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LESEPROBEN 08 | Geldreform und zinslose Kredite

   „Das Geld soll bei uns kein Despot sein, sondern einfach ein Vertreter der Ware, eine Verkehrserleichterung, ein Mittel, die Unbequemlichkeiten des Tauschhandels zu umgehen. …
   Das Geld muss Vertreter der Ware sein. Und wenn die Ware rostet, so soll der Vertreter auch rosten. Der Wert der zu kreierenden Papiergeldnoten wird im Verlaufe des Jahres kontinuierlich abnehmen, und zwar im Verhältnis zu dem Verlust, den die Waren, zu deren Austausch das Geld bestimmt ist, im Durchschnitt alle Jahre durch den Einfluss der Zeit verlieren. …
   Da mit dem seitherigen Geldsystem der Inhaber des Geldes auf Kosten des Gemeinwesens Vorteile genießt, die dem eigentlichen Zwecke des Geldes nicht entsprechen, da aber ferner diese Vorteile vom Gelde unzertrennlich sind und eigentlich dem Gemeinwesen zugute kommen sollten statt dem Inhaber des Geldes, so ist es nur gerecht, dass wir durch eine Steuer diese Vorrechte des Geldinhabers auszugleichen suchen. …
   Da viele persönliche Interessen von der Münzreform berührt werden, so wird es nicht an Personen fehlen, die dieselbe durch grobe Verstellung der Tatsachen, durch raffinierte Wortverdrehungen ins Lächerliche zu ziehen suchen werden.“
  
Die Reformation im Münzwesen als Brücke zum sozialen Staat (1891), in: Band 1, S. 50 – 55.


   „Der Rost wird die Spürnase der Banknoten sein, womit sie die Waren -  und wenn sie noch so versteckt sind -  auffinden wird. Der Rost wird den Geldinhabern keine Ruhe lassen, bis sie das Geld in irgendeiner Ware sichergestellt haben. Rostende Banknoten gleichen Angebot und Nachfrage stets aus -  zu allen Zeiten, im Krieg wie im Frieden, im Glück und Unglück und unter allen Umständen.“

Nervus rerum (1891), in: Band 1, S. 111 – 113.


   „Aber die Hauptsache bleibt, dass das Geld vollkommen regelmäßig zirkuliere, dass es weder aus Spekulation noch aus Misstrauen dem Verkehr entzogen werden kann. Um dies zu erreichen, bleibt nichts anderes übrig, als das Geld unter denselben Druck zu stellen, den die Fäulnis und der Rost auf die Waren ausüben.“

Die Verstaatlichung des Geldes (1892), in: Band 1, S. 189.


   „Nicht die Quantität allein, sondern auch die Qualität des Geldes muss in der Verwaltung des Geldmonopols berücksichtigt werden. … Die einzige zweckmäßige Politik, welche der Staat in Währungsfragen befolgen kann, besteht in der Anpassung des Geldbestandes an die Geldbedürfnisse des Landes. … Mit den Währungsfragen sind Privatinteressen von ungezählten Milliarden verknüpft. Und das Recht fordert, dass der Staat diesen Interessen gegenüber parteifrei bleibe. … Der Staat soll sich neutral verhalten, und eine neutrale Währungspolitik kann nur die Festigkeit des Geldpreises als Ziel haben. … Eine solche Anpassung ermöglicht allein die Papierwährung.
   Wir müssen unserem Gelde mehr Zirkulationskraft geben, so dass es jedes Hindernis, welches Sonderinteressen ihm in die Bahn werfen, überwinden kann. Wie der Mond unbekümmert um das, was auf der Erde sich ereignet, seine Bahn beschreibt, so muss das Geld in ruhigem unbehindertem Laufe seine Kreise durch den Markt ziehen.“

Die Anpassung des Geldes an die Bedürfnisse des modernen Verkehrs (1897),
in: Band 2, S. 88, 93 – 96 und 162.


   „Das Geldwesen bedarf der staatlichen, d.h. der zentralisierten Verwaltung mehr als irgendeine andere staatliche Einrichtung. Natürliches Geld gibt es nicht. Selbst die in früheren Zeiten als Geld benutzten Waren -  Tee, Vieh, Muscheln, Silber etc.  - waren kein natürliches Geld, denn immer war es ein Zwang -  Zwang der Sitte, der Gesetze, der wirtschaftlichen Verhältnisse - , der dieses Geld zum allgemeinen Accept brachte.“

Das Monopol der Schweizerischen Nationalbank (1901), in: Band 3, S. 52.


   „Das Kapital ist somit kein Ding, sondern ein wirtschaftlicher Zustand, der uns anzeigt, dass auf dem Anleihemarkt die Nachfrage das Angebot übersteigt. …        
   Proudhon erkannte richtig, dass die Ablösung des Kapitalzustandes nur nach Herstellung völliger Ebenbürtigkeit zwischen Waren und Geld erreicht werden könnte. … Er wollte die Waren auf die Rangstufe unseres heutigen, mit Tausend Privilegien ausgestatteten Geldes erheben. Aber an dem Charakter der Waren lässt sich schlechterdings nichts ändern. Die Lösung des Problems muss also in der gerade entgegengesetzten Richtung gesucht werden. Nicht durch die unmögliche Erhebung der Waren auf die Rangstufe unseres heutigen Geldes, sondern umgekehrt durch Herabsetzung des Geldes auf die Rangstufe von Arbeit und Ware soll die Ablösung des Kapitalzustandes angebahnt werden. Geld also, das weder Riegel des Warenaustausches noch Kapital an und für sich ist  - antikapitalistisches Geld  - als Tauschmittel von Arbeitsprodukten, die an und für sich auch nicht Kapital sind. Das wäre der Weg, der zur Ablösung des Kapitalzustandes führen könnte.“

Antikapitalistisches Geld (1902), in: Band 3, S. 59 – 64.


