Spendenkonto
der Stiftung
fĂŒr Reform der Geld- und Bodenordnung:
Konto 102 33 00
GLS Bank
BLZ 430 609 67

SILVIO-GESELL.DE | .AT

Ökonomen ĂŒber Silvio Gesell

---Chronologisch geordnete Zustimmung und Kritik von

 
Irving Fisher    Wilhelm Röpke   John Maynard Keynes
  Joseph Alois Schumpeter  
Dudley Dillard   Maurice Allais
 Adolf Weber    Erik Nölting  Kenneth E. Boulding  
Lawrence Klein
 Alvin Hansen  Carl Föhl  John Kenneth Galbraith 
 Gottfried Bombach
George Garvy Friedrich August von Hayek
 Joachim Starbatty Michael Herland
Oswald Hahn  Dieter Suhr
 Hans-Christoph Binswanger  Victoria Chick
 Ernst-Ulrich von WeizsĂ€cker  William Darity Joseph Huber
 Hans-Georg Nutzinger    Bernard A. Lietaer
 Willem Buiter & Nikolaos Panigirtzoglou  Axel Leijonhufvud
 Bernd Senf    Dirk Löhr
Thomas Huth    Gerhard Senft
 Peter Ulrich Gregory Mankiw-

||| Prof. Dr. Irving Fisher

„Freigeld könnte der beste Regulator der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes sein, die der verwirrendste Faktor in der Stabilisierung des Preisniveaus ist. Bei richtiger Anwendung könnte es uns tatsĂ€chlich binnen weniger Wochen aus der Krise heraushelfen. ... Ich bin ein bescheidener SchĂŒler des Kaufmanns Gesell.“

Stamp Scrip, New York 1933, S. 67, und:  Mail and Empire (Toronto) vom 21.11.1932.
>
zur Übersicht


||| Prof. Dr. Wilhelm Röpke

„Jede Wissenschaft hat eine sumpfige Grenzzone des frei schweifenden Abenteurertums, in der jene sich aufhalten, die meistens verbohrte Dilletanten, ganz selten aber auch geniale und bahnbrechende Außenseiter sind. Die Nationalökonomie hat unter vielem anderen die Lehre vom Frei- und Schwundgeld. 
 TatsĂ€chlich ist der wissenschaftliche Konservativismus nicht notwendigerweise Ausdruck engen Zunftgeistes. 
 Wenn jetzt einer der angesehensten Nationalökonomen der Gegenwart, Irving Fisher, seine AutoritĂ€t fĂŒr das Schwundgeld, einer der Lieblingsideen unserer ‚monetary cranks’, einsetzt, so ist das an sich noch keineswegs ein Ruhmestitel und ganz gewiss sollte es kein Anlass sein, diesen Fall als ein Exempel fĂŒr konservativere Nationalökonomen zu erklĂ€ren.“

Schwundgeld?, in: Das Tagebuch Nr. 1/1933, S. 11.

„Alle diese monetĂ€ren Erlösungslehren  - unter denen die sogenannte ‚Freigeldlehre’ Silvio Gesells am bekanntesten ist -  laufen mit eintöniger RegelmĂ€ĂŸigkeit auf Inflation hinaus.“

Die Lehre von der Wirtschaft, Erlenbach-ZĂŒrich 11. Auflage 1968, S. 160.       > zur Übersicht


||| Prof. Dr. John Maynard Keynes

„Das große RĂ€tsel der wirksamen Nachfrage verschwand aus der wirtschaftlichen Literatur. 
 Es konnte nur verstohlen unter der OberflĂ€che weiterleben, in den Unterwelten von Karl Marx, Silvio Gesell und Major Douglas. 
 Von den LeitsĂ€tzen orthodoxer Finanz ist sicherlich keiner antisozialer als der Fetisch der LiquiditĂ€t. ...
   Wenn ich recht habe in meiner Annahme, dass es verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig leicht sein sollte, KapitalgĂŒter so reichlich zu machen, dass die GrenzleistungsfĂ€higkeit des Kapitals Null ist, mag diese der vernĂŒnftigste Weg sein, um allmĂ€hlich die verschiedenen anstĂ¶ĂŸigen Formen des Kapitalismus los zu werden. Gewaltige gesellschaftliche Änderungen wĂŒrden sich aus einem allmĂ€hlichen Verschwinden eines Verdienstsatzes auf angehĂ€uften Reichtum ergeben. 

   Jene Reformatoren, die in der Erzeugung kĂŒnstlicher Durchhaltekosten des Geldes ein Heilmittel gesucht haben, zum Beispiel durch das Erfordernis periodischer Abstempelungen der gesetzlichen Zahlungsmittel zu vorgeschriebenen GebĂŒhren, sind somit auf der richtigen Spur gewesen und der praktische Wert ihrer VorschlĂ€ge verdient, erwogen zu werden. 

   Gesells Hauptwerk ist in kĂŒhler, wissenschaftlicher Sprache geschrieben, obschon es durchweg von einer leidenschaftlicheren, erregteren Hingabe fĂŒr gesellschaftliche Gerechtigkeit durchströmt ist, als manche fĂŒr einen Gelehrten schicklich finden. ... Ich glaube, dass die Zukunft mehr vom Geiste Gesells als von jenem von Marx lernen wird.“

Allgemeine Theorie der BeschĂ€ftigung, des Zinses und des Geldes, Berlin 1936, S. 28, 131, 185, 196, 300 – 302 und 317.
                                                                                                               >
zur Übersicht


||| Prof. Dr. Joseph Alois Schumpeter

„Ich bin kein Marxist. Dennoch erkenne ich zur GenĂŒge die GrĂ¶ĂŸe von Marx an, um mich beleidigt zu fĂŒhlen, ihn zusammen mit Silvio Gesell und Major Douglas auf die gleiche Ebene gestellt zu sehen.“

Review of the General Theory of Employment, Interest, and Money,
in: Journal of the American Statistical Association Vol. 31 (December 1936).


„Eine wachsende Neigung der Nationalökonomen, einen monetĂ€ren Kapitalbegriff anzuerkennen und zu verwenden, konnte sich jedoch nicht durchsetzen, was auch fĂŒr die wenigen Versuche gilt, den Zins als rein monetĂ€res PhĂ€nomen zu interpretieren. Sie wurden so wenig beachtet und vollstĂ€ndig vergessen, dass sie in der Diskussion dieses Themas wĂ€hrend der 30er Jahre unseres Jahrhunderts nicht einmal erwĂ€hnt wurden. Nur einer dieser Versuche, und zwar der von Silvio Gesell, wurde von Lord Keynes vor der Vergessenheit bewahrt.“

Geschichte der ökonomischen Analyse Zweiter Teilband,
nach dem Manuskript posthum herausgegeben von Elisabeth Schumpeter,
Göttingen 1965, S. 1356.     >
zur Übersicht


||| Prof. Dr. Dudley Dillard

„Gesell ist sowohl antiklassisch als auch antimarxistisch. ... Die Einmaligkeit der Gesellschen theoretischen Untersuchung erklĂ€rt sich aus seiner Einstellung zur Sozialreform. Nur unter BerĂŒcksichtigung seines allgemeinen Blickwinkels als Reformer kann seine Theorie verstanden werden. ... In einigen wichtigen Punkten ist seine Analyse nicht voll entwickelt, aber im Allgemeinen ist sein Modell einwandfrei.“

Gesells Monetary Theory and Social Reform,
in: American Economic Review Vol. 32 (1942), S. 348.       >
zur Übersicht


||| Prof. Dr. Maurice Allais

„Wir wollen hier ganz besonders den Bahnbrechern wie Proudhon, Walras und Silvio Gesell unsere Hochachtung bezeugen, die die große Versöhnung von Individualismus und Kollektivismus vollbracht haben, auf der die von uns angestrebte Wirtschaftsordnung beruht.”

