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LESEPROBEN 17 | Krieg und Frieden

    „Steuern sind die Beiträge der einzelnen Staatsmitglieder zur Bestreitung staatlicher, d.h. gemeinsamer Einrichtungen. … Militär und Schule dienen der Erhaltung der Freiheit, und das Interesse an der Freiheit ist für alle gleich groß.“

Nervus rerum (1891), in: Band 1, S. 136 – 137.


„Für den Katholiken ist Rom der Mittelpunkt seines geistigen Vaterlandes, für den Zionisten ist es Jerusalem, für den Biertrinker München. Der Kapitalist hat sein Vaterland in der Gegenwart, der Sozialist verlegt es in die Zukunft und der Adel in die Vergangenheit. Der eine verlegt den Schwerpunkt auf die Sprache, der andere auf die Abstammung, der dritte auf die Religion, wieder andere auf die Geschichte, auf die politische Gesinnung, auf die Landschaft, die Mehrzahl auf die Bierverhältnisse. … Den Universalvolkskitt darf man nicht in diesen Dingen suchen, sondern in den wirtschaftlichen Interessen. Wie oft sind Völker gleicher Sprache, gleichen Blutes, gleicher Religion aus geringfügigen Ursachen auseinander gefallen. Wirtschaftlich zusammen gehörige Länder widerstehen immer siegreich allen natürlichen Trennungselementen, die in der Sprache, Rasse, Religion etc. gegeben sind.“

Das Eigentum und der unentgeltliche Wehrdienst (1902), in: Band 3, S. 129 – 130.


   „Die politische Weltkarte sieht heute aus wie ein Bettlerrock, geflickt und zerfetzt. Neue Grenzzäune erheben sich alle Tage und eifersüchtiger denn je bewacht jeder seinen Knochen, seine von den Vätern ererbte Bettelsuppe. Kann man heute noch mit vernünftigen Gründen hoffen, dass einmal ein Eroberer erstehen wird, der uns alle vereint? Unsinnig wäre solche Hoffnung. Die Teilung führt zu Krieg und der Krieg kann nur zusammenflicken. Die Nähte reißen immer wieder auf. Der Mensch braucht die ganze Erde, keinen zusammengeflickten Fetzen. Und zwar jeder einzelne Mensch, jedes einzelne Volk. Und so lange diesem Elementarbedürfnis des Menschen nicht genügt wird, gibt es Krieg: Mann gegen Mann, Volk gegen Volk, Kontinent gegen Kontinent. Wobei noch zu beachten ist, dass der aus solchen Ursachen entbrannte Krieg stets und regelmäßig das Gegenteil dessen erzeugen muss, was die Kriegführenden bezwecken. Trennung statt der Einigung, Verkleinerung statt Vergrößerung, Abgründe statt Brücken.“

Die Verwirklichung des Rechts auf den vollen Arbeitsertrag (1906), in: Band 4, S. 75 – 76.


   „Eine durchgreifende Reform, die eine friedliche Entwicklung ermöglicht, das ist es, was man heute geradezu verlangt. Und diesem Bedürfnis entspricht die Geld- und Bodenreform.“

Die Verwirklichung des Rechts auf den vollen Arbeitsertrag (1906), in: Band 4, S. 299.