   „Lasst uns also die Bastille erstürmen, lasst uns das Geld unter Umlaufzwang stellen, lasst uns das Geld entwaffnen. Wir brauchen das Kind nicht mit dem Bade auszugießen. Das Geld ist plastisch, wir können es nach unseren Wünschen gestalten.“

Absatzversicherung auf Gegenseitigkeit (1902), in: Band 3, S. 96.


   „Das Geld müsste so gestaltet sein, dass es stets und ohne Rücksicht angeboten wird. Wenn das Geld unter Umlaufzwang stände, so wüsste jeder, dass eine Baisse nicht eintreten kann. Und weil niemand mehr eine Baisse zu befürchten hätte, würde auch jeder das Geld stets gerne anbieten. Der Zwang würde sich also als solcher niemals fühlbar machen. Das Interesse an dem Geldumlauf würde stets sich selber gleich sein und die Theorie, die in dem Interesse einen automatischen Regulator des Geldumlaufs erblickt, fände ihre volle Bestätigung. Aber auch die Quantitätstheorie würde durch einen Umlaufszwang des Geldes ihre Rechtfertigung finden, denn dieser Zwang würde bewirken, dass das Geldangebot stets dem Geldvorrat entsprechen würde. Und schließlich würden auch diejenigen Recht behalten, die da sagen, dass die Produktionskosten den Preis des Geldes bestimmen, denn der Einfluss der Produktionskosten würde auf den Vorrat, der Vorrat unmittelbar auf das Angebot und das Angebot auf den Preis wirken. Kurz – der Umlaufszwang würde alle Theoretiker versöhnen.“

Warum die Quantitätstheorie gegenüber dem Gelde versagt (1902), in: Band 3, S. 114.


   „Bildlich gesprochen soll das Geld wie die Kartoffeln faulen, wie Guano die Luft verpesten, wie Dynamit explodieren, wie ein Pferd gefüttert, wie Maschinen behandelt werden. Es soll wie Baumwolle Platz beanspruchen, wie Ziegelsteine wiegen, wie Schwefelsäure ätzen, wie Glas zerbrechen. Dann geht der Prozess W  - G  ebenso spielend vonstatten wie heute der Prozess  G -  W. Und diese Erleichterung des Austausches wird sich naturgemäß in einer Herabsetzung der Profitrate zugunsten der Löhne zu erkennen geben.“

Eine neue Orientierung auf dem Gebiete der sozialen Frage (1902), in: Band 3, S. 147.


   „Die Geldreform verweist jeden Versuch, den Geldpreis unter Umgehung des Angebotszwangs befestigen zu wollen, in das Gebiet der tastenden, unglückschwangeren Experimentenmacherei. … Für die Wissenschaft wird die Geldreform an und für sich mehr Aufklärung bringen als die gesamte volkswirtschaftliche Literatur. Die Geldreform wird die Volkswirtschaft mit Taten lehren, ein unendliches Material an neuen Tatsachen zu Tage fördern, neue Vergleichspunkte, Anhaltspunkte, Ruhepunkte, einen wirklichen theoretischen Aussichtsturm für das gesamte Gebiet der Volkswirtschaft schaffen. Verborgene Tatsachen von höchster Wichtigkeit wird sie ans Licht bringen. Eine wahre Fundgrube von Wegweisern. … Ich habe aus dieser Fundgrube nur das geholt, was ich für meine Zwecke brauchte. Andere, die die Volkswirtschaft von anderen Ausgangspunkten aus durchforschen, werden in der Geldreform sicherlich auch noch manchen Schatz, manches viel gesuchte ‚missing link’ entdecken.“

Die Verwirklichung des Rechts auf den vollen Arbeitsertrag (1906), in: Band 4, S. 104 – 106.


   „Wir sind nicht mehr ein Spielball in den Händen der Kapitalisten, der Bankiers, der Spekulanten. Wir brauchen nicht mehr in fatalistischer Gottergebenheit zu warten, bis die Konjunkturen sich bessern. Wir beherrschen jetzt die Nachfrage, denn das Geld, dessen Produktion und Angebot wir in absoluter Weise kontrollieren, ist an sich die Nachfrage. … Mit der Geldreform hat das Geld aufgehört, die Hoch- und Zwingburg der Kapitalisten zu sein, wohin sie sich beim geringsten Alarm zu flüchten pflegten. … Dieses Geld bietet keinen Ruhepunkt mehr. Zum reinen Transitlager ist das Geld geworden.“

Die Verwirklichung des Rechts auf den vollen Arbeitsertrag (1906), in: Band 4, S. 125 und 130.


   „So erweist sich die alte Theorie, dass der Zins das Sparen erleichtere, als Schwindel. Der Zins macht das Sparen für die große Masse unmöglich. Fällt der Zins auf Null, so wird jeder sparen können, während jetzt nur besonders befähigte oder entsagungsmutige Personen diese bürgerliche Tugend üben können.“

Die Verwirklichung des Rechts auf den vollen Arbeitsertrag (1906), in: Band 4, S. 136.