Economie et IntĂ©rĂšt, Paris 1947, S. 613.         > zur Übersicht


||| Prof. Dr. Adolf Weber

„Gesell sieht manche ZusammenhĂ€nge klar und einwandfrei. 
 Dennoch wird man seinen praktischen VorschlĂ€gen nicht zustimmen können.”

Geld, Banken, Börsen. MĂŒnchen 1947, S. 42.       > zur Übersicht


||| Prof. Dr. Erik Nölting

„Vieles, was Gesell unter seiner ‘NatĂŒrlichen Wirtschaftsordnung’ versteht, ist durchaus akzeptabel, freilich auch nicht mehr als eine Binsenwahrheit. 
 Der Kampf gegen das arbeitslose Einkommen ist populĂ€r, er entspricht im ĂŒbrigen alter sozialistischer Tradition. Geld ist immer ein Angriffsziel all derer gewesen, die nicht tiefer in den komplizierten Mechanismus der Wirtschaft hineinschauen und sich als typische Vordergrundsdenker an der OberflĂ€che halten. 
 Der Zins ist eine sekundĂ€re und abgeleitete Erscheinung, nichts als eine Abzweigung aus dem Profitstrom. Dem Kapital in der Geldform wohnt keinerlei geheimnisvolle und selbstschöpferische Kraft der Vermehrung inne, die den Zins erzeugt. Geld ist an sich nur Wertmesser, Umlaufmittel oder Zahlungsmittel und steht als solches völlig jenseits von Gut und Böse.”

Die Wirtschaftspolitik und das Geldproblem (hrsg. von der SPD),
Hannover 1948, S. 14 – 15 und 20.        >
zur Übersicht


||| Prof. Dr. Kenneth E. Boulding

„WĂ€hrend der letzten 20 Jahre hat die theoretische Nationalökonomie eine Revolution erlebt, von deren Umfang sich fast alle Laien nur eine vage Vorstellung machen können, die aber an Bedeutung alle Fortschritte der Wirtschaftswissenschaften seit Adam Smith ĂŒbertrifft. Diese Revolution war wesentlich durch die BemĂŒhungen der Wirtschaftstheoretiker angeregt worden, die Kritiken der ‚Geldnarren’ – eines Silvio Gesell, Major Douglas sowie eines Foster und Catchings zu beantworten. Obwohl das Gesamtsystem der Arbeiten dieser Schriftsteller voller IrrtĂŒmer steckt, haben sie zweifellos doch ein StĂŒckchen Wahrheit gefunden, das den orthodoxen Nationalökonomen entgangen ist, sich jedoch in die allgemeine Entwicklungsrichtung der wirtschaftlichen Lehrmeinung ohne weiteres einfĂŒgen lĂ€sst. Diese bisher vernachlĂ€ssigte Wahrheit lag in der Erkenntnis, dass unter bestimmten UmstĂ€nden ein Mangel an Kaufkraft oder an Verbrauch in dem Sinne eintreten kann, das die Gesellschaft nicht bereit ist, bei gegebenen Preisen die Gesamtmenge der zum Verkauf angebotenen GĂŒter zu kaufen. 

   Besonders in recht unorthodoxen Kreisen hat man schon seit langem erkannt, dass wĂ€hrend einer Arbeitslosigkeit eine Erhöhung der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes höchst erstrebenswert wĂ€re. HierfĂŒr sind verschiedene Mittel vorgeschlagen worden; eines der interessantesten bildet das sogenannte ‚Schwundgeld’. Dieser Vorschlag ist nicht nur wegen seiner theoretischen Konsequenzen, sondern auch wegen des Umstandes bemerkenswert, dass er in der Praxis versucht wurde, und zwar in kleinem Umfange in der österreichischen Ortschaft Wörgl und in grĂ¶ĂŸerem Umfange in der kanadischen Provinz Alberta. Der Grundgedanke des Plans ist, dass das Geld entsprechend der Dauer seines Besitzes an Wert verlieren soll. Dies wird nun in der Weise herbeigefĂŒhrt, dass man die Inhaber des Geldes in regelmĂ€ĂŸigen ZwischenrĂ€umen eine Marke auf die RĂŒckseite der Noten kleben lĂ€sst. 
 Obwohl diese SchwundgeldplĂ€ne einen fatalen Fehler aufweisen, sind sie nun nicht ganz so verrĂŒckt, wie sie klingen mögen. Einer der HauptgrĂŒnde der Arbeitslosigkeit liegt in dem Vorteil, den in Zeiten eines Preisfalls und damit eines steigenden Geldwerts die Geldhortung einbringt, und in dem Verlust, der mit dem Besitz von am Werte verlierenden GĂŒtern verbunden ist. Kann man aber die Geldhortung unrentabel machen, wird die deflationistische Wirkung einer erwarteten Preissenkung weit schwĂ€cher sein. 
 Eine Schwierigkeit bei den SchwundgeldplĂ€nen entsteht nun aber daraus, dass sie den Geldsubstituten nicht genĂŒgend Rechnung tragen. 
 Selbst wenn ein vollkommen autonomer Staat die Verwirklichung eines solchen Planes versuchte und sich mit der EinfĂŒhrung eines Schwundgeldes begnĂŒgte, das Giralgeld jedoch unangetastet ließe, wĂŒrden die Wirtschaftssubjekte einfach zur Verwendung von Giralgeld ĂŒbergehen. Besteuerte man nun aber auch die Giralguthaben, so könnten andere ersatzmittel gefunden werden.“

Friedenswirtschaft (amerikanische Erstausgabe unter dem Titel „The Economics of Peace“ 1945), Bern o.J. (ca. 1948), S. 166 – 167 und 197 – 199.                            > zur Übersicht


||| Prof. Dr. Lawrence Klein

„Was Gesell zu sagen hatte, war durchaus gut und enthĂ€lt viel Wahres, aber er ging nicht weit genug. Er hĂ€tte die Wirkung des Freigeldes auf Konsum, Sparen, Investition und Einkommen analysieren sollen. 
 Wissenschaftliche Ökonomen neigen dazu, die ‘Verschrobenen’, insbesondere die Geldreformer, zu ignorieren. Johannsen, Foster und Catchings, Hobson und Gesell -  sie alle trugen VorzĂŒgliches bei in unserer Zeit, aber sie konnten kein Gehör finden. Hoffentlich werden die Wirtschaftswissenschaftler in Zukunft jenen ein wohlwollendes Ohr schenken, die ein großes Maß an wirtschaftlichem EinfĂŒhlungsvermögen besitzen.“