   „So besteht also tatsächlich die Gefahr, dass dasselbe Geld, das die Arbeitsteilung entwickelte und uns dadurch aus der Barbarei heraushob, und durch die ihm anhaftenden Fehler mit blutigen Köpfen wieder in die Barbarei zurückstoßen wird. Das herkömmliche Geld kann mit einer schadhaften Leiter verglichen werden: je höher wir steigen, umso tiefer stürzen wir, wenn sie bricht. Und sie wird brechen. Unser Geld bedingt den Kapitalismus, den Zins, die Massenarmut, die Revolte und schließlich den Bürgerkrieg, der erfahrungsgemäß mit unheimlicher Schnelligkeit zur Barbarei zurückführt. Und für Barbaren gibt es kein anderes Mittel, die Bevölkerungszahl auf der Höhe der Subsistenzmittel zu erhalten, als den Krieg, den Massenmord. Entweder Arbeitsteilung und ein diese sicherndes Geldwesen als Träger einer aufwärts strebenden Kultur, die die Subsistenzmittel der Bevölkerung anzupassen weiß, oder aber umgekehrt die gewaltsame Anpassung der Bevölkerung an die natürlich gegebenen Subsistenzmittel durch den Krieg, das gegenseitige Totschlagen der Überzähligen. … Wer es aber vorzieht, einen eigenen Kopf etwas anzustrengen statt fremde Köpfe einzuschlagen, der studiere das Geldwesen, der trachte danach, die ‚unbegrenzten Möglichkeiten’, die in der Arbeitsteilung liegen, dadurch der Menschheit und der Friedensidee dienstbar zu machen, dass er für diese Arbeitsteilung ein zweckentsprechendes Geldwesen schafft.“

Geld oder Krieg? (1912), in: Band 7, S. 169 – 170.


   „In der Natur gibt es keine Kriege zwischen Artgenossen. … Es wäre ein verhängnisvoller Irrtum, wenn man den Zweikampf der Tiere mit den menschlichen Kriegen vergleichen wollte. … Wir müssen es daher direkt als Wahnsinn bezeichnen, wenn man das Gute, das der Kampf in der Natur für die Gesundheit der Art hat, auch den Kriegen nachsagt. Vom Kriege kann man nur die Degeneration der Art erwarten.“

Die Auslese durch das Christentum, den Krieg und den physiokratischen Frieden (1913),
in: Band 7, S. 206 und 208.


   „Eine blühende Volkswirtschaft erzeugt überall eine friedliche Stimmung. Nachbarvölker, die alle Hände voll zu tun haben, um die mit dem Wohlstand zusammen wachsenden Bedürfnisse zu befriedigen, werden auch gut Kirschen miteinander essen. Alle Zankäpfel erscheinen ihnen süß und wohlschmeckend. Aber wenn die Volkswirtschaft unbefriedigend ist, wenn der Absatz fehlt, wenn Arbeiter in Massen feiern, wenn die Unternehmer und Kaufleute die Bilanzen mit Defizit abschließen und die staatlichen Einnahmequellen versiegen! Dann erscheint jedem Volk das eigene Feld zu klein und schlecht und das der Nachbarn übermäßig groß und fruchtbar.“

Die Rolle des Geldes in den Geschicken der Völker (1914), in: Band 8, S. 54.


   „Englands Weltmacht ist nichts als Geldmacht. Es ist die Macht des Gläubigers über den Schuldner, die Macht des Scheckbuchs in korrupten Parlamenten, die Macht mit der man in der Welt alle die Großen und die Kleinen zu Boden wirft und zu Sklaven macht, die Sklaven ihrer großen und kleinen Laster sind. … Dies wäre der Schlag, den wir durch den Übertritt zur gewöhnlichen Papierwährung gegen die Substanz der englischen Geldmacht führen können. … Wer ist der Feind? England. Worauf gründet Englands Macht? Auf der Goldwährung. Drauf!“

Eine mustergültige deutsche Papierwährung als Waffe zur Vernichtung der auf Gold aufgebauten englischen Weltmacht -  Kriegsflugblatt Nr. 4 (1914), in: Band 8, S. 166 und 172 - 173.


   „Wenn die Völker jetzt doch die Augen zum gestirnten Himmel erheben könnten! Wie klein und unwürdig würde ihnen all das Gezänke auf Erden erscheinen. Wie schnell würden sie sich vertragen. Friede! Das ist mein Wunsch und Gruß.“

Postkarte an Georg Blumenthal vom 31.12.1914, in: Band 18, S. 89.


   „Streben wir den Wirtschaftsfrieden an; aus ihm wird viel Herzensfrieden in den einzelnen und der Weltfrieden in die Völker kommen. Denn auch Freiheit und Frieden sind ansteckend!“

Deutsches Freiland – Kriegsflugblatt gemeinsam mit Paulus Klüpfel verfasst
(Pfingsten 1915), in: Band 8, S. 248.


   „Der gegenwärtige Krieg ist das schrecklichste Ereignis der Weltgeschichte.“

Aufruf zum Eintritt in den Schweizerischen Freiland-Freigeld-Bund (1916),
in: Band 10, S. 22.


   „Ein echter Frieden kann nicht auf Sieg und Niederlage errichtet werden.“

Der Weg zum Frieden (1917), in: Band 10, S. 131.


   „Und es ist fast gut, dass es so gekommen ist. Vom Kriege dürfen und wollen wir nichts Gutes erwarten, auch keine Morgenluft. Ungeziefer, Seuchen, Hunger soll uns der Krieg bringen, keine soziale Umgestaltung. Aus besudelten und bluttriefenden Händen wollen wir die Befreiung nicht annehmen. Ceres, nicht Mars soll die Grundmauern des Staates legen. Wir hassen den Krieg, selbst wenn er uns beschenken will. Die Befreiung ist eine Kulturtat und Kultur kann uns nur der Friede bringen. Der Friede bereitet die Geister für die Freiheit vor, er zerfrisst sicher und schnell die Ketten. Er schafft die stolzen Männer, die keine Ketten sehen wollen, weder bei sich noch bei anderen. Ja, gerade bei den anderen nicht. Der Krieg verdirbt diese Männer. Ein Tag, ein einziger, dem die Menschen im Kriegsgeist verlebt hatten, genügte, um das geistige Werk von Jahrzehnten zu vernichten. Noch bevor der Hahn krähte, bevor noch ein Schuss abgegeben war, hatten die Proletarier aller Länder sich gegenseitig verraten.“

Proletarische Hoffnungen und Aktionen (unveröffentlichtes Manuskript 1917/18)
http://www.silvio-gesell.de/html/ms_1917-18_1.html


   „Trotz des heiligen Versprechens der Völker, den Krieg für alle Zeiten zu ächten  - trotz des Rufs der Millionen: ‚Nie wieder Krieg!’  - entgegen all den Hoffnungen auf eine schönere Zukunft muss ich es sagen: Wenn das heutige Geldwesen mit der Zinswirtschaft beibehalten wird, wird es keine 25 Jahre dauern, bis wir einem neuen, noch furchtbareren Krieg stehen.“

Offener Brief an die „Berliner Zeitung am Mittag“ (1918), in: Band 17, S. 257.


   „Der Krieg kann nur zerstören und uns der Barbarei zutreiben. Der Krieg schafft Heuchler, Lügner, Feiglinge, Diebe – kurz Gesindel. Und mit Gesindel können wir keinen sozialistischen, keinen Zukunftsstaat bauen. Der Frieden, nur allein der Frieden kann uns die Erfüllung unserer Träume bringen. Weg mit den Mordwerkzeugen! Jetzt sollen unsere ‚friedlichen’ Waffen in Wirksamkeit treten. Sabotage und Streiktaktik werden das zuwege bringen, was der militärischen Diktatur zu verrichten versagt blieb.“

Werte Genossen! (1919), in: Band 10, S. 341.


   „Bürger- und Völkerfriede entstammen demselben Geist, haben die gleichen Ursachen. Zwischen Staaten, die innerlich gesund sind, d.h. sich wahren Bürgerfriedens erfreuen, kann es gar nicht zum Kriege kommen, wie auch umgekehrt zwischen denselben Staaten kein wahrer Friede Fuß fassen kann, solange in ihnen der Klassenkampf tobt. Wer darum den Völkerfrieden will, muss wissen, dass er ihn nur vom Altar des Bürgerfriedens holen kann. Der Bürgerfriede ist die Keimzelle des Völkerfriedens. … Der Völkerkrieg ist eine Nebenerscheinung der Schichtung des Volkes in einzelne Klassen, des Kampfes dieser Klassen gegeneinander, des bürgerlichen Wirtschaftskrieges. Die Ursache des in allen Kulturstaaten herrschenden bürgerlichen Kriegszustandes ist wirtschaftlicher Natur. … Ist die Wirtschaft in Ordnung, so ist auch der Friede gesichert. Gegensätze aus der geistigen Welt stören niemals ernsthaft den Frieden. Selbst die sogenannten Religionskriege hatten recht nüchterne wirtschaftliche Beweggründe. Auch Rasse und Sprache veranlassen keinen Krieg, wie denn überhaupt der Krieg nichts mit den Lebenserscheinungen zu tun hat. … Die wirtschaftlichen Einrichtungen, die das Zerfallen der Völker in verschiedene Klassen bedingen und zum Bürgerkrieg treiben, sind in allen Kulturstaaten von Anfang an bis auf den heutigen Tag dieselben gewesen: das Bodenrecht und das Metallgeld (bzw. das diesem nachgeäffte Papiergeld), uralte Einrichtungen, soziale Spaltpilze und Sprengkörper, die schon die Staaten des Altertums in Trümmer legten und auch wieder mit unserer Kultur fertig werden, wenn wir uns nicht rechtzeitig noch davon befreien.“