   „Wie war es früher? … Kein Zins -  kein Geld; kein Geld  - kein Austausch der Produkte; kein Tausch  - keine Arbeit. …
   Die Entfettungskur hat das Geld flink gemacht, seinen Spürsinn geschärft. Es läuft zwar den Waren nicht nach, denn die Ware verkriecht sich nicht, sie kann sich nicht verbergen. Beide treffen sich aber auf halbem Wege. … Schlag auf Schlag, mit mechanischer Präzision, folgt Kauf auf Verkauf, geht das Geld von Hand zu Hand. Regelmäßig, wie die Erde im Weltraum um die Sonne kreist, so zieht das Geld seine Kreise auf dem Markte. Regelmäßig, wie der Arbeiter seine Kraft, sein Produkt anbietet, wie die Ware nach Absatz ausschaut, ebenso regelmäßig erscheint auch die Nachfrage auf dem Markte.“

Die Verwirklichung des Rechts auf den vollen Arbeitsertrag (1906), in: Band 4, S. 148 – 153.


   „Das Geld beherrschte absolut den Warenaustausch und die Produktionsmittel. Alles war dem Gelde zinspflichtig. Es schob sich zwischen Konsument und Produzent, zwischen Arbeiter und Unternehmer. Es trennte alle, deren natürliches Interesse es ist sich zu vereinigen. Und die entstandenen Verlegenheiten beutete es aus. Die Beute nannte man Zins. …
   Das Geld beherrscht den Austausch der Waren nicht mehr als Räuber und Despot, sondern es dient ihm, dient ihm sogar umsonst. … Die zinsfreien Darlehen, die uns immer als utopische Träumereien erschienen, werden jetzt als durchaus möglich, ja als wahrscheinlich betrachtet. Zinsfreie Darlehen! Das Ende des Kapitals! Geld, Maschinen, Häuser, Fabriken, Waren und Rohstoffe kein Kapital mehr!“

Die Verwirklichung des Rechts auf den vollen Arbeitsertrag (1906), in: Band 4, S. 155, 159 - 160.


   „Das Reformgeld ist der Habgier und Profitsucht Privater entrückt. Es ist Tauschmittel, nur allein Tauschmittel, weiter nichts als Tauschmittel. … Unter der Geldreform werden Furcht und Hoffnung ganz aus den Elementen der Geldzirkulation verschwinden. Regelmäßige Geldzirkulation ist der Tod der Differenzen.“

Die Verwirklichung des Rechts auf den vollen Arbeitsertrag (1906), in: Band 4, S. 210, 218 und 222.


   „Die Unentgeltlichkeit des Kredits muss Umwandlungen hervorbringen, in der Nachfrage nach Kapital sowohl wie auch namentlich in unserer Gedankenwelt. Wer in den Produktionsmitteln immer ein Kapital gesehen hat, das Zins abwirft, wer von Kindesbeinen an immer mit Zins gerechnet hat, wer in dem Zins die Kraft erblickt, die heute den gesamten Wirtschaftsbetrieb in Gang hält, dem wird es sicherlich schwer fallen, sich gleich in die wirtschaftlichen Verhältnisse hineinzudenken, die die Unentgeltlichkeit des Kredits begleiten.“

Die Verwirklichung des Rechts auf den vollen Arbeitsertrag (1906), in: Band 4, S. 256.


   „Wenn man das Größenverhältnis zwischen Geldkapital und Realkapital (Häuser, Fabriken, Eisenbahnen, Waren, Vorräte, Vieh usw.) betrachtet und sich sagen muss, dass der Riese nur deshalb Zins abwirft, weil der Zwerg es befiehlt, so erkennt man erst, welche Macht in den Geldprivilegien steckt -  diesen Privilegien, von denen wohl jeder fabelt, deren Ursprung und materielle Unterlage aber nur wenige zu untersuchen sich veranlasst gesehen haben.“

Die Verwirklichung des Rechts auf den vollen Arbeitsertrag (1906), in: Band 4, S. 265.


   „Geld, das wie eine Zeitung veraltet, wie Kartoffeln fault, wie Eisen rostet, wie Äther sich verflüchtigt, das allein kann sich als Tauschmittel von Kartoffeln, Zeitungen, Eisen und Äther bewähren. … Niemand braucht mehr Privatreserven anzulegen, weil die Regelmäßigkeit, mit der das Geld jetzt umläuft, die Reserven überflüssig macht. War die Reserve eine Zisterne, so wird die Regelmäßigkeit des Geldumlaufs zur ewig sprudelnden Geldquelle.“

Die neue Lehre vom Geld und Zins (1911), in: Band 6, S. 151 und 182.


   „Die schönste, wirklich revolutionäre Leistung der Geldreform wird aber die sein, dass durch die Unterdrückung der Arbeitslosigkeit, durch die vom Zinsertrag unabhängig gewordene Produktion von Produktionsmitteln (Realkapital) der Zins bald in einer Überproduktion an Kapital ersäuft und dadurch das jetzige unwürdige Volksgemisch von Fürsten, Rentnern und Proletariern in den Boden gestampft und der Platz bereitet wird für ein stolzes Geschlecht freier und selbständiger Bürger, die man jedem in der Welt, ohne zu erröten, als Landsleute vorstellen kann.
   Die Geldreform beseitigt das tausendmal verfluchte Geld nicht, sondern sie gestaltet es um nach den richtig erkannten Bedürfnissen der Volkswirtschaft.“

Die neue Lehre vom Geld und Zins (1911), in: Band 6, S. 190 – 191.


