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Wahlverwandte

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Chronologisch geordnete
Zitate aus Werken von

 
Aristoteles  Nikolaus Kopernikus   Adam Smith  Immanuel Kant
 Pierre Joseph Proudhon  Hermann Heinrich Gossen   Leon Walras
  John Stuart Mill    Henry George    Karl Marx und Friedrich Engels
 Georg Simmel   Ernst Abbe  Rudolf Steiner  Walter Benjamin
 Max Weber   Franz Oppenheimer   John Maynard Keynes
 Roy Harrod   Alexander RĂĽstow  Wilhelm Röpke   Walter Eucken
 Gunnar Myrdal Alexander Mitscherlich    Werner Hofmann 
 Hans-Christoph Binswanger   Wolfgang Zeidler    Gunnar Heinsohn
 Fernand Braudel  
Dieter Suhr    Wilhelm Hankel    Margrit Kennedy
   Maria Mies  Kenneth E. Boulding    Karl Georg Zinn   Carlo Jaeger
 Heinz D. Kurz    Gerhard Scherhorn   Franz-Xaver Kaufmann
 Elinor Ostrom
  Immanuel Wallerstein   Bernard Lietaer
 Joseph Stiglitz  Hermann Knoflacher  Christoph Deutschmann
 Peter Ulrich  Mohssen Massarrat   Stephan Schulmeister
 Jörg Huffschmid   Peter Barnes   Hazel Henderson
 Rudolf zur Lippe

die den Grundgedanken der Geld- und Bodenreform nahe kommen, mit ihnen verwandt sind oder sie bestätigen und weiterentwickeln:
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||| Aristoteles

„Neben der Hausverwaltung gibt es noch eine andere Art der Erwerbskunst, die man als die Kunst des Gelderwerbs bezeichnet; im Hinblick auf sie scheint keine Grenze scheint keine Grenze des Reichtums und des Erwerbs zu bestehen. … Die Hausverwaltung, die nicht diese Erwerbskunst ist, hat eine Grenze. … Alle, die sich mit Erwerb befassen, vermehren ihr Geld ins Unbegrenzte. … Da beide denselben Gegenstand haben, so geht die Verwendung ineinander über. Hier wie dort wird derselbe Besitz verwendet, aber nicht in derselben Weise: im einen Fall ist das Ziel ein anderes, im anderen ist es eben seine Vermehrung. … Da es aber eine doppelte Erwerbskunst gibt …, so ist erst recht der Wucher hassenswert, der aus dem Geld selbst den Erwerb zieht und nicht aus dem, wofür das Geld da ist. Denn das Geld ist um des Tausches willen erfunden worden; durch den Zins vermehrt es sich aber durch sich selbst. Daher hat es auch seinen Namen: das Geborene ist gleicher Art wie das Gebärende und durch den Zins (tokos) entsteht Geld aus Geld. Diese Art des Gelderwerbs ist also am meisten gegen die Natur. …
Soll der Grundbesitz Privateigentum bleiben, der Ertrag aber zusammengetan und zusammen verbraucht werden oder soll umgekehrt das Land gemeinsamer Besitz sein und gemeinsam bebaut und nur der Ertrag zu individuellem Verbrauch verteilt werden oder sollen endlich die Grundstücke und die Erträgnisse gemeinsam sein? … In bestimmtem Sinne müssen die Güter gemeinsam sein, im Allgemeinen dagegen privat. … Es ist also offenbar besser, dass der Besitz privat bleibt, aber durch die Benutzung gemeinsam wird. …
Der Gesetzgeber muss offenbar die Vermögen nicht nur gleich machen, sondern auch nach einer mittleren Größe zielen. … Gewiss ist es also, um Bürgerkriege zu verhindern, zuträglich, wenn das Vermögen der Bürger gleich ist. … Vor allem aber soll man die Gesetze so einrichten, dass keiner allzu mächtig werde an Einfluss, Freunden oder Geld. … Man darf fernerhin den Staat nicht dann für glücklich halten und den Gesetzgeber loben, weil er sie zu siegen lehrte, um die Nachbarn zu beherrschen.“

Politik (dt. Ăśbers. von Olof Gigon). MĂĽnchen 1978, S. 59–63,  74–75, 83, 85, 183 und 242.
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||| Nicolaus Kopernikus

„Unter den unzähligen Übeln, welche den Verfall ganzer Staaten herbeiführen, sind wohl vier als die vornehmlichsten anzusehen: innere Zwietracht, große Sterblichkeit, Unfruchtbarkeit des Bodens und die Verschlechterung der Münze. Die ersten drei liegen so klar zutage, dass sie schwerlich jemand in Abrede stellen wird. Das vierte Übel jedoch, welches von der Münze ausgeht, wird nur von wenigen beachtet. … Diejenigen Länder blühen, welche gutes Geld haben. Sie gehen unter, wenn das Geld schlecht wird. … Überdies blühen Handel und Wandel, Kunst und Gewerbe, wo das Geld gut ist. Bei schlechtem Gelde dagegen werden die Menschen schlaff und träge, sie unterlassen die Pflege des Geistes.“

Zitiert nach Hermann Kesten, Copernikus und seine Welt – Eine Biografie,
MĂĽnchen 1958, S. 223 ff.  
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||| Prof. Dr. Adam Smith

„Sobald der Grund und Boden eines Landes Privateigentum ward, verlangten die Besitzer, welche gleich allen anderen Menschen, die gern da ernten, wo sie nicht gesät haben, selbst für den natürlichen Ertrag des Bodens eine Rente. … Diese Rente bildet den ersten Abzug von dem Erzeugnisse der auf den Boden verwendeten Arbeit. … Die Bodenrente ist somit naturgemäß ein Monopolpreis. … Eine Besteuerung der Grundrente kann entweder nach einem Wertmaß erfolgen … oder sie kann so durchgeführt werden, dass die Abgabe mit jeder Änderung der tatsächlichen Grundrente variiert, d.h. sie steigt und fällt mit dem Fortschritt oder Rückschritt im Anbau des Bodens.“

Wohlstand der Nationen (1776), MĂĽnchen 1978, S. 44, 126 und 705–706.   y zur Ăśbersicht


||| Immanuel Kant

„Der Friedenszustand unter Menschen, die nebeneinander leben, ist kein Naturzustand. Er muss also gestiftet werden. …
   Hospitalität (Wirtbarkeit) bedeutet das Recht eines Fremdlings, seiner Ankunft auf dem Boden eines anderen wegen nicht feindselig behandelt zu werden. … Allen Menschen steht ein Besuchsrecht zu, sich zur Gesellschaft anzubieten vermöge des Rechts des gemeinschaftlichen Besitzes der Oberfläche der Erde, auf der als Kugelfläche sie sich nicht ins Unendliche zerstreuen können, sondern endlich sich doch nebeneinander dulden mĂĽssen, ursprĂĽnglich sich aber niemand an einem Orte der Erde zu sein mehr Recht hat als der andere. … Unbewohnbare Teile dieser Oberfläche, das Meer und die SandwĂĽsten, trennen diese Gemeinschaft, doch so, dass das Schiff oder das Kamel (das Schiff der WĂĽste) es möglich machen, ĂĽber diese herrenlosen Gegenden sich einander zu nähern und das Recht der Oberfläche, welches der Menschengattung gemeinschaftlich zukommt, zu einem möglichen Verkehr zu benutzen. … Auf diese Weise können entfernte Weltteile miteinander friedlich in Verhältnisse kommen, die zuletzt öffentlich gesetzlich werden und so das menschliche Geschlecht endlich einer weltbĂĽrgerlichen Verfassung immer näher bringen können. …
   Vergleicht man hiermit das inhospitale Betragen der gesitteten, vornehmlich Handel treibenden Staaten unseres Weltteils, so geht die Ungerechtigkeit, die sie in dem Besuche fremder Länder und Völker beweisen, bis zum Erschrecken weit. Amerika, die Negerländer, die GewĂĽrzinseln, das Kap etc. waren bei ihrer Entdeckung fĂĽr sie Länder, die keinem angehörten, denn die Einwohner rechneten sie fĂĽr nichts. In Ostindien (Hindustan) brachten sie unter dem Vorwande bloĂź beabsichtigter Handelsniederlagen fremde Kriegsvölker hinein, mit ihnen aber UnterdrĂĽckung der Eingeborenen, Aufwiegelung der verschiedenen Staaten desselben zu weit ausgebreiteten Kriegen, Hungersnot, Aufruhr, Treulosigkeit und wie die Litanei aller Ăśbel, die das menschliche Geschlecht drĂĽcken, weiter lauten mag. …
   Die Natur hat fĂĽr die Menschen in allen Erdgegenden gesorgt, daselbst leben zu können. …
   Nun ist die republikanische Verfassung die einzige, welche dem Recht der Menschen vollkommen angemessen, aber auch die schwerste zu stiften, vielmehr noch zu erhalten ist – dermaĂźen, dass viele behaupten, es mĂĽsse ein Staat von Engeln sein, weil Menschen mit ihren selbstsĂĽchtigen Neigungen einer Verfassung von so sublimer Form nicht fähig wären. Aber nun kommt die Natur dem verehrten, aber zur Praxis ohnmächtigen allgemeinen, in der Vernunft gegrĂĽndeten Willen und zwar gerade durch jene selbstsĂĽchtigen Neigungen zu Hilfe, so dass es nur auf eine gute Organisation des Staates ankommt (die allerdings im Vermögen der Menschen ist), jene ihre Kräfte so gegeneinander zu richten, dass eine die anderen in ihrer zerstörenden Wirkung aufhält oder diese aufhebt: so dass der Erfolg fĂĽr die Vernunft so ausfällt, als wenn beide gar nicht da wären und so der Mensch, wenngleich nicht ein moralisch guter Mensch, dennoch ein guter BĂĽrger zu sein gezwungen wird. Das Problem der Staatserrichtung ist selbst fĂĽr ein Volk von Teufeln (wenn sie nur Verstand haben) auflösbar und lautet so: ‚Eine Menge von vernĂĽnftigen Wesen, die insgesamt allgemeine Gesetze fĂĽr ihre Erhaltung verlangen, deren jedes aber insgeheim sich davon auszunehmen geneigt ist, so zu ordnen und ihre Verfassung einzurichten, dass, obgleich sie in ihren Privatgesinnungen einander entgegenstreben, diese einander doch so aufhalten, dass in ihrem öffentlichen Verhalten der Erfolg derselbe ist als ob sie keine solche böse Gesinnungen hätten.’ Ein solches Problem muss auflöslich sein, denn es ist nicht die moralische Besserung des Menschen, sondern nur der Mechanismus der Natur, von dem die Aufgabe zu wissen verlangt, wie man ihn an Menschen benutzen könne, um den Widerstreit ihrer unfriedlichen Gesinnungen in einem Volk so zu richten, dass sie sich unter Zwangsgesetze zu begeben einander selbst nötigen und so den Friedenszustand, in welchem Gesetze Kraft haben, herbeifĂĽhren mĂĽssen.“

Zum ewigen Frieden (1795), Stuttgart 1984/2008, S. 10, 21–22, 26–27 und 30–31. y zur Übersicht


||| Pierre Joseph Proudhon

„Wie können die Güter der Natur … Privateigentum werden? … Das Wasser, die Luft und das Licht sind gemeinsame Sachen. … Die Erde ist eine gemeinsame und somit nicht appropriationsfähige Sache. Ihr Gebrauch bedarf einer Regelung, nicht zum Vorteil einiger weniger, sondern im Interesse und zur Sicherheit aller. …
Die erste Ursache der Handels- und Industriestockungen ist also der Zins des Kapitals. …
Was heißt also: Gerechtigkeit üben? Es heißt, jedem gleichen Anteil an Gütern gewähren, unter der Bedingung gleicher Arbeit. … Der Mensch ist nur Mensch durch die Gesellschaft, die ihrerseits nur durch das Gleichgewicht und die Harmonie der Kräfte gehalten wird, aus welchen sie besteht. … Die Ungleichheit der Bedingungen kann weder durch die Priorität der Okkupation noch durch die Überlegenheit des Talentes, der Leistungen, der Fähigkeiten gerechtfertigt werden. Die Gleichheit der Bedingungen folgt mit Notwendigkeit aus dem natürlichen Recht. … Die Freundschaft ist die Tochter der Gleichheit. … Die Gleichheit der Bedingungen, das ist das Prinzip der Gesellschaften, die allgemeine Solidarität. …
Der Kommunismus ist Unterdrückung und Knechtschaft. … Der Kommunismus verletzt also die Autonomie des Gewissens und die Gleichheit. … Der Kommunismus wird tyrannisch und ungerecht dadurch, dass er die Einförmigkeit zum Gesetz erhebt und durch Nivellierung die Gleichheit herstellt. … Errichten wir nun eine Gesellschaft mit jenen vier Prinzipien: Gleichheit, Gesetz, Unabhängigkeit und Verhältnismäßigkeit. … Die freie Assoziation, die Freiheit, die sich darauf beschränkt, die Gleichheit in den Produktionsmitteln und den Gleichwert beim Tausch aufrecht zu erhalten, ist die einzig mögliche, einzig gerechte und einzig wahre Gesellschaftsform.“

Was ist das Eigentum? (1840), Graz 1971, S. 67 und 71, 154, 187, 192–193, 198, 211, 227 und 232.

  „Die Gesellschaft lebt nicht mehr wie ehedem von dem individuellen Eigentum; sie lebt von einer allgemeineren Tatsache, von der Zirkulation. Alle Krankheiten, an denen heutzutage der soziale Körper daniederliegt, beziehen sich auf eine Stockung, auf eine Störung der Tätigkeit des Umlaufs. … Was öffnet und verschlieĂźt den Erzeugnissen die TĂĽr des Marktes?  Das Geld. Wer ist der König des Tauschverkehrs, der Erzeuger des Handels, der Ausdruck der Werte? Das Geld. … Das Geld ist nur ein Vermittler …, eine Fessel fĂĽr die Freiheit des Austauschs. ... Die Verzinsung des umlaufenden Kapitals beseitigen, das also ist die erste Fessel der Freiheit, deren Zerstörung durch die Errichtung der Tauschbank ich vorschlage. … Der Tauschverkehr ist, ebenso wie die Arbeit, eine Art, Reichtum aus nichts zu schaffen. ... Den Tauschverkehr organisieren, heiĂźt die Herabsetzung des Kapitalzinses bis ins Unendliche, bis zur Vernichtung organisieren, es heiĂźt den Sieg der Arbeit ĂĽber das Kapital sichern, in welcher Form das letztere auch auftreten möge, sei es als Geldkapital oder Werkzeugkapital, als bewegliches oder unbewegliches, als materielles oder moralisches, metaphysisches Kapital. Und da die Organisation des Tauschverkehrs im ökonomischen Gebiete eine entsprechende Organisation der Verrichtungen im politischen Bereiche nach sich zieht, so folgt daraus, dass die Regierungsform ebenfalls aus der Kreditform hervorgeht, so dass, wer den Kredit, die Gegenseitigkeit, den Tauschverkehr regelt, auch die Republik organisiert.“

Pierre Joseph Proudhon: Revolutionäres Programm vom 30. Mai 1848, in: ders.: Ausgewählte Schriften Band 2. Neudruck Aalen 1973, S. 56 – 58 und 67.

„Das Kapital besiegen durch die gegenseitige Garantie der Zirkulation und des Kredits; das musste die Politik der Demokratie sein. … Die antinomischen Kräfte der Gesellschaft müssen in einem beständigen Gleichgewicht gehalten werden. … Der Kredit beruht auf der Gegenseitigkeit. … Die Übertragung der Werte von einem Bürger auf den anderen ist die Zirkulation, die große ökonomische Funktion der Gesellschaft.“

Bekenntnisse eines Revolutionärs (1849), Reinbek bei Hamburg 1969, S. 89, 101 und 103.
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||| Hermann Heinrich Gossen

„Es bleibt nur mehr ein einziges Hindernis übrig, welches sich dem Menschen noch in den Weg stellt, den Naturgesetzen gemäß zu handeln. … Es besteht darin, dass der Mensch sich nicht nach Gutdünken die günstigste Stelle auf der ganzen Erdoberfläche zum Betreiben seiner Produktion aussuchen kann. Hier haben nämlich die menschlichen Institutionen, anstatt die Beseitigung dieses Hindernisses zu erleichtern, dasselbe in unzähligen Fällen zu einem unüberwindlichen gemacht durch Einführung des Privateigentums an Grund und Boden. … Diesem Übelstande könnte dann in wünschenswertester Weise abgeholfen werden, wenn das Eigentum allen Grund und Bodens der Gesamtheit gehörte und wenn von ihr jeder Fleck demjenigen zur Produktion überlassen würde, der die höchste Rente (Pacht) davon zu zahlen sich geneigt findet.“

Entwicklung der Gesetze des menschlichen Verkehrs und der daraus flieĂźenden Regeln
fĂĽr menschliches Handeln (1853), 3. Auflage Berlin 1927, S. 250–277.  
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||| Prof. Dr. Leon Walras

„Der Boden gehört allen Menschen gemeinsam, denn alle vernunftbegabten und freien Menschen haben das gleiche Recht und die gleiche Pflicht, ihr eigenes Ziel zu verfolgen und ihr eigenes Schicksal zu erfüllen. … Der Boden gehört nicht den Menschen einer Generation, sondern der Menschheit, allen Generationen von Menschen. Jede Veräußerung des Bodens ist wider die Natur, denn sie schädigt die künftigen Generationen. Juristisch ausgedrückt, ist die Menschheit Eigentümerin und die gegenwärtige Generation Nutznießerin des Bodens. … Der Staat als Eigentümer des Bodens verpachtet ihn und verwendet die Summe der Pachteinnahmen für öffentliche Aufgaben, die kostenlos sind. So gilt weiterhin die Gleichheit der Lebensbedingungen für ungleiche Personen und die Gerechtigkeit bleibt gewahrt. … Die Zuerkennung des Bodens an den Staat löst tatsächlich die Frage nach den Steuern. … Es ist zusammengefasst die Idee der Physiokraten, eine einheitliche Steuer auf das Einkommen zu erheben. Ihr einziger Fehler war nur, dass sie den Boden als einzige Quelle des gesellschaftlichen Reichtums ansahen.“

Théorie de la Propriété, in: Oeuvres Economiques Complètes Vol. IX
Etudes d’Economie Social. Nachdruck Paris 1990, S. 186–194.   
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||| Prof. Dr. John Stuart Mill

„Man muss sich auch die Frage stellen: Wohin führt dies alles? Welchem Endpunkt strebt die Gesellschaft mit ihren Fortschritten zu? Was müssen wir erwarten, wenn einmal der Fortschritt aufhört? … Diese Unmöglichkeit, letzten Endes dem Ruhestand aus dem Wege zu gehen, diese unwiderstehliche Notwendigkeit, wonach der Strom des menschlichen Erwerbslebens schließlich in einen anscheinend still stehenden See einmünden muss, muss für Nationalökonomen der letzten beiden Generationen eine unerfreuliche und entmutigende Aussicht gewesen sein. … Adam Smith nimmt überall an, dass die Lage der großen Volksmenge in einem Ruhestande des Vermögens nicht ausgesprochen ärmlich, so doch gedrückt und bedrängt sein müsse und nur in einem Zustand des Fortschritts zufrieden stellend sein könne. … Ich kann daher einen stationären Zustand des Kapitals und des Vermögens nicht mit der ausgesprochenen Abneigung betrachten, die die Nationalökonomen der alten Schule ihm allgemein entgegen gebracht haben. Nur in zurück gebliebenen Ländern hat die Zunahme der Produktion noch große Bedeutung. In den fortgeschrittenen Ländern ist das wirtschaftlich Notwendige eine bessere Verteilung. Der Spielraum für alle geistige Kultur, für alle sittlichen und gesellschaftlichen Fortschritte würde noch ebenso groß sein. Es wäre noch ebenso viel Raum da für die Verschönerung der Lebenshaltung …, wenn die Gemüter nicht mehr so ausschließlich durch die Sucht, nur wirtschaftlich vorwärts zu kommen, in Anspruch genommen wären.“

Grundsätze der Politischen Ökonomie (1871), Band 2, 6. Kapitel
„Über den stationären Zustand“, Jena 1921, S. 387–396.  
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||| