpflichtet, das große Publikum zu warnen!
   Wie geht es nun den anderen, den Witwen, den Alten, den Mündeln, den vielen großen Kindern, die keine Ahnung hatten vom Sinne der wirtschaftlichen Vorgänge, die die Notenpresse auslöste? Erst jetzt, wo es zu spät ist, erfahren sie, dass, wer sich vor der Notenpresse schützen will, alles, was auf Geld lautet, Wechsel, Schuldscheine, Staatsanleihen, Bankaktien, Hypotheken, Pfandbriefe, Kriegsanleihen, Obligationen, kurz, das sog. Papiervermögen, verkaufen muss, um Sachwerte, Industrieaktien dafür zu erstehen. Wer das nicht getan hat, verliert sein Vermögen. So geschah es, dass die vom Staat bediente Notenpresse ausgerechnet die Unerfahrenen, die der Staat hätte schützen und vor der Notenpresse hätte warnen sollen, um ihr Vermögen betrog! Es ist eines der himmelschreienden Verbrechen, dass der Staat hier betrieb.“

Denkschrift an die deutschen Gewerkschaften zum Gebrauch bei ihren Aktionen in der Frage der Währung, der Valuta und der Reparationen (1922), in: Band 13, S. 228.


   „Dem Reichswährungsamt wird ein Aufsichtsrat bestellt – zusammengesetzt aus Vertretern der Gewerkschaften, der Handelskammern, der Gewerbekammern, der landwirtschaftlichen Verbände. Solange niemand im Reichstag ist, der etwas von Währungsfragen und Valuta versteht, solange auch die Majorität dieser Körperschaft in diesen Fragen nicht zu Hause ist, wird das Reichswährungsamt nur dem Aufsichtsrat verantwortlich sein. Dem Aufsichtsrat ist auch die Abteilung des statistischen Amtes unterstellt, die mit der Errechnung des Warenpreisindexes betraut wird. Der Aufsichtsrat wird das in der Weimarer Verfassung vergessene Währungsgesetz ausarbeiten und vor der gesetzgebenden Körperschaft vertreten, sobald diese sich durch Majoritätsbeschluss für sachverständig und damit für zuständig erklärt. Der Aufsichtsrat beruft zur Regelung der Valutafrage eine internationale Konferenz; er bestellt dazu die Vertreter des Reiches und arbeitet die deutschen Vorschläge aus.“

Denkschrift an die deutschen Gewerkschaften zum Gebrauch bei ihren Aktionen in der Frage der Währung, der Valuta und der Reparationen (1922), in: Band 13, S. 282 - 283.


   „Ist schon die Inflation ein Verbrechen, so ist die Deflation direkt Wahnsinn, denn sie ist es, die uns in dieser Zeit der äußersten Not die stetig zunehmende Arbeitslosigkeit gebracht hat.“

Die Rentenmark, die Goldnoten und ihre Zukunft (1924), in: Band 15, S. 146.

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