   „Die Zinsfreiheit wird kein Reizmittel sein, dessentwegen die Unternehmer eine grenzenlose Nachfrage nach zinsfreien Darlehen halten. Diese Grenze ist durch die Lohnforderungen der Arbeiter gezogen, denen ganz allein die Zinsfreiheit zugute kommt.“

Die neue Lehre vom Geld und Zins (1911), in: Band 6, S. 235.


   „Alles in der Natur des Menschen ebenso wie in der Natur der Produktionsverhältnisse drängt auf eine unaufhaltsame Vermehrung der sogenannten Realkapitalien hin -  eine Vermehrung, die nicht einmal beim völligen Wegfall des Zinses innehält. … Das Reformgeld wird den Bau von Häusern, Fabriken, Schiffen in unbegrenzter Menge gestatten.“

Die neue Lehre vom Geld und Zins (1911), in: Band 6, S. 239.


   „Die Ebenbürtigkeit zwischen Waren und barem Geld lässt sich durch Warenbanken nicht erzielen. … Wir können die Parität zwischen Waren und Geld herstellen, indem wir die Waren lassen wie sie sind, dagegen aber das Geld auf deren Rangstufe herabsetzen. Die Ware ist das Primäre, das Gegebene; das Geld ist das Sekundäre, das Kunstprodukt, das sich den Waren und ihren natürlichen Eigenschaften anzupassen hat. Sind diese Eigenschaften durchweg der Art, dass der Besitz von Waren mit Verlusten und Unkosten verbunden ist, so muss auch der Besitz des Geldes mit Unkosten verknüpft werden. … Um seinen Gedanken richtig auf die Füße zu stellen, brauchte Proudhon also nur einen Purzelbaum zu schlagen; dann wären die gewaltigen Schätze, die er in den Taschen trug, heraus gefallen und für immer der Menschheit gewonnen gewesen.“

Der Schatz der Konsumgenossenschaftler und seine Hebung durch das physiokratische Geldwesen (1916), in: Band 8, S. 319.


   „Das Freigeld verwandelt die variable Umlaufgeschwindigkeit des Geldes in eine konstante Größe.“

Zur Währungsfrage (1917), in: Band 10, S. 160.


   „Das Freigeld bedarf einer Verwaltung. Wahrscheinlich würde sich nach dem sieghaften Durchbruch des Freigeldstreikes die Nationalbank nun bereit erklären, diese Verwaltung in die Hand zu nehmen, wenn auch nur um zu retten, was noch zu retten ist von den Vorrechten des Geldes. Diesem Versuch muss sich das Proletariat widersetzen. Das Geld ist eine volkswirtschaftliche Einrichtung und kann darum zweckdienlich nicht von privatwirtschaftlichen Gesichtspunkten aus verwaltet werden. Und die Nationalbank ist doch eine auf Profit, Zins und Dividenden angewiesene Aktiengesellschaft. Wenn sie auch wollte, die Nationalbank kann einfach nicht volkswirtschaftlich denken, denn zwei Seelen wohnen, ach, in ihrer Brust.
   Darum darf das Proletariat die Verwaltung des Freigeldes unter keinen Umständen der Nationalbank übertragen. Am besten wird es sein, den unpolitischen Arbeiterorganisationen, den Gewerkschaften und Konsumvereinen die Verwaltung des Freigeldes zu übertragen.“

Proletarische Hoffnungen und Aktionen (unveröffentlichtes Manuskript 1917/18)
http://www.silvio-gesell.de/html/ms_1917-18_3.html


   „Die Beseitigung des arbeitslosen Einkommens, des sog. Mehrwertes, auch Zins und Rente genannt, ist das unmittelbare wirtschaftliche Ziel aller sozialistischen Bestrebungen. Zur Erreichung dieses Zieles wird allgemein die Verstaatlichung der gesamten Gütererzeugung mit allen ihren Folgerungen verlangt und als unerlässlich erklärt. Diese allgemeine Forderung der Besitzlosen wird durch die wissenschaftlichen Untersuchungen gestützt, die Marx über die Natur des Kapitals angestellt hat, wonach der Mehrwert als eine untrennbare Begleiterscheinung der Privatindustrie und des Privateigentums an den Erzeugungsmitteln anzusehen ist.
   Diese Lehre geht von falschen Voraussetzungen aus und ihre Richtigstellung führt zu vollkommen entgegen gesetzten Ergebnissen. Im Kapital haben wir kein Sachgut zu erblicken, sondern ein von Nachfrage und Angebot unbeschränkt beherrschtes Marktverhältnis – wie das übrigens der Sozialist Proudhon, der Gegner Marx’, schon vor 50 Jahren den Arbeitern gesagt und bewiesen hatte. In völliger Übereinstimmung mit dieser Richtigstellung der Kapitallehre zeigt sich dann, dass, wenn wir gewisse künstliche Hemmungen beseitigen, die von unserem verkehrten Bodenrecht und unserem ebenso verkehrten Geldwesen herrühren … , die Arbeiter es ganz in der Hand haben, durch ihre Arbeit die Marktverhältnisse in kürzester Zeit (10 - 20 Jahre) für das Kapital so zu gestalten, dass der Mehrwert restlos verschwindet und die Produktionsmittel die Kapitaleigenschaft einbüßen.“

Die Natürliche Wirtschaftsordnung (1920), in: Band 11, S. 9.


   „Als Arbeiter im Sinne dieser Abhandlung gilt jeder, der vom Ertrag seiner Arbeit lebt. Bauern, Handwerker, Lohnarbeiter, Künstler, Geistliche, Soldaten, Offiziere, Könige sind Arbeiter in unserem Sinne. Einen Gegensatz zu all diesen Arbeitern bilden in unserer Volkswirtschaft einzig und allein die Rentiers, denn ihr Einkommen fließt ihnen vollkommen unabhängig von jeder Arbeit zu. … Der Unternehmergewinn und der Handelsprofit sind, sofern man die in ihnen meistens enthaltenen Kapitalzinsen und Grundrenten in Abzug bringt, ebenfalls als Arbeitserlös anzusprechen. Der Direktor einer Bergwerks-Aktiengesellschaft bezieht sein Gehalt ausschließlich für die von ihm geleistete Arbeit. Ist der Direktor gleichzeitig Aktionär, so erhöhen sich seine Einnahmen um den Betrag der Dividenden. Er ist dann Arbeiter und Rentier in einer Person. Meistens besteht das Einkommen der Bauern, Kaufleute und Unternehmer aus Arbeitserlös und Renten (bzw. Zinsen). … Das Recht auf den vollen Arbeitsertrag, sofern darunter das Recht des Einzelnen auf seinen vollen Arbeitsertrag gemeint ist, müssen wir geradezu als Hirngespinst bezeichnen. Ganz anders verhalten sich jedoch die Dinge in Bezug auf den gemeinsam vollen Arbeitsertrag. Dieser verlangt nur, dass die Arbeitserzeugnisse restlos unter die Arbeiter verteilt werden. Es dürfen keine Arbeitserzeugnisse an Rentiers für Zinsen und Renten abgegeben werden. Das ist die einzige Bedingung, die die Verwirklichung des Rechtes auf den gemeinsamen, vollen Arbeitsertrag stellt.“

Die Natürliche Wirtschaftsordnung (1920), in: Band 11, S. 10 - 11.


   „Wie nötig die Einheitlichkeit im Geldwesen ist, erkennt man auch daran, dass seinerzeit schon die Doppelwährung als ein Zuviel angesehen und beseitigt wurde. … Stände es jedermann frei, Geld zu verfertigen, und zwar jedem nach seiner Weise, so würde seine Vielgestaltigkeit solches Geld für den Zweck, den es erfüllen soll, einfach unbrauchbar machen. … Das Tauschmittel trägt also immer das Gepräge einer staatlichen Einrichtung. … Also entweder staatliches Geld oder überhaupt kein Geld. Gewerbefreiheit in der Herstellung des Geldes ist einfach unmöglich.“

Die Natürliche Wirtschaftsordnung (1920), in: Band 11, S. 133.


   „Wir müssen also das Geld als Ware verschlechtern, wenn wir es als Tauschmittel verbessern wollen. Da die Besitzer der Waren es mit dem Tausch stets eilig haben, so will es die Gerechtigkeit, dass auch die Besitzer des Tauschmittels es eilig haben sollen. Das Angebot steht unter unmittelbarem, eigengesetzlichem Zwang; so soll auch die Nachfrage unter gleichen Zwang gestellt werden. Das Angebot ist eine vom Willen der Warenbesitzer losgelöste Sache; so soll auch die Nachfrage eine vom Willen der Geldbesitzer befreite Sache sein. Wenn wir uns dazu verstehen können …, so lösen wir alle Widersprüche des herkömmlichen Geldwesens restlos auf und erreichen damit, dass die Nachfrage völlig unabhängig von allen politischen, wirtschaftlichen oder natürlichen Ereignissen ganz regelmäßig auf dem Markte erscheint. … Mehr als das ist nicht nötig, um den Austausch unserer Waren vor jeder denkbaren Störung zu sichern, um Wirtschaftskrisen und Arbeitslosigkeit unmöglich zu machen, um den Handelsgewinn auf die Rangstufe des Lohnes herabzusetzen und um in kurzer Zeit den Zins in einem Meer von Kapitel zu ersäufen.“

Die Natürliche Wirtschaftsordnung (1920), in: Band 11, S. 241.


   „Das Reichswährungsamt betreibt keine Bankgeschäfte. Es tritt in keinerlei Beziehungen zu Einzelpersonen. Das Reichswährungsamt gibt Geld aus, wenn solches im Lande fehlt, und es zieht Geld ein, wenn im Lande sich ein Überschuss zeigt. Das ist alles. … Es ist also nur ein Mann nötig, der das Geld von der Reichsdruckerei aus an die Staatskassen abführt und der das für währungstechnische Zwecke von den Steuerämtern eingezogene Geld verbrennt. Das ist die ganze Einrichtung. Eine Presse und ein Ofen. Einfach, billig, wirksam. …
   Die Preisermittlung findet im Statistischen Amt statt. … Das Freigeld ist fleischgewordene Nachfrage. … Der Geldumlauf ist darum auch immer ein geschlossener. … Wir haben das Geld dem allgemeinen Gesetz des Werdens und Vergehens unterworfen.“

Die Natürliche Wirtschaftsordnung (1920), in: Band 11, S. 246 - 249.


   „Die Nachfrage wird überhaupt keine Willenssache der Geldinhaber mehr sein. Bei der Preisbestimmung durch Nachfrage und Angebot muss der Wunsch, Gewinn zu erzielen, ohne Einfluss bleiben. Die Nachfrage wird unabhängig von Geschäftsaussichten, vom Glauben an das Steigen oder Fallen der Preise sein. … Wie der Mond still und unberührt durch das, was hier auf Erden vorgeht, seine Bahn beschreibt, genauso wird das Freigeld, losgelöst vom Willen seiner Inhaber, seine Bahnen durch die Märkte vollziehen. …
   Was bedeutet das für die Volkswirtschaft? Es bedeutet, dass wir nun die Schwankungen in der Marktlage beherrschen, dass das Währungsamt durch Einziehen und Ausgeben von Geld die Nachfrage ganz nach den Bedürfnissen des Marktes abstimmen kann, dass nicht mehr die Geldinhaber, die ängstlichen Spießbürger, die Wucherspieler oder auch die Börsenstimmung, die Laune usw. die Nachfrage hervorbringen, sondern dass das Währungsamt unbedingt darüber zu bestimmen hat, wie groß die Nachfrage sein soll. … Das neue Geld löst also alle Geldansammlungen selbsttätig auf, sowohl die des fürsorglichen Spießbürgers wie die des Kaufmanns und des zum Sprung bereiten Wucherspielers. … Es bedeutet aber auch, dass niemand mehr Geldvorräte anzulegen braucht, weil die Regelmäßigkeit, mit der das Geld jetzt umläuft, solche überflüssig macht. War die Rücklage eine Zisterne, d.h. ein bloßer Behälter, so wird die Regelmäßigkeit des Geldumlaufs zur ewig sprudelnden Geldquelle.“

Die Natürliche Wirtschaftsordnung (1920), in: Band 11, S. 251 – 253.

   „Die schönste, wirklich umstürzlerische Leistung des Freigeldes wird die sein, dass durch die Unterdrückung der Arbeitslosigkeit, durch das vom Zinsertrag unabhängig gewordene Schaffen von Sachgut (Realkapital) der Zins bald in einer Überfülle von Kapital ersäuft, dadurch das jetzige unwürdige Volksgemisch von Fürsten, Rentiers und Besitzlosen in den Boden gestampft und eine Stätte bereitet wird für ein stolzes Geschlecht freier und selbstständiger Bürger. … Der Arbeiter kann nur dort geachtet werden, wo das Geld nicht besser ist als er selbst und seine Erzeugnisse.“

Die Natürliche Wirtschaftsordnung (1920), in: Band 11, S. 255 und 258.


   „Das Geld bleibt eben im Verkehr, auf dem Markte, in den Händen der Käufer, der Kaufleute, der Unternehmer. Es geht von Hand zu Hand, ununterbrochen, es hat gar keine Zeit, sich in den Banken anzusammeln. Das Geld ist keine Ruhebank mehr. … Woher der Name Bank, Bankmann? Von den Bänken, auf denen die Inhaber des Geldes sich’s bequem machten, während die Inhaber der Waren umherstanden oder unmutig hin und her liefen. Jetzt, mit dem Freigeld, sind es die Inhaber des Geldes, welche laufen, und die Warenverkäufer sitzen auf Bänken. … Das Freigeld schließt also den Kreislauf des Geldes. … Das Geld führt den Geldbesitzer wie einen Hund an der Leine.“

Die Natürliche Wirtschaftsordnung (1920), in: Band 11, S. 259 und 264.


   „Alle schlechten, üblen Eigenschaften der Waren haben in dem Verlust, dem das Geld unterliegt, ihren natürlichen Ausgleich und niemand zieht mehr das Geld den Waren vor. …
   Mit der Einführung von Freiland ist uns schon der Handel mit Baustellen, Bergwerken und Ackerland unmöglich gemacht worden. Und jetzt mit dem Freigeld wird mir das Geschäft mit Börsenpapieren und Waren auch noch entrissen. … Dieses Geld bietet doch keinen Ruhepunkt mehr. … Zum reinen Durchgangslager ist das Geld geworden. … Die alte Börsenherrlichkeit hat jetzt ein Ende. Mit dem Golde ist die Sonne am Himmel der Spekulation untergegangen.“

Die Natürliche Wirtschaftsordnung (1920), in: Band 11, S. 268 – 271.


   „Das Geld selbst sucht jetzt die Ware auf und Ware ist Arbeit. Wer Freigeld hat, sucht es jetzt unter allen Umständen unterzubringen, sei es durch Kauf von Waren, durch neue Unternehmungen oder durch das Verleihen an andere, die es persönlich gebrauchen können. … Das Freigeld ist jetzt verkörperte Nachfrage. Und Nachfrage ist Absatz, Absatz aber ist Arbeit. Die Geldreform hat uns also eine selbsttätig wirkende Arbeitsversicherung gebracht. Keine behördliche Arbeitsversicherung, sondern die Versicherung, die der Arbeitsteilung von Natur aus anhaftet, weil ja die Arbeit Waren erzeugt und die Waren nur danach streben, sich gegenseitig auszutauschen. Durch das Dazwischentreten des Goldes war der Tausch zwei fremden Gewalten, dem Zins und der Gewinnsucht, abgabepflichtig geworden, Eindringlingen, die den Tausch der Erzeugnisse störten. … Jetzt, mit dem Freigeld, kann von solchen Bedingungen überhaupt keine Rede sein. … Wie soll da noch Absatzstockung, Zuvielerzeugung und Arbeitslosigkeit möglich sein? … Geld = Warenabsatz = Arbeit = Geld. Der Kreislauf ist unter allen Umständen ein geschlossener.“

Die Natürliche Wirtschaftsordnung (1920), in: Band 11, S. 282 – 283.