Die Natürliche Wirtschaftsordnung (1920), in: Band 11, S. 55 – 56.


   „So hat nun schon so ziemlich jedes Volk versucht, sich durch Eroberung in den ersehnten Besitz der Erdkugel zu setzen, immer mit dem gleichen Misserfolg. Das Schwert wird, wie jedes Handwerkszeug, stumpf durch den Gebrauch. Und welche Opfer werden diesen kindischen Versuchen immer und immer wieder gebracht. Ströme von Blut, Berge von Leichen, Meere von Geld und Schweiß. Dabei keine Spur eines Erfolges. Die Staatenkarte unserer Erde sieht heute aus wie ein Bettlerrock, geflickt und zerfetzt; neue Grenzzäune erheben sich alle Tage und eifersüchtiger denn je bewacht jeder seinen Knochen, seine von den Vätern ererbte Bettelsuppe. Kann man heute noch mit vernünftigen Gründen hoffen, dass einmal ein Eroberer erstehen wird, der uns alle vereint? Unsinnig wäre eine solche Hoffnung. Die Teilung führt zu Krieg und der Krieg kann nur zusammenflicken. Die Nähte reißen immer wieder auf. Der Mensch braucht die ganze Erde, die ganze Kugel, keinen zusammengeflickten Fetzen. Und zwar jeder einzelne Mensch, jedes einzelne Volk. Und solange diesem Grundbedürfnis des Menschen nicht genügt wird, gibt es Krieg. Mann gegen Mann, Volk gegen Volk, Erdteil gegen Erdteil. Wobei noch zu beachten ist, dass der aus solchen Ursachen entbrannte Krieg stets und regelmäßig das Gegenteil dessen erzeugen muss, was die Kriegführenden bezwecken. Trennung statt Einigung, Verkleinerung statt Vergrößerung, Abgründe statt Brücken.“

Die Natürliche Wirtschaftsordnung (1920), in: Band 11, S. 97.


   „Ich will vom Kriege nichts, auch keinen Lehrstoff geschenkt erhalten.“

Die Natürliche Wirtschaftsordnung (1920), in: Band 11, S. 145.


   „Hat es einen vernünftigen Sinn, für den Völkerfrieden zu arbeiten und dabei seine Unterlage, den Bürgerfrieden, unbeachtet zu lassen? Nennt man das nicht auf Flugsand bauen? Dachausbesserungen an einem Bau vornehmen, dessen Grundmauern untergraben werden? So, wie die Dinge liegen, bedeutet der Völkerfrieden ein bloßes Abdichten der Sicherheitsventile der heute in der ganzen Welt herrschenden Gesellschaftsordnung, also nur eine Verkürzung der Galgenfrist bis zum großen Weltbrand.“

Die Natürliche Wirtschaftsordnung (1920), in: Band 11, S. 211.


