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„Der Grund weshalb bis heute noch keine bessere Wirtschaftsordnung ersonnen worden ist, liegt einfach daran, dass sich die Führer der Sozialisten von Marx auf eine falsche Spur haben leiten lassen. … Marx erkannte in der Aneignung der Produktionsmittel des Volkes durch die Kapitalisten die Wurzel der sozialen Missstände; aber den Boden, woraus diese Wurzel ihre Nahrung zieht, hat er nicht untersucht. Und diese Unterlassungssünde führte ihn auf Irrwege und in ein Labyrinth ohne Ausweg alle diejenigen, welche seine Theorien ohne eingehende Prüfung annahmen. Marx hat das Geldwesen ohne Zweifel studiert, aber nicht genug, um den wirklichen Zweck desselben und sein Wesen zu erkennen. Eine Verbesserung des Geldwesens muss ihm von vornherein unmöglich erschienen sein. Er erkannte nicht, dass das jetzige Münzwesen den fruchtbaren Boden bildet, wo der Kapitalismus seine Wurzel senkt und die Kraft zu üppigem Gedeihen zieht. Wer sich nun in das Studium des heutigen Geldes nur etwas vertieft, der kommt sehr schnell zu der Überzeugung, dass die jetzigen sozialen Missverhältnisse auf organische Fehler des Geldwesens zurückzuführen sind.“
Nervus rerum (1891), in: Band 1, S. 73 – 74.
„Die Sozialisten glauben, dass in dem Eigentumsrecht an und für sich das Geheimnis der Kapitalanhäufung liegt. Und in diesem Irrtum befangen, regte sich in ihnen der Gedanke an die kommunistische Produktionsweise. Dass es daran nicht liegt, tritt schon sofort zu Tage, wenn man sich die heutigen Besitzer der Produktionsmittel ansieht. Wenn das Geheimnis der Kapitalanhäufung in dem Eigentumsrechte an den Produktionsmitteln zu suchen wäre, so müssten doch vor allen Dingen die Kapitalanhäufungen bei denen zu finden sein, die die ursprünglichen Eigentümer der Produktionsmittel waren, d.h. bei den Bauern und Handwerkern. Stattdessen findet man aber heute die Produktionsmittel in den Händen von früheren Bankiers und Spekulanten, also in den Händen von Leuten, die die Produktionsmittel früher nicht besaßen. … An dem Eigentumsrecht an und für sich liegt es also nicht, dass so viele Handwerker sich heute ihrer Produktionsmittel beraubt sehen; sondern die Sache muss einen anderen Haken haben.“
Nervus rerum (1891), in: Band 1, S. 119 – 120.
„Der allergrößte Teil der Sozialisten erachtet den kommunistischen Wirtschaftsbetrieb als eine höchst unangenehme Beigabe der Lösung, welche man der sozialen Frage heute geben will. Wenn sich heute noch viele Arbeiter sträuben, der sozialen Bewegung sich anzuschließen, so ist es gerade der Widerwille, welche der kommunistische Wirtschaftsbetrieb in jedem gesunden, nicht im Elend und in der Fabrikatmosphäre verkümmerten Manne erweckt. Streicht man den kommunistischen Wirtschaftsbetrieb aus dem Programm der Sozialisten, sofort werden sich denselben nicht allein alle Arbeiter, sondern auch die Bauern, die Beamten, die Professoren, der größte Teil des Handelspersonals, kurzum das gesamte Proletariat des Volkes anschließen. Die Münzreform ermöglicht es, die soziale Frage zu lösen, ohne auf den kommunistischen Wirtschaftsbetrieb zurückgreifen zu müssen. Sie wird der sozialistischen Bewegung alle die Elemente, welche unter dem heutigen Wirtschaftsbetrieb schwer zu leiden haben, zuführen und den Ausbau eines wirklich sozialen Staates ermöglichen.“
Nervus rerum (1891), in: Band 1, S. 147 – 148.
„Marx hat den Sozialisten vorgerechnet, dass die Wurzel der sonderbaren wirtschaftlichen Verhältnisse, die wir heute kopfschüttelnd betrachten, in dem Privatbesitz an den Produktionsmitteln liegt und dass infolgedessen eine vernünftigere Wirtschaftsordnung nur durch den kommunistischen Wirtschaftsbetrieb zu erwarten ist. Warum hat man Marx noch nicht widerlegt?“
Die Verstaatlichung des Geldes (1892), in: Band 1, S. 253.
„Der Arbeiter muss sich das Recht auf den vollen Arbeitsertrag erkämpfen. Zu diesem Kampfe gehört Einigkeit. Seid einig, einig, einig! Aber wie diese Einigkeit herbeiführen? Der fromme Wunsch allein genügt dazu nicht. … Es muss ein einfacher kristallklarer Gedanke sein, der als Bindemittel zu dienen hat, der die Arbeiter vereinigen soll. Durch äußerliche Mittel, durch Organisation, kann die Einigkeit nicht erreicht und viel weniger in kritischen Zeiten erhalten werden. Die Einigkeit muss von einer inneren, natürlichen Anziehungskraft herrühren, die alle Teile ohne äußeren Zwang unwiderstehlich zusammenzieht. Eine Einigkeit ohne ‚Führer’, ohne ‚Organisation’, ohne ‚Parteileitung’. Eine zwanglose, aus gemeinsamer innerer Überzeugung quellende Einigkeit soll es sein. Diese innere Einigkeit kann nur von einer Idee ausgehen, die sich nicht durch Sophisten verdunkeln lässt und die hell genug strahlt, um den Fabrikstaub, den Tabaksqualm und den Bierdunst zu durchdringen. Eine solche gemeinsame, einfache und zugleich strahlende Idee fehlt den Arbeitern heute. … Fragt man nach der Idee, so erhält man karge, unklare, in der Regel überhaupt keine Antwort oder man wird auf ein Werk von drei fettleibigen Bänden verwiesen. … Die Arbeiter verlassen sich auf ihre ‚Führer’, auf die ‚Parteileitung’. Wehe also, wenn die Führer uneinig werden, denn dann ist es wieder aus mit der Einigkeit des großen Haufens, und die Erfüllung des Herzenswunsches muss bis zur Wiederherstellung der Einigkeit verschoben werden. … Will man die Einigkeit von innen heraus herbeiführen, die ideale, keines Führers bedürftige Einigkeit, so muss auf die Frage nach dem Programm des Zukunftsstaates jeder Arbeiter eine klare, übereinstimmende Antwort geben können. Eine solche Antwort ist die Geld- und Bodenreform. Der Gedanke, dem beide Reformen entspringen, ist wie geschaffen, um als Einigungs- und Sammelruf zu dienen.“
Die Verwirklichung des Rechts auf den vollen Arbeitsertrag (1906), in: Band 4, S. 295 – 297.
„Es kommt ja in der Volkswirtschaft oft vor, dass die Ereignisse, Gesetze, Handlungen das Gegenteil des erwarteten Erfolgs bewirken. … Der Streik muss das Gegenteil von dem erzeugen, was der Arbeiter erwartet. Der Kapitalzins kann nur dadurch gedrückt oder beseitigt werden, dass man ihn in einem Meer von Kapital ersäuft.“
Was kann der Arbeiter vom Streik noch erwarten? (1907), in: Band 5, S. 31 und 33.
„Unsere Arbeiter würden sich die Behandlung, die ihnen durch die Unternehmer und den Staat zuteil wird, nicht gefallen lassen, wenn die Nachfrage nach ihren Produkten ebenso regelmäßig auf dem Markte erschiene wie das Angebot.“
Die neue Lehre vom Geld und Zins (1911), in: Band 6, S. 133.
„Der Kapitalismus, der mit unserem aus dem Altertum in unveränderter Form auf uns überkommenen Geldwesen untrennbar verbunden ist, muss unbedingt überwunden werden – und zwar ohne Kommunismus, auf freiheitliche, die Persönlichkeit rettende Weise.“
Geld oder Krieg? (1912), in: Band 7, S. 169.
„Mit dem sozialdemokratischen Zukunftsstaat als Bindemittel wird die Einigkeit niemals erreicht werden. Der Kommunismus ist das Ideal der Hungrigen, der Geplagten, des in der Armut aufgewachsenen Proletariats. Besser gesagt: der Kommunismus ist das Produkt des Hungers, des Elends, der Sorge. Wird aber der Druck der Armut nur etwas gehoben, dann überwuchern die individualistischen Triebe und Ideale sofort die kommunistischen und ersticken sie. Der Kommunismus, sofern er allen den Wohlstand bringen soll, ist demnach nur als Selbstmörder denkbar; er hebt sich selbst aus dem Sattel. Dagegen haben Individualismus und allgemeiner Wohlstand einen vernünftigen Sinn: sie bedingen sich, stehen unmittelbar in Wechselwirkung zueinander – wie Kommunismus und allgemeine Armut Zwillingsschwestern sind.“
Der dreißigjährige Krieg und der Generalstreik (1913), in: Band 7, S. 240.
„Wer das Kapital wirklich bezwingen will, muss seine Natur studieren. Verräter aber an der Sache der Arbeiter sind die, die aus Furcht, dass die Lehre eines alten Arbeiterführers Schaden erleiden könnte, die Augen verschließen und der Kritik dieser Theorie gegenüber die schändliche Totschweigetaktik üben wie die sozialdemokratische Presse es der physiokratischen Theorie des Kapitals gegenüber bisher getan hat.“
Die marxistische Kapitaltheorie und der Rückgang der Grundrenten in Frankreich (1914), in: Band 8, S. 127 – 128.
„Für den Kapitalismus gibt es tatsächlich kein besseres Konservierungsmittel als die sozialdemokratische Forderung der Verstaatlichung der Produktionsmittel.“
Eine Viehversteigerung in Argentinien (1914), in: Band 8, S. 132.
„Zum großen Wahlsieg meine besten Glückwünsche. Die Armee haben Sie, die Rüstung hat der Schweizer Freiland-Freigeld-Bund. Rüstung und Armee gehören aber zusammen.“
Brief an den schweizerischen Sozialdemokraten Ernst Nobs vom 11.7.1917 aus Les Hauts Geneveys, in: Band 18, S. 151.
„Unsere Sache ist die Sache des Proletariats. Da sind die Parteiblätter, die Gewerkschaftsblätter. Mit denen muss man anbändeln, das ist fruchtbarster Boden – besonders heute.“
Brief an Paulus Klüpfel und Hertha Holtze vom 12.11.1917 aus Les Hauts Geneveys, in: Band 18, S. 159.
„Kirche, Staat, Arbeiterorganisationen, Genossenschaften, auch Revolutionen haben sich gegen den Zins erhoben. Alle haben die Waffen strecken müssen. Auch Lenin wird bestimmt vor diesem Igel Halt machen müssen.“
Rathenaus „Neue“ Wirtschaft (1919), in: Band 10, S. 212.
„Als der Krieg ausbrach, witterten einige Sozialisten Morgenluft. Wo sollte es jetzt losgehen? Natürlich dort, wo der ‚Kapitalismus’ am weitesten fortgeschritten war. In England? In Deutschland? Wahrscheinlich in Frankreich, wo ja schon die eine Hälfte des Volkes ganz, die andere halb von Renten lebte – denn die ‚Entwicklung des Kapitalismus’ misst man an der Zahl und am Gewicht der Rentner (Rentiers). Dort, wo die Masse des Volkes, die überwältigende Majorität, aus Rentnern (Rentiers) bestand, da musste es zuerst losgehen. Aber die Proletarier rebellierten nicht. Die wenigen, die es versuchten, sind still, ohne Sang und Klang hinter Gefängnismauern um die Ecke gebracht worden. Wenigstens hat man von solchen Rebellionen nichts gehört. Der Ruf ‚Proletarier aller Länder, seid einig’ verhallte im Waffengeklirr. Dafür aber wurde das Kommando der Offiziere ‚Proletarier aller Länder, schießt euch gegenseitig tot’ mit Kadavergehorsam ausgeführt. Viele Führer der Proletarier stießen zuletzt am lautesten ins Kriegshorn. Die Morgenluft verwehte; geblieben ist vom Internationalismus der Katzenjammer des Bewusstseins, eine traurige Rolle gespielt zu haben. Wer die Macht richtig einzuschätzen wusste, die dem Staate das Nachrichtenmonopol verschafft, der wusste, dass es so kommen würde. Die Zensur modelte die Geister, wie der Staat sie brauchte, und die Flintenläufe nahmen automatisch die Richtung, die man den Geistern mit Hilfe von Lug und Trug gegeben hat. Alle Hoffnungen, die der Proletarier auf den Krieg gesetzt hatte, waren dahin.“
Proletarische Hoffnungen und Aktionen (unveröffentlichtes Manuskript 1917/18) http://www.silvio-gesell.de/html/ms_1917-18_1.html
„So geht der Streik, wenn er Erfolg hat, notwendigerweise auf Kosten anderer Arbeiter. Noch schlimmer ist es, wenn einzelne Gewerkschaften durch besonders straffe Organisation ihre Lohnsätze über das allgemeine Niveau heben. Um diesen gehobenen Lohn zu verteidigen, müssen sie dann die diesem Berufe zuströmenden Arbeitskräfte durch Gewaltmittel fernhalten, wie z.B. durch Beschränkung der Lehrlingszahl. Was soll aber aus dem Nachwuchs werden, wenn solche Gewerkschaftspolitik allgemein befolgt würde? Solche Lohnerhöhungen gehen dann auf Kosten des schwächsten Teiles der Arbeiter, auf Kosten der Lehrlinge (oder auch der Konsumenten), während der Arbeiter doch das Kapital treffen möchte. Sobald man zu solchen Gewaltmitteln greifen muss, gibt man den Grundsatz der Solidarität auf. Nichts wäre aber dem Proletariat verderblicher, als wenn die Lohnpolitik die einzelnen Gewerkschaften in Gegensatz zu einander brächte.“
Proletarische Hoffnungen und Aktionen (unveröffentlichtes Manuskript 1917/18) http://www.silvio-gesell.de/html/ms_1917-18_2.html
„Proletarier, durch fleißige, unverdrossene, klug geleitete Arbeit sollst du das Kapital in einer Überproduktion an Kapital ersäufen! An Stelle des fatalistischen Zuwartens verlangt die neue Kapitaltheorie von dir die Tat, die dir am nächsten liegt, die Arbeit. Durch deine Arbeit entstand schon immer die Überproduktion an Waren, deren Umsatz in Kapital durch die Autokapitalsabotage verwehrt wurde. Jetzt soll durch das Freigeld dieses Wehr niedergerissen werden, so dass sich die aus deiner Arbeit erwachsende Warenüberproduktion in Kapitalüberproduktion umsetzen kann. Und mehr ist nicht nötig, um den Mehrwert, den Zins spurlos zu versenken. Solange der Arbeiter nur singen konnte: ‚Alle Räder stehen still, wenn mein starker Arm es will’, lachte sich der Kapitalist ins Fäustchen. Das Stilliegen der Räder, das war es ja, was ihm, dem Kapitalisten half. Das Problem des Arbeiters aber heißt gerade umgekehrt, alle Räder sollen laufen, solange es meinen Arbeiterinteressen entspricht, solange es noch Spuren von Zins und Ausbeutung gibt auf der Erde. Den rastlosen ununterbrochenen Lauf der Räder gegen die Interessen des Kapitals zu erzwingen, die Autokapitalsabotage zu verunmöglichen, das ist das Problem des Arbeiters. Und dieses Problem löst Freigeld. Alle Räder sollen jetzt laufen, schwirren, ächzen, solange es deinen Interessen entspricht. (Trefzer schlug vor: ‚Alle Räder sollen laufen, soll das Kapital ersaufen.’)“
Proletarische Hoffnungen und Aktionen (unveröffentlichtes Manuskript 1917/18) http://www.silvio-gesell.de/html/ms_1917-18_3.html
„Aus dem Kapitalismus müssen wir heraus, das erkennen sogar die Kapitalisten selbst. Der Bolschewismus oder Kommunismus mag für unterentwickelte Kulturzustände, wie man sie noch vielfach auf dem Lande in Russland antrifft, möglich sein; aber für eine hoch entwickelte, auf Arbeitsteilung eingerichtete Volkswirtschaft sind solche vorgeschichtlichen Wirtschaftsformen nicht anwendbar. Der Europäer ist den von dem Kommunismus untrennbaren Gebundenheiten entwachsen. Er will frei sein, nicht allein frei von der kapitalistischen Ausbeutung, sondern auch frei von den behördlichen Eingriffen, die sich doch beim Zusammenleben in einer auf Kommunismus eingerichteten Gemeinschaft nicht vermeiden lassen. Aus dem gleichen Grunde werden wir mit der jetzt versuchten Verstaatlichung nur schwere Misserfolge erleben.“
Vorwort zur 4. Auflage von Die Natürliche Wirtschaftsordnung (1920), in: Band 11, S. XXVI.
„Im Kapital haben wir kein Sachgut zu erblicken, sondern ein von Nachfrage und Angebot unbeschränkt beherrschtes Marktverhältnis – wie das übrigens der Sozialist Proudhon, der Gegner Marx’, schon vor 50 Jahren den Arbeitern gesagt und bewiesen hatte.“
Die Natürliche Wirtschaftsordnung (1920), in: Band 11, S. 9.
„Für den Kommunisten gibt es eben nur Kapitalismus oder Kommunismus. Für mich besteht dieses ‚entweder – oder’ nicht, weil ich noch nur rechten Zeit einen Notausgang aus der kapitalistischen Hölle in die Freiheit entdeckte. Zur rechten Zeit, weil ich zureichenden Grund für die Annahme habe, dass es meinen nun schon zahlreichen und weit verbreiteten Freunden gelingen wird, die Arbeiterbewegung von den kommunistischen Zielen ab auf die Bahn der vorrechtslosen Freiwirtschaft zu lenken. Diese zuversichtliche Hoffnung habe ich immer und zwar vom ersten Tage an gehabt.“
Verteidigungsrede (1919/20), in: Band 12, S. 37.
„Der Ausgangspunkt und Antrieb zu allen sozialistischen Bestrebungen ist nicht der Wunsch gewesen, die persönliche Selbstständigkeit und Selbstverantwortung aufzugeben und sich den Anordnungen der – wenn auch selbst gewählten – Behörden zu unterwerfen. Nein, das war nicht die Triebfeder. Was die mannigfachen sozialistischen Bestrebungen hat aufkommen lassen, das war und ist die Ausbeutung durch das Kapital, die im Zins und in der Grundrente genau messbar ist. Die Sozialisten entstanden zusammen mit dem Zins und mit der privaten Aneignung des Bodens, die zur Ausbeutung in Form der Grundrente führte. Die mannigfachen sozialistischen Systeme, die Utopien, schwärmerische Ausgestaltungen eines Zukunftsstaates, sind nur Mittel zum Schutz gegen die Ausbeutung oder zu ihrer vollen Beseitigung. … Die bisher bekannten sozialistischen Systeme konnten dieses Ziel immer nur auf dem Wege der völligen Aufhebung des Privateigentums, der Selbstständigkeit und Eigenverantwortung erstreben. Wo es zu Versuchen kam, hat es sich regelmäßig herausgestellt, dass ihre Mängel größer waren als das Übel, das sie bekämpfen wollten. Misserfolg auf Misserfolg. So kamen denn viele Sozialisten zu der trübsinnigen, verzweifelten Ansicht, dass zur Besserung unserer Gesellschaftsordnung vor allem bessere Menschen nötig seien. Eine hoffnungslose Ansicht.“
Das Reichswährungsamt (1920), in: Band 12, S. 75 – 76.
„Marx ist ein Lamm in Wolfskleidern. Marx ist die wahre Hochburg des Kapitals. Ohne Marx läge Mammon heute besiegt am Boden. Marx’ falsche Kapitaltheorie hat zunächst einen Teil der Arbeiterschaft zusammengefasst, um desto sicherer den anderen abzustoßen. Und in der Revolution hat sich ja auch die marxistische Lehre als Spaltpilz im Proletariat voll ausgewirkt. Und so hat man jetzt das traurige Schauspiel, dass die Wachen vor Mammons Tempel durch die rote Garde besetzt sind.“
Marx, Helfferich und Erzberger (1920), in: Band 12, S. 208 – 209.
„Vor zwei Jahren hatten die Marxisten Gelegenheit, das durch den Krieg und durch die unselige Geldwirtschaft verelendete Deutschland zugunsten des werktätigen Volkes auf sozialer Grundlage neu aufzubauen, um so alle Ausbeutung in Zukunft zu verhindern. Und sie haben es nicht getan, nein besser, nicht gekonnt, weil Theorie und Praxis eben zweierlei ist. Es sei ferne von mir zu behaupten, der Wille habe den Arbeiterführern gefehlt. Das Gegenteil ist tatsächlich der Fall. Sie haben nicht Kerker, Aussperrung und Denunziation gescheut, um das zu tun, was ihnen ihr Gerechtigkeitsgefühl vorschrieb. Umso größer die Enttäuschung. Über kurz oder lang wird es ihnen wie Schuppen von den Augen fallen und sie werden erkennen, dass der von Karl Marx aufgestellte Kompass nicht genau genug zeigt. Auch die marxistischen Arbeiterführer werden zu der Überzeugung kommen müssen, dass nicht das bloße Eigentum an Produktionsmitteln eine Ausbeutung ermöglicht, sondern dass unser herkömmliches Geldwesen und das private Bodeneigentum die Ursachen sind.“
Bergarbeiterführer und Bergarbeiter (1921), in: Band 13, S. 95.
„Wir haben wiederholt unsere Schriften der Sowjetregierung mit dem diplomatischen Kurier zugehen lassen. Vielleicht veranlasst der Misserfolg die Sowjetregierung nunmehr unseren Vorschlägen Beachtung angedeihen zu lassen. … Doch der hohen Sowjetregierung ist das Hemd näher als der Rock. Sie fühlen sich alle unsicher; sie wissen, dass sie alle gehenkt werden, wenn die Reaktion siegen würde. Und darum haben sie nicht die nötige Ruhe, um die Reformen zu studieren, die wir ihnen vorschlagen. Und so werden die russischen Bolschewiks das gleiche Ende nehmen, wie die Revolutionäre aller Länder und Zeiten, wie alle, die sich gegen den Kapitalismus erheben, ohne die Natur des Kapitals vorher ergründet zu haben.“
Kapitalismus in Russland – Bolschewismus in England (1921), in: Band 13, S. 123.
„Es ist ein Glück für die Sozialdemokratie, dass die Loslösung von der Koalition und von der Regierung auf so billige Weise erreicht wurde. Mit dem kommunistischen Programm kann die Sozialdemokratie die Regierung niemals übernehmen, ohne Schaden an Leib und Seele zu nehmen. Vom Kapitalismus führt kein gangbarer Weg zum Sozialismus, wie ihn die Sozialdemokratie heute noch versteht. Jetzt stehen die Genossen und Genossinnen wieder vor dem Berg - wie vor 1914. Mit dem Verlust einer Hoffnung allerdings, aber mit dem Gewinn der Erfahrung, dass die Eroberung der politischen Macht ohne ein sofort in allen Teilen durchführbares Wirtschaftsprogramm wertlos ist. Jetzt, nach der Erstürmung des Berges, wissen sie, dass sich hinter dem Berg neue steilere Berge erheben. Es ist keine Schadenfreude, trotzdem aber reine Freude, die ich über diese Entwicklung empfinde. Jetzt wird die Sozialdemokratie in sich gehen müssen und die Richtung gebenden Sätze ihres Programms überprüfen. Sie wird Bernsteins vorzeitig im Interesse der Agitation unterbrochene Arbeit wieder aufnehmen müssen. Revisionismus. Es ergeht hier den Sozialdemokraten wie es Lassalle erging, der seufzend darüber klagte, wie die Agitation ihn davon abgehalten hätte, der Theorie die nötige Zeit zu widmen. Der Misserfolg hat die Voraussetzungen der marxistischen Lehre vom Kapital ihrer Selbstverständlichkeit entkleidet und nun wird Bernstein die Bahn frei haben.“
Brief an Hildegard Wegscheider, SPD-Abgeordnete im Preußischen Landtag, vom 22.2.1922. http://www.silvio-gesell.de/html/briefe.html
„Auf der marxistischen Darstellung des Kapitals können die Hoffnungen des Proletariats vernünftigerweise nicht mehr gründen. Diese Darstellung führt zwangsläufig zur Forderung des kommunistischen Wirtschaftsbetriebs. … Auch bei den Führern hat die Kritik das Vertrauen in die Richtigkeit der marxschen Darstellung vom Kapital erschüttert. … Auch sie haben noch eine, eine letzte Hoffnung, nämlich die, dass sich in die marxsche Lehre vom Kapital an einer entscheidenden Stelle ein Fehler eingeschlichen haben mag. Und diese Hoffnung gründet auf den zahllosen Widersprüchen, die zwischen Marx’ ‚Kapital’ Band 3 und Marx’ ‚Kapital’ Band 1 bestehen. … Sie hoffen also mit dem Proletariat, dass Marx III., der selbstständige Forscher, Marx I., den Schüler der Vulgärökonomie, erledigen, dass Marx, der Wissenschaftler, Marx, den Politiker, den Verfasser des ‚Kommunistischen Manifests’, den Knockout geben wird. Dann wird Marx III. der Forschung und dem Befreiungskampf des Proletariats neue Bahnen brechen.“
Die Ausbeutung – ihre Ursachen und ihre Bekämpfung. Zweite Denkschrift an die Deutschen Gewerkschaften (1922), in: Band 13, S. 355.
„Über die wahre Ursache der Ausbeutung wollen wir uns klar werden. Ob diese Erkenntnis uns zunächst süß oder bitter schmecken wird, steht hier nicht in Frage. Die Wahrheit soll ans Licht gezogen werden. Mehr nicht. Marx als Hauptvertreter der Lehre, wonach die Ausbeutung auf das Privateigentum zurückzuführen sei, geht von einer sehr wichtigen, von ihm aber nur ganz oberflächlich untersuchten Voraussetzung aus, nämlich, dass das Geld kein selbstständiges Kapital sei. Das Geld ist ein vollkommenes Äquivalent der im Tausch erhaltenen Waren, sagt Marx. Für die von ihm selbst geprägte allgemeine Formel des Tausches G – W – G’ findet er in den Eigenschaften des Geldes keine Erklärung. Wenn diese Formel nicht durch eine ganz regelmäßig und ungestraft vor sich gehende ‚Prellerei’, also nicht durch Machtfaktoren erklärt werden soll, dann, sagt Marx, gehört zu dieser Erklärung eine lange Kette von Mittelgliedern. Diese Mittelglieder sucht nun Marx im Produktionsprozess. … Hier werde ich nun auf einige Widersprüche aufmerksam machen, die die Voraussetzungen dieser marxschen Lehre als unhaltbar erweisen, womit dann auch der von Marx geführte Beweis erschüttert wird, dass zur Beseitigung der Ausbeutung das Privateigentum abzuschaffen sei.“
Die Ausbeutung – ihre Ursachen und ihre Bekämpfung. Zweite Denkschrift an die Deutschen Gewerkschaften (1922), in: Band 13, S. 360 - 362.
„Die Freigeldlehre geht ebenfalls bei ihren Untersuchungen über die Natur des Kapitals von der marxschen Formel des Tausches aus: G – W – G’. Sie setzt aber nicht voraus, dass das Geld ein vollkommenes Äquivalent der Waren sei, sondern findet in der von Marx selbst formulierten allgemeinen Gestaltung des Tausches den Beweis, dass das Geld mehr ist als ein Äquivalent. Die marxsche Formel G – W – G’ ist für sie unmittelbarer Beweis, dass das Geld ein selbstständiges Kapital ist, dass das G’ nicht Produkt einer ewig wiederholten Prellerei ist, sondern Ergebnis einer Überlegenheit des Geldbesitzers über den Warenbesitzer, also Produkt eines wirtschaftlichen Machtfaktors. … Es ist also ganz klar, dass es sich hier nicht um volle Äquivalente handelt, dass der Geldbesitzer aller Regel nach vom Warenbesitzer eine besondere Vergütung dafür fordern kann, dass er darauf verzichtet, dem Besitzer der Ware durch Verschleppung des Handels einen direkten Substanzverlust zu verursachen. Wie viel diese Vergütung in jedem Einzelfall beträgt, kann natürlich nicht festgestellt werden. Die Vergütung geht stillschweigend in den Preis über. Die Erfahrung zeigt aber, dass die Kaufleute das im Geschäft angelegte Geld aller Regel nach mit 5 % im Jahre verzinsen können. … Das Rätsel, das in der marxschen Formel des Handels steckt, G – W – G’, das Marx nicht lösen konnte und das ihn dann zwang, den verzweifelten Versuch zu machen, das G’ fern vom Markte im Produktionsprozess zu suchen, dieses Rätsel wäre also gelöst. Das Geld ist kein vollkommenes Äquivalent. Es ist mehr. Und dieses Mehr schafft den Mehrwert. … Der Zins aller Kapitalien richtet sich nach dem Zins des Geldkapitals. … Was den Zins des Geldes nicht einträgt, bleibt ungeboren. … Mit der Entdeckung der Kapitalnatur des Geldes und mit der Erklärung der Natur dieses Kapitals tritt für den Sozialisten, der die Ausbeutung bekämpfen will, die Frage auf, ob es nicht möglich ist, ein Geld zu schaffen, das den Waren nicht überlegen ist und das sich diesen gegenüber darum auch nicht als Kapital erweisen kann. Mit dieser Frage betreten wir das Forschungsgebiet des französischen Sozialisten Proudhon. Proudhon ist der erste gewesen, der die Kapitalnatur des Geldes feststellte, wenn er auch die Natur dieses Kapitals nicht durchschaut hat. Letzteres geht klar aus seinen Vorschlägen zur Bekämpfung des Geldkapitals hervor, die in der Forderung gipfeln, die Ware auf die Rangstufe des Geldes zu erheben. Wenn er den Grund der Überlegenheit des Geldes erkannt hätte, hätte er unmöglich eine solche Forderung stellen können. Immerhin zeigen seine Aussprüche ganz klar, dass es für ihn keinen Zweifel darüber gab, das Geld sei ein Kapital. Er suchte den Schlüssel zur Erklärung der Marxschen Formel Geld – Ware – Mehrgeld darum auch im Tausch der Waren gegen Geld. … Es war für ihn außer Zweifel, wenn vom Geld her keine Hemmungen einträten, dass dann die Akkumulation der Produktionsmittel bis zum Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Kapitalmarkt, also bis zur völligen Unterdrückung des Kapitalzinses vor sich gehen müsste. Der Kapitalismus war ihm eine Nebenerscheinung des herkömmlichen Geldwesens. … 70 – 80 Jahre sind es her, dass Proudhon dem Kapital auf die Spur gekommen war. Von der vollkommenen Lösung des uralten Problems trennte ihn nur noch ein Schritt. Er brauchte nur vor die Frage gestellt zu werden, warum denn das Geld den Waren überlegen ist. Dann hätte die Antwort darauf auch gleich die weitere sozialistische Frage beantwortet, wie man dem Geld den Giftzahn ausbrechen kann. … Proudhon hat keinen äquivalenten Mitarbeiter gefunden. Er war auf sich selbst angewiesen. Marx war in die eigene Formulierung des Kapitals verliebt. Er konnte sich in die Gedankengänge Proudhons nicht hineinfinden. Er bekämpfte ihn. Durch die Tagespolitik wurde Proudhon von der wissenschaftlichen Ausarbeitung seiner Erkenntnisse abgelenkt. Er nahm diese Erkenntnisse mit ins Grab. Die Bücher, die er hinterließ, waren bei den Kapitalisten verpönt und bei den Sozialisten durch Marx diskreditiert worden. Nur die Anarchisten hatten ihn nicht vergessen. Sie interessierten sich aber für andere Gedankengänge Proudhons. So blieb die Proudhonsche Lehre vom Kapital so gut wie unbeachtet, trotz der Bemühungen Gustav Landauers. Marx beherrschte das Feld. Die Fragen, die Proudhon offen ließ, die hat die Freigeldlehre beantwortet. … Wenn wir darum das Geld so gestalten, dass der Druck, unter dem das Warenangebot steht, auch auf das Geldangebot übertragen wird, so fällt die Übermacht des Geldes dahin. Dann ist der Tatbestand da, den Marx bei seiner Untersuchung bereits als gegeben voraussetzte. … Wenn der Geldbesitzer mit einem Substanzverlust zu rechnen hat, der proportional der Zeit wächst, die das Geld in seinem Besitze verbleibt, dann sind Geld und Ware äquivalent. … Das Freigeld kann nicht streiken. Es steht ja unter Druck. Es trägt den Streikbrecher in sich.“
Die Ausbeutung – ihre Ursachen und ihre Bekämpfung. Zweite Denkschrift an die Deutschen Gewerkschaften (1922), in: Band 13, S. 366, 369 – 373 und 376.
„Wie oft sind die Vertreter der Freigeldlehre von Marxisten ausgelacht worden. … Die Ereignisse der letzten Jahre auf dem Geldmarkt haben viele Sozialisten bereits stutzig gemacht. Man beginnt einzusehen, dass die vollkommene Vernachlässigung der Währungsfrage in der sozialistischen Literatur ein schwerer Mangel war, der sich jetzt, wo alle Welt von Währung, Valuta und Wechselkursen etwas verstehen möchte, bitter rächt. … In der ganzen gewaltigen Millionenpartei ist nicht ein Mensch anzutreffen, der in der Währungsfrage beschlagen ist. Das hat dazu geführt, dass die Sozialisten die wichtigsten, wirklich entscheidenden Posten in der Regierung an die anderen Parteien abtreten mussten und sie sich nur mit Posten begnügen mussten, die auf das, worauf es in erster Linie ankommt, nur sehr mittelbar von Einfluss sind. … Es wird notwendig, die sozialistische Aktionspolitik vollkommen neu zu orientieren.“
Die Ausbeutung – ihre Ursachen und ihre Bekämpfung. Zweite Denkschrift an die Deutschen Gewerkschaften (1922), in: Band 13, S. 379 - 381.
„Der Kommunismus ist nur für die Armseligen anheimelnd. Für die, die sich nur einer Spur von Wohlstand einmal in ihrem Leben erfreut haben, ist er unerträglich. Der wohlhabende Mensch strebt nach Befreiung, nicht nach neuen Gebundenheiten.“
Die Ausbeutung – ihre Ursachen und ihre Bekämpfung. Zweite Denkschrift an die Deutschen Gewerkschaften (1922), in: Band 13, S. 396.
„Genau wie in der Reichsverfassung, so ist auch jetzt im neuen Görlitzer Programm der Sozialdemokratischen Partei die Grundlage der Volkswirtschaft – das Geldwesen – vergessen worden.“
Unser Genueser Programm und die Goldwährung (1920), in: Band 14, S. 162.
„Die Bolschwiki versagten vollständig. Was sie schufen, war für die Mehrzahl schlimmer als was sie zerstört hatten. Hundertfältig verstärkte staatliche Bindungen, bürokratische Eingriffe in das persönliche Leben. Überall Staat, Gewalt, Gefängnisse!“
Mehr aktive Außenpolitik! (1923), in: Band 14, S. 323.
„In der Selbstverantwortung, in der Selbstständigkeit der Wirtschaft, im Eigentumsbegriff und namentlich im Wohlstand verfeinert sich dann allmählich der Mensch und befähigt ihn allmählich zu höheren Kultur- und Gesellschaftsformen. Die russische Revolution glaubte in dieser Beziehung den umgekehrten Weg einschlagen zu können. Ohne den Erfolg abzuwarten, glaube ich, ihr in dieser Beziehung ein vollkommenes Fiasko prophezeien zu müssen. Und ich bin auch überzeugt, dass, wenn wir Messwerkzeuge für diese Dinge hätten, wir jetzt schon in den führenden Köpfen der Revolution eher eine Verrohung als eine Verfeinerung des Gemütes würden nachweisen können.“
Die allgemeine Enteignung im Lichte physiokratischer Ziele (1926), in: Band 16, S. 41.
„Solange der kommunistische Geist nicht das ganze Leben des Menschen erfasst und beherrscht, ähnlich wie der Christusgeist das Leben des heiligen Franz zu Assisi mit Beschlag belegt hatte, solange es sich nur um Behördenkommunismus handelt, kann man zwar von einem kommunistischen Staat, aber nicht von einem kommunistischen Volk reden. Ein kommunistischer Staat aber ohne kommunistisch beseeltes Volk kann nicht von Bestand sein. … Der Kommunismus müsste, wenn er Bestand haben soll, nicht von den Behörden dem Volk gepredigt werden, sondern umgekehrt vom Volk den Behörden.“
Die kommunistische Seele auf die Probe gestellt (1926), in: Band 16, S. 179.
„Wie die Nationalisten dem Volk die Bürde des Militarismus erträglich zu machen suchen dadurch, dass sie das Lied ‚Deutschland, Deutschland über alles’ so oft singen lassen, bis dass alle davon überzeugt sind, es gebe keine edleren Menschen als sie selbst, so suchen nun auch die kommunistischen Demagogen die Armseligkeit des kommunistischen Lebens mit kommunistisch-nationalistischen Phrasen zu vergolden. Es ist also das Rezept der Deutschnationalen und der Mussolinis, das die Kommunisten hier anwenden. Gegen solche Tendenzen ist rechtzeitig Front zu machen. … Die Armseligkeit der Lebensführung, die den Proletarier auf keinem Gebiet zur Entfaltung seiner Kräfte kommen lässt, die ihn unter anderem auch dazu führt, in der kommunistischen Hölle einen Gewinn zu erblicken gegenüber dem kapitalistischen Schweinestall, ist der denkbar schlechteste Lehrmeister, und die Früchte entsprechen auch durchaus dieser Schule. In der Armut, in der Demut, in der allgemeinen Gebundenheit kann der Mensch nicht gedeihen. Wenn es aber dem Proletarier unmöglich ist, aus sich etwas zu machen, nun so soll er sich auch nicht entrüsten, wenn man ihm ins Gesicht sagt, dass er unter allen der Bemitleidenswerte ist. Was nützt es dem Schwein, wenn es den Stallbesitzer für den Schmutz verantwortlich macht? Es bleibt darum doch ein Schwein, so lange es im Stall eingepfercht ist. Heraus aus dem Stall, das soll die einzige Sorge des Proletariers sein.“
Die Verherrlichung des Proletariats (1926), in: Band 16, S. 182.
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