   „Dem Geldbesitzer brennt das Geld in der Tasche ebenso sehr wie den Arbeiter die Vergänglichkeit seiner Arbeitskraft (die sich nicht aufstapeln lässt) daran mahnt, diese möglichst bald an den Mann zu bringen. … Wenn sich zwei gegenseitig suchen, so treffen sie sich eher und sicherer, als wenn nur der eine sucht. … Die Entfettungskur hat das Geld flink gemacht, seinen Spürsinn geschärft. Es läuft zwar den Waren nicht nach, denn die Ware verkriecht sich nicht, sie kann sich nicht verbergen. Beide treffen sich aber auf halbem Wege. Sucht die Ware das Geld, so sucht jetzt auch das Geld die Ware. …
   Wir wollen, dass Geld und Waren auf gleicher Rangstufe umlaufen sollen, dass das Geld der Waren in keiner Lage und unter keinen Umständen vorgezogen werde, damit so Waren zu Geld und Geld zu Waren werden. … Schlag auf Schlag, mit Zwangsläufigkeit folgt Kauf auf Verkauf, geht das Geld von Hand zu Hand. Regelmäßig wie die Erde im Weltraum um die Sonne kreist, so zieht das Geld seine Kreise auf dem Markte.“

Die Natürliche Wirtschaftsordnung (1920), in: Band 11, S. 285 und 287 - 288.


   „Was man bisher beim Gelde als selbstverständlich voraussetzte, nämlich dass wie bei den Kartoffeln das Angebot dem Vorrat stets entsprechen müsse, das wird mit dem Freigeld erst zur Tatsache: Geldangebot = Geldvorrat. Das Geldangebot geht nicht mehr neben dem Geldvorrat einher, es bedeutet keine Willkürsache mehr; Wille und Wünsche sind einflusslos auf das Geldangebot geworden. Die Quantitätstheorie ist jetzt vollkommen richtig.“

Die Natürliche Wirtschaftsordnung (1920), in: Band 11, S. 302.


   „Die Bedürfnisse kennen überhaupt keine Grenzen; das geht ins Unendliche. … Das Freigeld wird den Bau von Häusern, Fabriken, Schiffen in unbegrenzter Menge gestatten.“

Die Natürliche Wirtschaftsordnung (1920), in: Band 11, S. 299 und 357.


  „Der Zins macht das Sparen für die große Mehrzahl unmöglich. … Rentiers und Sparer sind keine Berufsgenossen, sondern Gegner. …
   Der Zins ist ja sicher ein besonderer Reiz für den Sparer. Aber nötig ist dieser besondere Reiz nicht. Der Spartrieb ist auch ohne diesen Reiz stark genug. Übrigens, so kräftig der Zins als Sparreiz auch wirken mag, so ist er doch keineswegs stärker als das Hindernis, das der Zins dem Sparer errichtet. Infolge der Zinslasten heißt Sparen heute für die Volksmassen: entsagen, entbehren, hungern, frieren und nach Luft schnappen. Denn gerade durch den Zins, der der Arbeiter erst für andere aufbringen muss, wird der Arbeitsertrag so stark beschnitten, dass in der Regel der Arbeiter an Sparen überhaupt nicht denken kann. Ist also der Zins ein Sparreiz, so ist er in noch stärkerem Grade ein Sparhindernis. Der Zins beschränkt die Sparmöglichkeit auf ganz kleine Kreise und die Sparfähigkeit auf die wenigen aus diesen Kreisen, die den nötigen Entsagungsmut dazu haben. Sinkt der Zins auf Null, so steigt der Arbeitsertrag um den vollen Betrag der Zinslasten, und entsprechend erweitern sich die Sparmöglichkeit und die Sparfähigkeit. …
   In der Natur wird übrigens das Sparen ganz allgemein ohne Aussicht auf Zins geübt. Die Bienen und Hamster sparen, obschon ihnen der gesammelte Vorrat keinen Zins, wohl aber viele Feinde verschafft. Bei den Naturvölkern wird auch gespart, obschon dort von Zins keine Rede ist. Warum soll nun der Kulturmensch anders geartet sein? Man spart, um sich ein Haus zu bauen, man spart für die Hochzeit, fürs Alter und für Krankheitsfälle.“

Die Natürliche Wirtschaftsordnung (1920), in: Band 11, S. 274 - 275 und 349 - 350.


   „Man sagt, dass man mit mehr oder mit besseren Maschinen billiger arbeiten kann, dass darum jeder Unternehmer ein Sinken des Zinses dazu benutzen wird, seine Fabrik zu erweitern oder zu verbessern. Woraus man dann folgert, der Rückgang des Zinses und besonders die völlige Zinsfreiheit würden eine solche Nachfrage auf dem Kapitalmarkt von Seiten der Unternehmer bewirken, dass das Angebot sie niemals decken und deshalb der Zins überhaupt nicht auf Null fallen könnte. … Zu diesem Einwand gegen die Möglichkeit zinsfreier Darlehen ist folgendes zu bemerken: Die Kapitalanlagen kosten nicht nur Zins, sondern auch Unterhaltungskosten; und diese sind regelmäßig, namentlich bei industriellen Anlagen, sehr hoch. …
   Wer jenen Einwand erhebt, vergisst auch, dass, wenn es sich um eine einfache Erweiterung des Unternehmens handelt, diese nicht ohne entsprechend vermehrte Arbeiterzahl ausgenutzt werden kann. Die Nachfrage nach Geld für die Vergrößerung einer Fabrik bedeutet also auch gleichzeitig eine entsprechend vergrößerte Nachfrage nach Arbeitern, die durch erhöhte Lohnforderungen den vom Unternehmer von der Erweiterung seines Unternehmens erwarteten Vorteil wieder zunichte machen. Durch einfaches Vergrößern seiner Fabrik kann also ein Unternehmer keinen besonderen Vorteil von den zinsfreien Darlehen erwarten. Und darum wird die Zinsfreiheit ihn nicht reizen, eine grenzenlose Nachfrage nach zinsfreien Darlehen zu halten. Diese Grenze ist durch die Lohnforderungen der Arbeiter gezogen, denen ganz allein die Zinsfreiheit zugute kommt.“

Die Natürliche Wirtschaftsordnung (1920), in: Band 11, S. 353 – 354.