The Keynesian Revolution, London 1949, S. 149 - 152.       > zur Übersicht


||| Prof. Dr. Alvin Hansen

„Keynes’ Ansichten Ă€hneln sehr stark denen der utopischen St.-Simonisten des frĂŒhen 19. Jahrhunderts, die großen Nachdruck auf die Entlohnung der Unternehmungslust legten, hingegen die EntschĂ€digung fĂŒr akkumuliertes Vermögen möglichst klein halten wollten. 
 Keynes nimmt sich im Kapitel 16 die Freiheit, ĂŒber eine Wirtschaft zu spekulieren, in der die GrenzleistungsfĂ€higkeit des Kapitals und wahrscheinlich auch der Zinssatz irgendwie (die Methode ist nicht klar umrissen) auf Null herunter getrieben werden. 
 Die Erörterungen ĂŒber den ‚leichten Tod des Rentiers’ stellen eine Abschweifung dar, bei der Keynes in nicht ganz ernst zu nehmender Weise seinen Gedanken freien Lauf ließ.“

Keynes’ ökonomische Lehren, New York 1953; dt. Übers. Villingen 1959, S. 156.    > zur Übersicht


||| Prof. Dr. Carl Föhl      

„Mangel an Vertrauen in die Sicherheit der langfristigen Anlage ist der offensichtliche Grund, warum der Konsolidierungswille zeitweise verschwindet. 
 Es ist unseres Erachtens folgerichtig gedacht, wenn die Schwundgeldtheorie eine Überwindung dieser Hemmung durch eine Geldart erhofft, die gewissermaßen mit einem negativen Zinsfuß behaftet ist.
   Auch in der Allgemeinen Theorie von Keynes hat die Lehre Gesells die verdiente Anerkennung gefunden. Wir stimmen mit Keynes in dem wesentlichen Punkte ĂŒberein, dass Gesell auf der rechten FĂ€hrte war, wenn er im Horten von Zahlungsmitteln eine wesentliche Störungsquelle der wirtschaftlichen Automatik suchte. Das von Gesell zur Belebung vorgeschlagene Freigeld (Schwundgeld) erscheint uns zwar als eine folgerichtig durchdachte Lösung, aber dennoch nicht als ein Allheilmittel, weil die Verwirklichung eines stark negativen Zinsfußes eine zu kapitalintensive Kombination von Kapital und Arbeit als wĂŒnschenswert erscheinen lassen, also zur Fehlleitung von Kapital fĂŒhren wĂŒrde. Die von Keynes gegen diese Lösung erhobenen Bedenken, dass dann an Stelle der Zahlungsmittel andere GegenstĂ€nde gehortet wĂŒrden und dass daraus die gleichen nachteiligen Folgen fĂŒr den BeschĂ€ftigungsgrad entstĂŒnden, lassen sich dagegen nach unserer Auffassung leicht widerlegen.
Bei einem mit derartigem Gelde arbeitenden System könnte man durch die kontinuierliche Entwertung der Noten und der Buchforderungen die Spanne zwischen den kurz- und langfristigen ZinssĂ€tzen beliebig vergrĂ¶ĂŸern. 
 Voraussetzung ist dabei, dass die GĂŒterpreise konstant bleiben und nicht etwa im VerhĂ€ltnis der Geldentwertung mit absinken. Dazu ist aber die laufende Ausgabe einer zusĂ€tzlichen Geldmenge erforderlich, und zwar in einer Form, welche auch tatsĂ€chlich die gewĂŒnschte Einwirkung auf die GĂŒterpreise hat. Daraus geht aber wiederum hervor, dass die von den Schwundgeldtheoretikern erzielte Wirkung auch ohne das umstĂ€ndliche und praktisch schwer zu verwirklichende Hilfsmittel des Schwundgeldes durch eine tatsĂ€chlich gesteuerte Inflation mit gewöhnlichen Zahlungsmitteln erzielt werden könnte.“

Geldschöpfung und Wirtschaftskreislauf (1936), Berlin 2. Auflage 1955, S. 337 – 338.
                                                                                                                       >
zur Übersicht


||| Prof.  Dr. John Kenneth Galbraith

„The social and political role of economic belief was at least equally great in the case of Say’s law of markets. We now marvel at the hold exerted by this proposition on economic thought before Keynes. And the practical and political consequences (again conservative) were equally profound. If there could be no deficiency or excess in aggregate demand (if any other solution meant that a man was unlearned in the fundamentals of economics – to be consigned, as Keynes suggested, to ‘live furtively below the surface in the underworlds of Karl Marx, Silvio Gesell or Major Douglas’) – there could be no case for increasing or decreasing public outlays or revenues to affect the level of output or employment. The alternative possibilities allowed only for a self-correcting theory of the business cycle or one that permitted (or encouraged) the adjustment, i.e., reduction of wage levels or the correction of other special equilibrium error. 


   One further aspect of this history is important. Popular perception of the shortcoming ran well ahead of the theoretical economic accommodation. While economic theory had no appreciable reaction to the rise of the great industrial firm prior to the 1930s, the case of single-firm monopoly apart, the ubiquity and omnipotence of ‘big business’ had been a source of popular discussion and concern for forty years. It was the basic fare of the muckrakers and the political base of the populists. Journalists and politicians and the public at large had sensed, what the theory denied or ignored; namely, that where the participants in an industry were large and few they wielded great power not explained by the occasional case of single-firm monopoly. Similarly, long before Keynes made it reputable for economists, the lesser breeds without the discipline – politicians, journalists, liberal business men as well as Gesell, Major Douglas, Foster and Catchings and the other members of the pre-Keynesian underground – had argued, that in depression affirmative action should be taken by the state to increase aggregate demand. A not wholly irrelevant consequence of the rigid and enduring commitment to Say’s law was, that the economics profession, through the early years of the Great Depression – indeed until rescued by Keynes – had a reputation for doctrinaire negativism. And those who continued to find truth only in the established belief, were doomed to live out their lives in a state of obsolescence that was all too cruelly manifest and which, one trusts, will be a sobering lesson for the future.”

Economics as a System of Belief, in: American Economic ReviewVol. 60 (1970), p. 469 – 470.
                                                                                                               >
zur Übersicht


||| Prof. Dr. Gottfried Bombach

„... Außenseiter Silvio Gesell mit seiner skurrilen Schwundgeldidee ...“

Keynesianische Ökonomie und die Ökonomie vor Keynes,
in: Wirtschaftsdienst Nr. 7 / 1976, S. 331.        >
zur Übersicht


||| Prof. Dr. George Garvy

„Man wundert sich, warum Keynes fĂŒnf Seiten dem Leben und den Theorien eines typischen monetĂ€ren Kauzes widmete, dessen Name in der Zwischenzeit in Vergessenheit geraten ist, wĂ€hrend er zahlreiche Ökonomen mit ‚ketzerischen Ansichten’ gerade auf dem Gebiet, in welchem er einen neuen Pfad zu schlagen glaubte, ĂŒbersah.“

Keynesianer vor Keynes, in: H.-J. Ramser, M. Timmermann und W. Wittmann (Hrsg.),
Der Keynesianismus Band 2, Berlin-Heidelberg-New York 1976, S. 22.         >
zur Übersicht


||| Prof. Dr. Friedrich August von Hayek

„Wenn wir nach dem Besitz von Geld streben, so deshalb, weil es uns die meisten Möglichkeiten bietet, die Frucht unserer Arbeit zu genießen. 
 Viele haben sich dazu verleiten lassen, das Geld als Symbol von BeschrĂ€nkungen zu hassen. 
 Dem wahren Sachverhalt entsprĂ€che es jedoch weit mehr, wenn man das Geld als eines der großartigsten Werkzeuge der Freiheit, die der Mensch je erfunden hat, bezeichnen wĂŒrde. Das Geld eröffnet in unserer heutigen Gesellschaft den Armen eine erstaunliche FĂŒlle von Möglichkeiten, die grĂ¶ĂŸer ist als die, ĂŒber welche vor wenigen Generationen die Reichen verfĂŒgten.“

Der Weg zur Knechtschaft (1944), MĂŒnchen 1976, S. 99.

„Die Forderung nach Freiheit bei der Geldschaffung wird zunĂ€chst vielen mit gutem Grund suspekt erscheinen, da eine ganze Reihe von vermeintlichen Weltverbesserern mit stark inflationistischem Einschlag solche Forderungen in der Vergangenheit immer wieder erhoben hat. 
 Sie hatten offenbar nicht erkannt, dass uns die Regierung in stĂ€rkerem Maße als irgendeine private Unternehmung mit dem Schwundgeld versorgt hatte, das von Silvio Gesell empfohlen worden war.“

Entnationalisierung des Geldes, TĂŒbingen 1977, S. XI.        > zur Übersicht


||| Prof. Dr. Joachim Starbatty

„Die Wirtschaftswissenschaft hat Silvio Gesell tiefe Einblicke in das Wesen des Geldes und des Zinses zu verdanken. Jedoch ist Silvio Gesell von der nationalökonomischen Zunft immer als Sonderling betrachtet worden. Er war ja auch kein Professor – und das ist schon verdĂ€chtig. 

Weiter glaube ich, dass bei Silvio Gesell die theoretische Analyse durch Normen beeinflusst worden ist, dass er ein bestimmtes Vorurteil hat, ein Vorurteil, das ich persönlich sehr sympathisch finde und das ĂŒberdies auch ein ‚klassisches’ Vorurteil ist: das Vorurteil gegen eine Wirtschaft, die auf Gelderwerb gerichtet ist. 

Der Unterschied zwischen Aristoteles, Thomas von Aquin und Gesell scheint mir darin zu liegen, dass Silvio Gesell den Zins nicht gĂ€nzlich abschaffen will, sondern offensichtlich nur den Urzins, der aus der unterschiedlichen Fristigkeit von Waren- und Geldkapital herrĂŒhre. Denn es ist eindeutig, dass Zinseinnahmen keine leistungslosen Einnahmen sind, sondern dass die Hergabe von Kapital Fortschritte im Wirtschaftsprozess ermöglicht. 
 Das Verzichten auf GegenwartsgĂŒter ermöglicht einem anderen das Einschlagen von Produktionsumwegen und daraus kann dieser dann den Zins zahlen. 
 Ein kurzer Hinweis auf die AktualitĂ€t des Schwundgeldgedankens. Inzwischen haben wir eine zinslose Wirtschaft, inzwischen haben wir auch ‚Schwundgeld’. 

Insgesamt ist die Gesellsche Parabel ĂŒber das utopische Barataria ein meisterhaftes LehrstĂŒck zur EinfĂŒhrung in eines der schwierigsten Kapitel der Nationalökonomie: der Geld- und Zinstheorie. 
 Weiter ist bei Silvio Gesell vorbildhaft, dass er in der Schaffung einer funktionsfĂ€higen Geldordnung den ‚nervus rerum’ einer funktionsfĂ€higen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung gesehen hat.“

Eine kritische WĂŒrdigung der Geldordnung in Silvio Gesells utopischem Barataria (Billigland), in: Fragen der Freiheit Nr. 129 / 1977, S. 6, 24 27, 29 und 30-31.               > zur Übersicht


||| Prof. Dr. Michel Herland

„Die Wiederentdeckung einer vernachlĂ€ssigten keynesianischen Therapie dĂŒrfte ein gewisses Interesse erwecken in einer Periode, in der die Weltwirtschaft sich scheinbar dauerhaft in einer großen Rezession befindet. 

Gesells ‚NatĂŒrliche Wirtschaftsordnung’ beginnt mit einem Lob fĂŒr Proudhon. Die geistige Verwandtschaft beider Autoren ist also offenbar. Aber Gesell kritisiert ihn auch stellenweise. 
 Gesells Zinstheorie verdient es, zur Kenntnis genommen zu werden, denn sie kĂŒndigt mit sehr viel Genauigkeit schon die Zinstheorien von Wicksell und Keynes an. 

Die hier vorgestellten Reformprojekte lassen noch viele technische Probleme ungelöst, insbesondere die des Übergangs von der aktuellen Situation zu dem Moment, in dem die gewĂ€hlte Reform sich durch einen neuen ausgeglichenen Zustand der Wirtschaft auswirken wĂŒrde. Andere UnwĂ€gbarkeiten bleiben. 
 Wie dem auch sei, die projektierte Änderung des Geldes wĂŒrde auch zu qualitativen VerĂ€nderungen in der Gesellschaft fĂŒhren. Sie impliziert eine neue politische Option. Diese ist nicht ganz unwahrscheinlich, wenn man bedenkt, dass sie sich in die Perspektive einer sozialistischen, humanistischen und selbstverwalterischen Strömung einfĂŒgen könnte, die von Proudhon ausging und die sich zu verstĂ€rken scheint.“

Perpetuum mobile et credit gratuit – deux propositions oubliĂ©es pour amĂ©liorer l’fonctionnement d’une Ă©conomie monetaire, in: Revue Ă©conomique Novembre 1977, S. 938 – 971; dt. Übersetzung in der Zeitschrift fĂŒr Sozialökonomie Nr. 69/1986, S. 23; Nr. 70/1986, S. 37; Nr. 71/1986, S. 24.
>
zur Übersicht


||| Prof. Dr. Oswald Hahn

„Silvio Gesell hat es verstanden, klar und verstĂ€ndlich zu schreiben – eine Gabe, die sowohl den reinen Theoretikern und Reformern wie auch manchen Praktikern unserer heutigen Zeit weitgehend abgeht. Die ‚NatĂŒrliche Wirtschaftsordnung’ ist auch heute noch lesenswert. 
 Silvio Gesell konnte eine ‚Schule’ begrĂŒnden. Derartiges ist nur wenigen Wissenschaftlern vergönnt gewesen. 
 Es ist nicht auszuschließen, dass ĂŒber eine us-amerikanische verfasserbedingte Innovation die Theorie des Schwundgeldes dort eine Auferstehung erfĂ€hrt und von dort aus begeisterte Aufnahme in Europa findet.“

In memoriam Silvio Gesell, in: Zeitschrift fĂŒr das gesamte Kreditwesen Nr. 6/1980, S. 211–212.
>
zur Übersicht


||| Prof. Dr. Dieter Suhr

„Das Geld spielt unter den Waren und Diensten eine gleiche Rolle wie der Joker im Kartenspiel, in dem der Joker jede andere Karte vertritt. 
 Das Geld, das auf dem Kapitalmarkt verliehen wird, ist mit dem Ablauf von Zeit mehr wert als das Geld, das auf anderen MĂ€rkten ausgegeben wird. Die Differenz zwischen dem Nennwert dieses ausgegebenen Geldes und dem auf dem Geldmarkt verliehenen Geld ist der Mehrwert von Geld. Geld ist mehr wert als Geld. Geld hat einen nach MĂ€rkten gespaltenen Wert. Zum einen hat es seinen Kaufkraft-Nennwert. Zum anderen hat es seinen LiquiditĂ€tspreis pro Zeit. 
 So öffnet sich zwischen den beiden Werten des Geldes mit dem Ablauf von Zeit eine monetĂ€re Schere. Als Joker unter den Tauschobjekten wirkt das Geld privilegierend im Wirtschaftsverkehr, und der Zins, soweit er LiquiditĂ€tsprĂ€mie ist, sprudelt als PfrĂŒnde aus diesem Privilegium. Daher kann nicht die Rede davon sein, das Geld wirke im Tauschverkehr neutral. 
 Weil die LiquiditĂ€tsprĂ€mie dafĂŒr sorgt, dass verliehene Kaufkraft der ausgegebenen Kaufkraft davonwĂ€chst, bringt sie die transtemporalen PreisgefĂŒge aus dem Gleichgewicht. 

   Gesell ist ein gescheiter Außenseiter .., der sich in sehr origineller Weise mit dem Geld und mit dem Zins, mit dem Recht auf den vollen Arbeitsertrag und mit TherapievorschlĂ€gen beschĂ€ftigt hat. ... Was er im Hinblick auf seine Probleme konzipiert hat und was fĂŒr die damaligen Krisenkonstellationen funktionsgerecht war, das ist auch fĂŒr die grundsĂ€tzliche Verbesserung des monetĂ€ren Geschehens im Allgemeinen bedenkenswert.“

Geld ohne Mehrwert -  Befreiung der Marktwirtschaft von monetĂ€ren
Transaktionskosten, Frankfurt/M. 1983, S. 8 – 9, 17 und 51.          >
zur Übersicht


||| Prof. Dr. Hans Christoph Binswanger

„Gesell ist der BegrĂŒnder der ‚Freiwirtschaftslehre’, ein ökonomischer Outsider, der jedoch von Keynes in gewissem Sinne als VorlĂ€ufer anerkannt wurde. Er wird daher auch heute vor allem als Keynesianer, ja geradezu als eine Art Hyper-Keynesianer interpretiert, d.h. als Vertreter einer Schule, die im Interesse einer Krisenvermeidung einen möglichst tiefen (nominalen) Zins propagiert. Gesell hatte aber auch erkannt, dass mit der Reduktion der ZinssĂ€tze ein Krisenproblem allein nicht lösbar ist. Er schlĂ€gt deswegen als notwendiges Korrelat zur EinfĂŒhrung des ‚Freigeldes’ die EinfĂŒhrung des ‚Freilands’ vor. ... Es zeigt sich, dass man nie die reale Seite der Wirtschaft  - d.h. die Beanspruchung des Bodens bzw. der Ressourcen  - aus den Augen verlieren darf, selbst wenn man den monetĂ€ren Faktoren die primĂ€re Bedeutung beimisst. Das hat Gesell deutlicher erkannt als Keynes.“

Arbeit ohne Umweltzerstörung -  Strategien einer neuen
Wirtschaftspolitik, Frankfurt/M. 1983, S. 246 – 248.             >
zur Übersicht


||| Prof. Dr. Victoria Chick

„Rent-free land and interest-free money characterize the ‘Natural Economic Order’. Land would be nationalized, its owners compensated by the issue of state bonds. Through the device of stamped money, which would remain current only if a stamp, obtained at a cost set by government, was regularly affixed, the rate of interest of these bonds and other lending instruments would eventually be driven to zero. With no income diverted to rent or interest the worker would receive the full value of his output. Mothers were to receive income from annuities based on the nationalized land, since their ‘output’, the population, was the source of demand for land and hence rent.
   Gesell attributed depressions to inadequate investment and the latter to the fall in the expected rate of return as investment continued, coupled with a money rate of interest which was prevented from falling by the alternative opportunity of hoarding. This analysis substantially anticipates Keynes, as Keynes amply acknowledges (1936, pp 353-8). Gesell suggested adjusting the stamp duty on money to force down the rate of interest.
   The stamped money principle was three times applied on a local scale in the 1930s: in Bavaria, in the Austrian Tirol and in Alberta, Canada. In each case the scheme successfully raised demand and employment, but the money was soon banned by the authorities.
   Though theoretical inadequacies and practical difficulties are claimed against Gesell’s theory, its aim is probably more responsible for its eclipse. But it lives on furtively, below the surface, in the underworlds of Keynes’ ‘General Theory’ and Fisher’s ‘Booms and Depressions’.”

Article ‘Silvio Gesell’, in: John Eatwell (Ed.), The New Palgrave – A Dictionary of Economics, London 1987, p. 520.                                                                                > zur Übersicht


||| Prof. Dr. Ernst Ulrich von WeizsÀcker

„Geld soll nach Gesell umlaufen und nicht spekulativ angehĂ€uft werden. Um dieses Ziel zu erreichen, muss man fĂŒr Geld eine ‚NutzungsgebĂŒhr’ bezahlen. In einem berĂŒhmten Experiment im österreichischen Wörgl wurde Gesells Idee 1932 einmal praktiziert. Dies fĂŒhrte zu einem bedeutenden lokalen Wirtschaftsaufschwung. Als aber 170 weitere Gemeinden das Modell von Wörgl nachmachen wollten, sah die Österreichische Nationalbank ihr Monopol gefĂ€hrdet und sorgte dafĂŒr, dass das lokale Geld verboten wurde.
   Realistisch ist indessen die Hoffnung auf eine Neubelebung von Gesells Ideen nicht. Sie kĂ€me einer Revolution des gesamten Finanzwesens gleich. Und der Unterschied zu heute wĂ€re dennoch nicht allzu groß. Wer heute sein Kapital ruhen lĂ€sst, wird dafĂŒr (anders als zu Gesells Zeiten) auch ohne ‚Freigeld’ bestraft. Die heutigen Zinsen abzĂŒglich der fĂ€lligen Ertragsbesteuerung sind niedriger als die Inflation. Außerdem weiß ich gar nicht, ob ich als UmweltschĂŒtzer in einer Welt von fĂŒnfeinhalb Milliarden Menschen fĂŒr ‚Freigeld’ sein soll. Schließlich ist dessen Zweck immer noch die Ankurbelung der Wirtschaft.“

FĂŒr die Armen gilt: Geld oder Leben, in: Natur Nr. 7 / 1993, S. 52.            > zur Übersicht


||| Prof. Dr. William Darity jr.

„Man kann sagen, dass John M. Keynes sich in wesentlichen Teilen seines Werkes „Allgemeine Theorie der BeschĂ€ftigung, des Zinses und des Geldes“ stark an Gesell anlehnte. 
 Keynes’ Auffassungen ĂŒber das Geldwesen liegen so stark auf der Linie Gesells, dass die Ähnlichkeit mehr als unheimlich ist. 
 Keynes’ gut entwickelte Theorie der Vorliebe fĂŒr LiquiditĂ€t identifiziert die unbedeutenden Durchhaltekosten des Geldes als grundlegendes Übel, da auf diese Weise ein ĂŒbermĂ€ĂŸiger Anreiz geschaffen wird, Geld in der Kasse zu halten statt es in Realkapital zu investieren. Entsprechend sah er in Gesells Vorschlag von ‚gestempeltem’ Geld eine geniale Idee – damit könnten im Prinzip kĂŒnstliche Durchhaltekosten des Geldes erzeugt werden. 
 Sowohl Keynes als auch Gesell befĂŒrworteten ein System von einem gegen Null tendierenden Geldzinsfuß. 
 Indem er seine eigenen Interessen verfolgte, musste Keynes fast zwangslĂ€ufig Gesell entdecken, eine weitere Stimme, die fĂŒr einen ‚Mittelweg’ zwischen Bolschewismus und Manchestertum eintrat. Daher finden wir in Keynes’ ‚Allgemeiner Theorie’ Abschnitte, die in hohem Maße beeinflusst sind von Gesells ‚anti-marxistischem Sozialismus’, den Keynes positiver als ‚liberalen Sozialismus’ bezeichnete.“

Keynes’ Political Philosophy – The Gesell Connection, in: Eastern Economic Journal No. 1/1995,
S. 27 – 41; dt. Übersetzung in der Zeitschrift fĂŒr Sozialökonomie Nr. 116/1998, S. 3, 5 und 11 – 12.
>
zur Übersicht


||| Prof. Dr. Joseph Huber

„Man kann Gesell heute mit Interesse nachlesen, aber es bleibt dies doch eine Retrospektive, die sich mit den ZukĂŒnften von gestern befasst. Heute sind Gesells Fragestellungen nicht mehr aktuell und sie geben keine nĂŒtzliche Perspektive fĂŒr die weitere Zukunft. Aber das teilweise wieder erwachte Interesse an seinen Arbeiten rĂŒhrt nicht zuletzt daher, dass sich in der heutigen Transformationskrise der industrietraditionalen Gesellschaft erweist, dass bestimmte soziale und ökologische Fragen bezĂŒglich Zins, Wachstum, Einkommens- und Vermögensverteilung nach wie vor keine befriedigenden Antworten gefunden haben. Die berufene Ökonomie neigt zu der marktmodellbezogenen Vermeintlichkeit, sie habe eigentlich alle wesentlichen Fragen lĂ€ngst beantwortet. Das kritische Publikum mag daran zu recht nicht ganz glauben, und so suchen manche derweil Rat aus noch schlechterer Quelle.“

Vollgeld -  BeschĂ€ftigung, Grundsicherung und weniger Staatsquote durch eine
modernisierte Geldordnung, Berlin 1998, S. 382–383.            >
zur Übersicht


||| Prof. Dr. Hans Georg Nutzinger

„Geld und Kredit sind in den Modellen der Ökonomen eigentlich nicht sehr gut integriert. ... Dass Geld tatsĂ€chlich eine eigene, von den realen VorgĂ€ngen weitgehend abgelöste Dynamik entfalten kann, das finden wir nur in irgendwelchen spezialisierten Diskussionen. ... Derartige Spezialdiskussionen sind aber im Rahmen des ‚Mainstream’ nur ganz marginale Felder. Die Ökonomen ĂŒberlassen das Feld weitgehend Außenseitern wie Silvio Gesell. Diese Außenseiterdiskussionen sind nicht ausreichend mit der allgemeinen Theorie verknĂŒpft und daher ebenfalls in vieler Hinsicht auch nicht gut durchdacht. Aber die AnhĂ€nger von Gesell haben einen wichtigen Umstand im Prinzip richtig erkannt, dass nĂ€mlich der Besitz von Land und Geld dem Inhaber solcher ‚assets’ eine gewisse privilegierte Position gibt, die ja auch Keynes als wesentlichen Bestandteil seiner eigenen allgemeinen Theorie der BeschĂ€ftigung, des Zinses und des Geldes gesehen hat. ... Dieses Geldmonopol ist noch nicht richtig theoretisch analysiert, aber der damit angesprochene Zusammenhang lĂ€sst sich nicht bestreiten.“

Marktwirtschaft, Nachhaltigkeit und Wirtschaftswachstum,
in: JĂŒrgen Blazejcak (Hrsg.), Zukunftsgestaltung ohne Wirtschaftswachstum? -
DIW-Diskussionspapiere Nr. 168 / 1998, S. 102 – 103.         >
zur Übersicht


||| Prof. Dr. Bernard A. Lietaer

„Die ausgeklĂŒgelteren KomplementĂ€rwĂ€hrungen der 1930er Jahre besaßen einen Zirkulationsanreiz, der von dem erfolgreichen deutsch-argentinischen Kaufmann und Finanztheoretiker Silvio Gesell empfohlen wurde. Gesells Idee des ‚rostenden Geldes’, der ‚Freigeldes’ basiert auf der Idee, die Menschen durch eine ‚Anti-Hortungs-GebĂŒhr’ zur Zirkulation des Geldes anzuregen. 
 Gesells Freiwirtschaftslehre wurde sowohl von den rechten als auch von den linken Parteien abgelehnt. Gelegentlich wurde er missverstanden, den meisten aber waren seine Ideen in der Auseinandersetzung zwischen Marxismus und Kapitalismus zu sehr ‚an der Mitte’ orientiert. TatsĂ€chlich gilt seine Arbeit als ‚grĂ¶ĂŸte Versöhnung von Individualismus und Kollektivismus’ (Maurice Allais).“

Das Geld der Zukunft – Über die destruktive Wirkung des existierenden Geldsystems
und die Entwicklung von KomplementĂ€rwĂ€hrungen. MĂŒnchen 1999, S. 262 – 265.   >
zur Übersicht


||| Prof. Dr. Willem Buiter und Prof. Dr. Nikolaos Panigirtzoglou

„Wir greifen den Vorschlag von Gesell auf, die Geldhaltung mit einem negativen Zins zu versehen. Die administrativen Kosten, die mit einer solchen periodischen WĂ€hrungsreform verbunden wĂ€ren, sind nicht unerheblich. 
 Diese Kosten muss man jedoch gegen das Risiko einer LiquiditĂ€tsfalle setzen, wenn man eine niedrige Inflationsrate ohne Geldbesteuerung anstrebt, oder mit den Kosten einer höheren Inflationsrate vergleichen. Wenn es also wirklich LĂ€nder gibt, die von einer LiquiditĂ€tsfalle bedroht sind oder schon in einer solchen gefangen sein sollten, dann haben die Politiker nun eine weitere Option zur Hand, die es lohnt, bedacht zu werden: Gesell-Geld.“

Liquidity traps: How to Avoid Them and How to Escape Them.
Cambridge Mass. National Bureau of Economic Research
NBER-Working Paper No. 7245 / 1999.       
http://www.nber.org/~wbuiter/liqnew.pdf
http://blogs.ft.com/maverecon/2009/05/negative-interest-rates-when-are-they-coming-to-a-central- bank-near-you/                                                                                                 > zur Übersicht


||| Prof. Dr. Axel Leijonhufvud

„The analogical case suggested above, is one of stamped money. All government-issued money is dated. At the date of issue, a one-dollar bill will legally discharge a debt of one dollar. One year later, we suppose, it will only discharge a debt of 85 cents. The legal tender law is redrawn to make legal tender depreciate in its purchasing power at 15 per cent per year. Banking laws can be rewritten so that checking deposits are compelled to behave similarly. Money issue might be handled as follows. We may imagine, that the initial money issue was distributed all over the days of a year. Subsequently, every day the monetary authorities retire the money issued one year earlier and reissue money to the same face value amount, 85 cents of each reissued dollar goes to the citizens who are returning old dollars to the central bank. Fifteen cents to the dollar is the seniorage that is available for resource absorption by the government. If operated in this manner, this Gesell money scheme* will keep the nominal stock of money constant und thus stabilize the price level. 

   Recall once more that our Gesell money exercise is a perfect real-terms analogue for the anticipated inflation case. It is obvious, that the Gesell world can be restored to ‘non-inflationary conditions’ very easily. First, you simply abolish the 15 per cent tax on its money – a matter of a stroke of the pen. Second, recognizing that Gesell denizens will demand larger real balances, when money is not taxed, you increase the stock of nominal money sufficiently to avoid creating deflationary pressure on the economy. That is all. Naturally, one does not expect any unemployment to develop as a consequence of these measures.

*  Silvio Gesell’s stamped money scheme is today remembered chiefly because of Keynes’ fascination with it at the time that he completed the ‘General Theory’. My main argument in the text is, of course, that Gesell money would not eliminate the business cycle or, more to the point, prevent the occurance of recessions of a Keynesian type. Keynes’ delight with the Gesell scheme was not well founded, therefore, but due rather to his characteristic failure to distinguish between nominal and real interest rates.”

Chapter “Gesell Money”, in: Macroeconomic Instability and Coordination – Selected Essays, Cheltenham/UK and Northampton/USA 2000, p. 141, 144 and 149.                         >
zur Übersicht


||| Prof. Dr. Bernd Senf

„Gesell hat mit seiner fundamentalen Zinskritik ein Tabu angerĂŒhrt, das bis dahin ĂŒber Jahrhunderte hinweg nicht nur von den verschiedenen Richtungen der Wirtschaftswissenschaften gehĂŒtet worden war, sondern auch in zunehmendem Maße von den christlichen Kirchen. 

   Dass das Geld mehrere Funktionen erfĂŒllt, nĂ€mlich Tauschmittel, Wertaufbewahrungsmittel und Spekulationsmittel zu sein, ist auch von anderen Ökonomen vor ihm gesehen worden. Aber keiner hat so klar wie Gesell erkannt, dass sich diese unterschiedlichen Funktionen in einem unversöhnlichen Widerspruch oder Gegensatz zueinander befinden, dass das bisherige Geld sozusagen in seinem Wesenskern gespalten ist. Und diese Spaltung des Geldes treibt den Zins hervor, der seinerseits eine FĂŒlle von Krisen und die Spaltung der Gesellschaft bewirkt. 
 Der Zins setzt die Wirtschaft unter einen permanenten Wachstumszwang. 

   Wenn die tiefere Ursache der Geldblockierung und des dadurch hervorgerufenen Zinses in der Gespaltenheit des bisherigen Geldes  - in der ‚monetĂ€ren Kernspaltung’ liegt - , dann gilt es diese innere Spaltung des Geldes zu ĂŒberwinden, indem seiner Tauschmitteleigenschaft durch eine entsprechende Rechtsordnung absoluter Vorrang eingerĂ€umt und damit dem fließenden Geld der Weg geebnet wird, wĂ€hrend die Abzweigung des Geldes zu anderen Zwecken unterbunden wird. 

   Das erfolgreiche Modell von Wörgl hĂ€tte Schule machen können. Es kam jedoch nicht dazu, weil die österreichische Nationalbank ihr Monopol in Sachen Geldversorgung gefĂ€hrdet sah und die juristische Notbremse zog. 
 Kurze Zeit spĂ€ter gingen derartige Ideen und Alternativen ohnehin in der Barbarei des Faschismus unter und gerieten ĂŒber lange Zeit in Vergessenheit. 
 Man kann nur hoffen, dass die Menschheit nicht erst noch weitere durch das Zinssystem verursachte Katastrophen erleiden muss, sondern schon vorher klĂŒger wird und die entsprechenden notwendigen VerĂ€nderungen einleitet.“

Die blinden Flecken der Ökonomie – Wirtschaftstheorien in der Krise,
MĂŒnchen 2001, S. 152, 161, 169, 183 und 193 - 5. Aufl. Kiel 2009.        >
zur Übersicht


||| Prof. Dr. Dirk Löhr

„Vieles von dem, was Gesell vorschlug, kommt uns aus heutiger Sicht vernĂŒnftig, ja fast selbstverstĂ€ndlich vor. Somit stellt sich die Frage, warum Gesells Agitation bei den Politikern und Wissenschaftlern seiner Zeit keinen Erfolg hatte. 
 Weder die im Vordringen befindliche neoklassische noch die marxistische Theorie konnte zur damaligen Zeit mit der von Gesell aufgeworfenen Fragestellung etwas anfangen. 
 WĂ€hrend in der Klassik verteilungspolitische Aspekte durchaus noch diskutiert wurden, blendete man diesen problematischsten Aspekt des Kapitalismus nunmehr einfach in weiten Teilen aus. 
 Im Laufe der Jahrzehnte sind jedoch auch viele Aspekte von Gesells Theorie in die soziale Wirklichkeit umgesetzt oder doch in die Theorie aufgenommen worden. 
 Außerhalb der Diskussion blieb der revolutionĂ€re Kern der Gesellschen Theorie, nĂ€mlich die Entmachtung des Geldes mittels der Umlaufsicherung.“

Gesells Kampf gegen die WĂ€hrungspolitik seiner Zeit,
in: Fragen der Freiheit Nr. 270 / 2005, S. 19–24.          >
zur Übersicht


||| Prof. Dr. Thomas Huth

„In Gesells sozialreformerischem Wirken sehen wir fĂŒr uns Heutige Weiter- und Tiefergehendes als das Streben nach einzelnen wĂ€hrungspolitischen Reformmaßnahmen und seien sie noch so bedeutungsvoll. Gesells Vision einer nichtkapitalistischen Marktwirtschaft erscheint uns gerade heute, in einer Zeit also, in der die unbarmherzigen GesetzmĂ€ĂŸigkeiten einer von den FinanzmĂ€rkten wesentlich dominierten kapitalistischen Marktwirtschaft die Schlagzeilen beherrschen, als eine befreiende Tat. Gesell öffnet die Augen und er weist einen realistischen Weg, um aus der unheilvollen Alternative Planwirtschaft oder Kapitalismus und den das intellektuelle sowie das sozialreformerische Denken blockierenden Dichotomien Freiheit oder Gleichheit, Effizienz oder Gerechtigkeit etc. zu entkommen. Silvio Gesells Gedanken befreien uns aus dem Zwang, den Kapitalismus zu akzeptieren, weil der Kommunismus nicht akzeptiert werden kann. Hierin sehen wir seine Bedeutung, aktuell und in der Zukunft.“

Silvio Gesell heute  - Gedanken zur 75. Wiederkehr seines Todestags,
in: Fragen der Freiheit Nr. 270 / 2005, S. 3.              >
zur Übersicht


||| Prof. Dr. Gerhard Senft

„Gesells gedankliche Vorgabe, die Wirkungsmöglichkeiten des Geldes als zentrales Steuerungsmedium in Wirtschaft und Gesellschaft fĂŒr eine aktive Konjunkturpolitik und im Sinne einer anderen Verteilung der produzierten GĂŒter zu nutzen, sowie seine AnsĂ€tze zu einer Neuordnung der Bodenressourcen knĂŒpfen denkgeschichtlich an verschiedene Traditionen an. Die Forderung nach der Beseitigung von leistungslosen, aus ökonomischen Machtpositionen resultierenden Einkommen verweist auf sozialistische Wurzeln. 
 Dem sozialliberalen Entwicklungsstrang hingegen zurechenbar erscheinen Gesells gegen vormoderne Privilegien und gegen Monopolbildungen in der Wirtschaft gerichtete Programmpunkte. 
 Eine andere Ausrichtung bekommen Gesells GedankengĂ€nge, wenn er auf die Segnungen des von monopolistischen Strukturen befreiten Marktes zu sprechen kommt. Die ‚Kampfbahn’ der Marktwirtschaft sollte nach Gesell in letzter Konsequenz so beschaffen sein, dass sich Wettbewerb und ‚Ausleseprozesse’ in Analogie zu einem angeblich in der Natur vorgefundenen Geschehen vollziehen. 
 Die ohne Zweifel problematischen Stellen in Gesells Schriften wurden vor allem von marxistischer Seite ins Treffen gefĂŒhrt, um sein Werk insgesamt zu denunzieren. 
 Silvio Gesell versuchte mit dem AnknĂŒpfen an populĂ€re Zeitströmungen seiner eigenen Lehre mehr Zugkraft zu verleihen. Dass er sich dabei mit geringer Umsicht auf einige Tretminenfelder begeben hat, liegt auf der Hand.“

Auf der Suche nach der „NatĂŒrlichen Ordnung“, in: Hans G. Nutzinger (Hg.),
Gerechtigkeit in der Wirtschaft – Quadratur des Kreises?,
Marburg 2006, S. 77–79.    >
zur Übersicht


||| Prof. Dr. Peter Ulrich

Der „Geldkomplex“ –  eine „unerledigte Kapitalfrage“ der Ökonomie

„Die globale Finanzökonomie verselbstĂ€ndigt sich immer mehr gegenĂŒber der Realwirtschaft. Neue ‚Finanzprodukte’ suchen die schnelle Wertsteigerung ohne den langsamen Umweg ĂŒber real lebensdienliche Investitionen. 
 Es ist letztlich der Druck zur Verzinsung, der das Anlage suchende Kapital alle Grenzen, leider oft auch die der Menschlichkeit und NaturvertrĂ€glichkeit, sprengen lĂ€sst – wenn die zustĂ€ndige Politik es denn zulĂ€sst. Zu allen Zeiten und in allen bekannten Kulturen, auch im Christentum, ist das Zinsnehmen als ethisch fragwĂŒrdig beargwöhnt worden. 

Wo soll das hinfĂŒhren? Die kapitale Frage der real existierenden Marktwirtschaften bleibt die unerledigte ‚Kapitalfrage’: Ist eine Marktwirtschaft ohne Kapitalismus oder zumindest ohne dessen lebenspraktisch problematische ‚SachzwĂ€nge’ machbar? Soll und kann ĂŒberhaupt der Zinsmechanismus, der den Leistungswettbewerb verzerrt, eliminiert werden? Wie lĂ€sst sich ein fĂŒr die Koordination komplex-arbeitsteiliger Wirtschaftsprozesse funktionierendes Geld ohne den problematischen ‚Jokervorteil’ der Lager- und HortungsfĂ€higkeit definieren? Helfen das freiwirtschaftliche Konzept von Schwundgeld oder zeit- und raumgebundenes, lokale WirtschaftskreislĂ€ufe nĂ€hrendes Regiogeld weiter, verbunden mit Regionalbanken und Mikrokredit-Systemen, nicht zuletzt in DrittweltlĂ€ndern? Lauter SchlĂŒsselfragen des 21. Jahrhunderts, mit denen sich jedoch die Fachwelt buchstĂ€blich nur am Rande befasst. Wo wird etwa ‚Geldpolitik’ nicht nur stabilitĂ€tspolitisch, sondern auch in systemkritischer Absicht analysiert? Wo werden die eigentums- und unternehmensrechtlichen Voraussetzungen fĂŒr die gesellschaftliche Neutralisierung der Kapitalverwertungsmechanismen untersucht? Und wo wird umfassend ĂŒber die ‚zivilisierende’ Einbettung einer leistungsfĂ€higen Marktwirtschaft in eine zeitgemĂ€ĂŸe Gesellschaftsordnung nachgedacht, mitsamt einem postkapitalistischen Eigentumsrecht, das einer voll entfalteten BĂŒrgergesellschaft dienlich wĂ€re?
Angesichts der akademischen Heimatlosigkeit all dieser epochalen Fragen in der Standardökonomik ist es an der modernen Wirtschaftsethik, sich der Herausforderung des ‚Geldkomplexes’ anzunehmen, auch wenn die real bestehenden Macht- und Interessenstrukturen fĂŒr einschlĂ€gige geistige Innovationen vorerst wenig Raum bieten. Doch das Neue entsteht meistens zuerst im ideellen Umdenken von suchenden Minderheiten.“

aus: Geleitwort von Peter Ulrich zu  Mathias Weis und Heiko Spitzeck (Hg.), Der Geldkomplex – Kritische Reflexion unseres Geldsystems und mögliche Zukunftsszenarien, Bern 2008, S. 5–6.
>
zur Übersicht


||| Prof. Dr. Gregory Mankiw

„Die Zinsrate fĂŒr die Geldbasis ist etwa Null, daher hat sich die FED anderen Mitteln zugewandt, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln, wie dem Ankauf langfristiger Schuldverschreibungen. Aber die Wirksamkeit dieser Mittel ist unsicher und sie sind mit Risiken verbunden. In vieler Hinsicht befindet sich die FED in unbekannten GewĂ€ssern. Warum sollte die FED also die Zinsraten nicht noch weiter senken? Warum nicht die Vorgabe, die Zinsrate auf, sagen wir, minus 3 Prozent anstreben? 
 Stellen sie sich vor, die FED verkĂŒndet, dass heute in einem Jahr eine Losnummer mit einer Ziffer von Null bis 9 aus einem Hut hervorholt wĂŒrde. Alle Geldscheine, deren Seriennummer mit dieser Ziffer endet, wĂ€ren dann kein gĂŒltiges Zahlungsmittel mehr. Ganz plötzlich wĂ€re damit die zu erwartende Rendite fĂŒr Geldhaltung minus 10 Prozent. Dieser Schritt wĂŒrde fĂŒr die FED den Weg frei machen, die Zinsrate unter Null zu drĂŒcken. Die Leute wĂ€ren erfreut, Geld fĂŒr minus 3% zu verleihen, denn 3 Prozent zu verlieren ist besser als 10 Prozent. 

   Die Idee, dass Geld eine negative Rendite haben könnte, ist nicht vollkommen neu. Im ausgehenden 19. Jahrhundert setzte sich der deutsche Ökonom Silvio Gesell fĂŒr eine solche Steuer auf Geldhaltung ein. Er machte sich Gedanken darĂŒber, dass die Menschen in Krisenzeiten ihr Geld lieber horten anstatt es zu verleihen. John Maynard Keynes erwĂ€hnte diese Idee ĂŒber eine Geldhaltesteuer und hielt sie fĂŒr gut. In der Situation von Banken, die ĂŒbergroße Reserven halten, erscheint Gesells Sorge ĂŒber die Haltung von Geld ganz plötzlich sehr modern.“

It May Be Time for the FED to Go Negative, in: New York Times vom 18. April 2009
http://www.nytimes.com/2009/04/19/business/economy/19view.html?_r=1         > zur Übersicht

[Home] [150. Geburtstag] [Biografisches] [Fotos | Zitate] [Gesammelte Werke] [Das Hauptwerk Translations] [NachtrĂ€ge] [Leseproben] [Ökonomen  Ăœber  Gesell] [Wahlverwandte] [Theologen Ăœber Geld-Zins-Boden] [Weitere Stimmen Zu Gesell] [WeiterfĂŒhrende Texte] [Links] [Kontakt | Impressum]

|||  © GAUKE GMBH   |||