   „Als Mensch gedeihen kann allein der Wohlhabende unter Wohlhabenden, der Sorgenfreie unter Sorgerfreien. Reichtum und Armut sind gleichmäßig verkehrte Zustände; sie gehören nicht in einen geordneten Staat, sie sind mit dem Bürger- und Völkerfrieden unvereinbar. Friede ist nichts anderes als Freiheit, und frei ist nur der Mann, der für die Deckung seiner Bedürfnisse sich auf seine eigene Arbeit, seine wirtschaftliche Stellung verlassen kann. Armut ist eine Kette und Reichtum ist eine Kette. Und der Anblick von Ketten muss jedem Freien ein Gräuel sein. Wo er sie sieht, muss er sie brechen. Das ist Friedensarbeit. … Ehe wir nicht den letzten Proletarier zur letzten Ruhe neben dem letzten Rentier bestatten, gibt es keinen Frieden am Herd, in der Gemeinde, im Staate und im Völkerleben.“

Die Natürliche Wirtschaftsordnung (1920), in: Band 11, S. 226.


  „Alles, was die Friedensfreunde tun, ist gut und lobenswert. Aber ungleich wirkungsvoller wäre ihre menschenfreundliche Tätigkeit, wenn sie ihre Aufmerksamkeit mehr den wirtschaftlichen Ursachen der Kriege zuwenden wollten und namentlich nicht immer nur von Völkerkriegen, sondern auch vom Bürgerkrieg, der seit 3000 Jahren ununterbrochen tobt, reden wollten.“

Die Natürliche Wirtschaftsordnung (1920), in: Band 11, S. 231.


   „Mich ekelt alles, was mit dem Krieg in Zusammenhang steht, dermaßen an, dass ich nicht einmal das von ihm gelieferte Beweismaterial gebrauchen kann.“

Aktive Währungspolitik (2. Aufl. 1921), in: Band 12, S. 321.


   „Alles, was durch den Krieg entsteht, ist vom Kriegsgeist durchseucht und muss darum an diesem Geiste zugrunde gehen. Auch der aus dem Krieg hervorgegangene Völkerbund wird vergehen. Schon jetzt zeigen sich die ersten Risse. … Das will aber nicht bedeuten, dass der Gedanke des Völkerbundes ungesund sei. … Der Bund wird geschlossen werden. Die ihm entgegenstehenden Kräfte werden überwunden werden, wenn nicht heute, dann morgen. Die Sache ist ins Rollen gekommen und wird nicht mehr aufgehalten werden können. Wichtig allein ist, dass man die Natur der Kräfte, die sich dem Völkerbunde entgegenstemmen, erkennt und ihre Größe richtig einschätzt. In London, in Paris, in Genf weiß man noch nicht, was dem Völkerbunde alles zu opfern ist. Man glaubt dort, er ließe sich mit Gewalt und anderen billigen Mitteln zusammenfügen. … Die Gewaltmittel sind geschaffen, um Gewaltzustände zu bilden oder zu erhalten. Frieden und Völkerbund sind aber das Gegenteil von Gewalt. …
   Der Völkerbund ist eben nicht zu verwechseln mit dem Menschheitsbund. Ohne die Staaten wären die Menschen von Natur fest miteinander verbunden. Die Menschheit hat gemeinsame Interessen, die sich täglich mehr stärken und vertiefen. Nichts treibt sie auseinander. Rasse, Sprache, Sitten gegen niemals Grund zu Zänkereien und Krieg.“ 

Deutsche Vorschläge für die Neugründung des Völkerbundes und für die
Überprüfung des Versailler Vertrags (1921), in: Band 12, S. 276 – 277.


   „Der Mensch braucht eben die ganze Erde. Und wenn ein Volk ein Stück dieser Erde abgrenzt, zum Zwecke andere Völker davon auszuschließen, so ist das eine Tat, die früh oder spät den Krieg nach sich zieht. Zoll und Krieg sind gleichbedeutend wie Freihandel und Frieden auch gleichbedeutend sind. Die ganze Erde, der Erdball, der dort in weitem Bogen um die Sonne kreist, das ist mein, das ist dein, das ist unser aller Platz an der Sonne und diesen Platz darf kein Hoheitsrecht dem Menschen streitig machen. Fort mit dem Souveränitätsrecht der Staaten, so weit es zu der Entwicklung von Zollgrenzen missbraucht werden kann!“

Deutsche Vorschläge für die Neugründung des Völkerbundes und für die
Überprüfung des Versailler Vertrags (1921), in: Band 12, S. 288 – 289.


   „Der Kriegsgeist wird nicht erst dann geboren, wenn man uns die Flinte in die Hand drückt und man uns befiehlt, auf fremde, uns völlig unbekannte, vielleicht sogar sehr achtens- ja liebenswerte Menschen zu schießen. Der Kriegsgeist kam nicht plötzlich am 1. August 1914 in Gestalt einer Taube oder eines Raben über das deutsche, russische, englische, französische Volk. Der Kriegsgeist kommt auch nicht mit dem Wind von fernher. Nein, er wird am heimischen Herd, im eigenen Land gezeugt, genährt, gezüchtet. Er ist ein eheliches Kind unserer eigenen sozialen Zustände. Aus einer Mörderhöhle kann allein der Kriegsgeist stammen, und diese Mörderhöhle haben alle Völker sich in ihren wirtschaftlichen Zuständen geschaffen. Das, was in früheren Zeiten Räubervölker durch Heeresmacht zu schaffen suchten, ein Sklavenheer, eine Menschenschicht, auf die man alle Mühseligkeiten des Lebens abwälzen konnte, genau dasselbe haben die Deutschen, Franzosen, Amerikaner sich im Proletariat geschaffen und haben die Gesetzgebung benutzt, um solchen unnatürlichen Zustand gewaltsam aufrecht zu erhalten.
   Aus dieser Zweiteilung des Volkes in Arbeiter und Genießer ist der Kriegsgeist erwachsen. Sie bildet den Born, der fortzeugend Böses gebären muss, den Geist der Gewalt, der Unterdrückung, der in den Sitten und Gesetzen, in Werk und Wort überall in Erscheinung tritt. …
   Sollen wir den Kriegsgeist bekämpfen, so müssen wir seine Quelle verschütten. … Gelingt es uns, hier in Deutschland zum ersten Male in der Weltgeschichte auf dem Wege von Freiland und Freigeld einen ausbeutungsfreien, reinen Arbeiterstaat zu bilden, wo die persönliche Freiheit, Selbstständigkeit, Unabhängigkeit der Bürger sich schon in ihrem stolzen, freien, gesitteten Benehmen kundgibt, so braucht es kaum noch ausgesprochen zu werden, dass dieser unser Staat der Sympathien der Arbeiter der ganzen Welt, der Anarchisten, der Syndikalisten, der Internationalen, der Mehrheits- und Minderheitssozialisten sicher sein kann.“

Deutsche Vorschläge für die Neugründung des Völkerbundes und für die
Überprüfung des Versailler Vertrags (1921), in: Band 12, S. 291 – 293.


   „Eine Ordnung, die in sich gesund ist, wo es keine Vorrechte gibt, hat auch keine Feinde, auch keine Außenfeinde. Die wärmenden Strahlen der Gerechtigkeit, die ein abgebauter Klassenstaat ausströmt, bringen den Eispanzer des Völkerhasses zum Schmelzen. Sie müssen dies tun. Ohne den Glauben, dass sie es vermögen, könnte ich nicht leben. Sieghaft muss die Gerechtigkeit alles, was die Völker und Menschen trennt und verfeindet, zum Schmelzen bringen.“

Der Abbau des Staates nach Einführung der Volksherrschaft
(2. Aufl. 1921), in: Band 13, S. 67.


   „Die Schuldfrage ist für uns keine Frage einzelner Personen, keine moralische Frage. Sie ist eine Frage der Organisation der menschlichen Gesellschaft. Unabhängig vom menschlichen Friedenswillen wird es immer Kriege geben, so lange die Staaten auf Macht und Gewalt eingestellt sind und der Macht bedürfen. Elsass-Lothringische Fragen gibt es überall zu Dutzenden in der Welt, die durch Gewalt ihre Lösung suchen werden, wenn wir keine andere Lösung finden. Auch für Deutschland bedeutet Elsass-Lothringen Rückeroberung und Krieg, so lange die Frage nicht auf eine erhöhte Plattform gebracht wird.“

Mehr aktive Außenpolitik! (1923), in: Band 14, S. 324.


   „Es ist das Verkehrteste, was wir machen können, wenn wir die Gräuel der Ruhrbesetzung dem französischen Nationalcharakter zuschreiben und daraus Folgerungen für ihr späteres Benehmen uns gegenüber ziehen. … Handeln und urteilen wir also so, als ob wir jetzt schon den Franzosen der Zukunft, den Franzosen der großen Revolution, der declaration des droits de l’homme, der Marseillaise vor uns hätten. …
   Das Vertrauen, das wir in unsere Zukunft haben, dasselbe Vertrauen bringen wir auch den Franzosen entgegen. Der Krieg wird vergessen werden, wie man böse Träume vergisst. Die barbarische Stimmung, die der Krieg zeugen musste, die wird wieder zerflattern. Seien wir Optimisten. … Unsere Jugend wächst heran. Vier Jahrgänge, die kein Blutbad angerichtet, die kein Blutbad genommen; vier Jahrgänge, die nicht auf Kasernenhöfen den Kasernengeist in sich aufzunehmen brauchten. Nochmals vier Jahre, dann sind es acht Jahrgänge. Schon ein Drittel der erwachsenen männlichen Bevölkerung, das sich von Baal und Moloch befreit, das gelernt hat, das persönliche Leben und Lebensglück über den Staat und den Thron der Hohenzollern zu erheben und nicht bereit ist, für irgendeine Besessenheit, für die Phantastereien der Patrioten und Imperialisten zu bluten, zu leiden und zu sterben. Der so natürliche Wunsch der Menschen zu leben, sich der Wunder dieser Welt, der Schöpfung Gottes zu erfreuen und die hierzu nötigen wirtschaftlichen, freundschaftlichen, sozialen, nationalen und internationalen Zustände zu schaffen, dieser natürliche und unausrottbare Wunsch, der wird Deutschland retten, die Menschheit ‚erlösen’. Das ist es, was wir den Franzosen bisher zu sagen unterlassen haben. Sagen wir ihnen, dass wir ihnen gegenüber wie auch jedem anderen Volk und Menschen gegenüber nicht als Staat und Staatsknechte entgegenzutreten wünschen, sondern dass wir Menschen sind, die aus dem Verkehr mit ihnen höhere Lebensfreuden erwarten, eine gegenseitige Befruchtung unserer Bestrebungen auf allen Gebieten: der Wissenschaft, der Technik, der Philosophie, des Handels, der Sozialität.
   Sagen wir ihnen, dass wir über die Schuld am Kriege nicht im Zweifel sind, dass wir sie nicht in der Geistesverfassung einzelner Personen, einzelner Völker suchen, sondern in den wirtschaftlichen, sozialen Zuständen, die in der ganzen Welt den Klassenstaat, den Klassengeist, den Geist der Herrschaft und Unterdrückung schaffen, dass alle Menschen in lebenswichtigen Fragen auf gleiche Weise reagieren, so weit sie die Mittel dazu haben. Sagen wir ihnen, dass der Völkerfrieden mit dem Bürgerfrieden kommt und dass, so lange der Klassenkampf, die Ausbeutung durch das Kapital die Eingeweide der Völker zernagt, weder Ross noch Reisige den Frieden sichern können, ja, dass der Völkerkrieg als Ventil für den Ausbruch des Bürgerkrieges anzusprechen ist und dass der letzte große Weltkrieg ein Kinderspiel ist verglichen mit dem Bürgerkrieg, der zu erwarten ist, falls es nicht gelingt, seine Ursachen zu beseitigen.“

Beeilen wir uns, ehe es zu spät ist (1923), in: Band 14, S. 345 – 346.


   „Die Bürgerkriege sind immer die leidenschaftlichsten und grausamsten Kriege gewesen. Ich erinnere hier an den deutschen Bauernkrieg, an den spanischen Guerillakrieg, an den amerikanischen Separationskrieg. Den Bürgerkrieg leitet schließlich nur noch der Hass und das persönliche Rachegefühl.“

Bürgerkrieg oder Bewaffnung des Proletariats? (1923), in: Band 14, S. 367.


   „Ich werde nie müde, es bei jeder Gelegenheit zu sagen und zu betonen: Der Friedensgeist ist ein Erzeugnis des Bürgerfriedens. Der Friedensgeist wird von der Umgebung ausgestrahlt und dann von uns aufgenommen, wie man Sonnenstrahlen aufnimmt. … Diese Friedensatmosphäre schaffen wir durch einen gerechten sozialen Zustand, der keinerlei Vorrechte der Geburt und des Besitzes kennt, der jedem seinen vollen Arbeitsertrag sichert, wo die Möglichkeit der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen nicht mehr besteht. … Mit den vom Freiwirtschaftsbund geforderten Reformen senkt sich, wie der Morgentau auf die Gräser, der Geist der Versöhnung, des Verstehens, des allgemeinen Wohlwollens, der allgemeinen Menschenliebe auf alle herab und zieht alle, die Nationalisten, die Militaristen, die Imperialisten, die Parteimänner unwiderstehlich in seinen Bann. … Wenn allseitig in allen Ländern der Bürgerfrieden heimisch ist, dann erst sind wir endgültig vor Wiederholungen der erlebten Gräuel gesichert. … Es gibt nur einen Frieden, nur einen Krieg. Diesen Krieg wollen wir beenden, diesen Frieden anbahnen und für alle Zeiten begründen und sichern.“

Freiwirtschaftliche Reparations- und Friedenspolitik (1924), in: Band 15, S. 53.


   „Mir sind von meinen Landsleuten die heftigsten Vorwürfe gemacht worden wegen meines Verhaltens zur Reparationsfrage. Verräter, Französling, Reparationsbolschewist bin ich genannt worden. Manche haben diese Vorwürfe, zu denen dann jüngst auch noch der des Separatismus trat, wieder zurückgenommen, als sie sahen, wie ernst die Lage wurde, wie sehr ich mit meiner Betrachtung der politischen Lage Deutschlands Recht behielt. Ich bin zu meiner Stellungnahme gegenüber der Reparationsfrage gekommen, weil ich eine andere politische Witterung habe und weil mir auch Poincaré durch seine klare und unzweideutige Sprache eine klare Stellungnahme ermöglichte. … Wir haben auch keinen Grund, den Worten Poincarés zu misstrauen. Er ist einer der ganz wenigen Politiker Europas, der eine klare Sprache spricht. … Und weil ich niemals an der Echtheit dieser Worte zweifelte, habe ich vom ersten Tage an das deutsche Volk gewarnt und ihm empfohlen, sich unverweilt auf die Zahlung einzurichten.“

Freiwirtschaftliche Reparations- und Friedenspolitik (1924), in: Band 15, S. 58.


   „Der Grund des Versagens der Friedenspolitik liegt darin, dass die Pazifisten viel zu viel vom Krieg reden. Der Teufel erscheint, wenn man von ihm spricht. Der Friedensengel würde aber vielleicht auch erscheinen, wenn man ihn auch einmal an die Wand malen würde. Aber die Friedenspropagandisten wissen offenbar nichts vom Frieden zu sagen. … Wie stellt sich eigentlich der Pazifist den Frieden vor? Niemand weiß es. Würde aber eine klare Darstellung der Zustände in der pazifierten Welt nicht ungleich wirksamer sein als die ewige Auffrischung der Kriegsgräuelbilder? Stelle man doch neben die Bilder des Krieges das Bild des wahren, des ewigen Friedens. … Auch der Pazifist muss wissen, wofür er kämpft. … Der Frieden fordert die Beseitigung aller Vorrechte. Sind die Pazifisten bereit, dem Frieden dieses Opfer zu bringen? … Ja, ja, der Frieden kostet viel, sehr viel sogar. Und ich fürchte, dass er für viele, die bisher für den Frieden gekämpft haben, zu viel kosten wird.“

Angriffe auf die pazifistische Politik (1924), in: Band 15, S. 125 – 129.

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