   „Die Gutachten von vier Bauräten, Geheimräten und Professoren über die wirtschaftliche Ausnutzung der Flut- und Ebbegefälle zwecks Ersparnis von Kohle behaupten alle die technische Möglichkeit und die wirtschaftliche Unmöglichkeit solcher Anlagen. Keiner dieser Sachverständigen spricht es aus, dass die wirtschaftliche Unmöglichkeit nichts anderes ist als die Unmöglichkeit, den regelrechten Zins herauszuwirtschaften. Der Preis, den wir für die Kohle bezahlen, besteht zum größten Teil aus Löhnen – der Preis, den wir für die aus Ebbe und Flut zu gewinnende Kraft zahlen müssten, würde fast ausschließlich aus dem Zins der Anlagekosten bestehen. Und da der Zins jetzt ganz besonders hoch ist, so ist die Wasserkraft zurzeit trotz der hohen Kohlepreise noch nicht ‚wirtschaftlich’. … Ohne diese Bedingung der Rentabilität würde man schon lange Ebbe und Flut wirtschaftlich ausgenutzt haben. … Was keinem Techniker bislang gelang, dem Freigeld gelingt es; es spannt den Mond in den Dienst der Menschheit.“

Das Freigeld und der Mond (1921), in: Band 13, S. 150 – 151.


   „Die Quantitätstheorie, um die so viel gestritten wurde in allen Sprachen der Welt, die die eigentliche Ursache war dafür, dass so viele die Währungsfrage als unlösbar bei Seite warfen, wird durch das Freigeld von allen Widersprüchen befreit. … Die Voraussetzungen für die Quantitätstheorie fehlten. Sie werden durch das Freigeld geschaffen. Die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes, heute ein ganz irrationaler Begriff und Hauptfaktor der Preisbildung, der alle Bemühungen um eine wissenschaftliche Erklärung der Preisbildung zu Schanden machte, wird mit dem Freigeld in eine Konstante verwandelt. …
   Mit dem Freigeld und der damit möglich gewordenen festen Währung fallen die Handelsprofitsätze auf einen Stand, den auch optimistische Vertreter der sozialistischen Güterverteilung als außerordentlich gering bezeichnen werden.“

Die Ausbeutung – ihre Ursachen und ihre Bekämpfung. Zweite Denkschrift an die
Deutschen Gewerkschaften (1922), in: Band 13, S. 384 und 393.


   „Das zinsfreie Darlehen ist für die Sparer tatsächlich die einfachste und nützlichste Sparanlage.“

Der verblüffte Sozialdemokrat (1922), in: Band 14, S. 42.


   „Für die Schaffenden bedeutet die Senkung des Kapitalzinses auf Null nichts geringeres, als dass sie diese Welt nicht mehr wie bisher alle 20 Jahre für die Kapitalisten neu aufbauen müssen, ohne sie jemals zu besitzen (die schrecklichste Sisyphosarbeit, die je verrichtet wurde), sondern dass diese Welt in 20 Jahren aus dem Besitze der Kapitalisten in den der Arbeiter hinüber gleiten wird.“

Die Diktatur der Not (1922), in: Band 14, S. 82.


   „Bastiat war der Apostel der Harmonielehre. Und diese Lehre wurde immer mit Begeisterung von den Vertretern des Kapitals aufgenommen und verbreitet. Bis auf den heutigen Tag. Die Unternehmer kennen nur diese Lehre. Sie haben gegen die Kritik der Sozialisten keine anderen Waffen als die, die ihnen die harmonischen Züge der wirtschaftlichen Zusammenhänge liefern. Wo diese versagen, sind sie völlig ratlos. … Was Bastiat nach ungenügender Prüfung als existent voraussetzte, die Harmonie der wirtschaftlichen Kämpfe, die müssen wir erst schaffen. Die Gegensätze der Wirtschaft müssen, wenn man überhaupt noch von Recht und Unrecht sprechen will, als Unrecht erklärt und als solches beseitigt werden.“

Billige Reden (1926), in: Band 16, S. 203 - 204.


   „Soll also das ‚Recht auf Arbeit’ verwirklicht werden, so muss die Tauschvermittlung obligatorisch erklärt werden. … Können wir uns mit dem fürchterlichen Gedanken eines Umlaufzwangs für das Geld, einer obligatorischen Tauschvermittlung versöhnen (viele werden lieber die Welt zugrunde gehen lassen, ehe sie diesen Gedanken überhaupt einer Erwägung würdigen), so ist der Tausch der Güter zu einem Kreise geschlossen und der Absatz der Waren gesichert, das ‚Recht auf Arbeit’ verwirklicht.“

Das Recht auf Arbeit (1927), in: Band 17, S. 59.

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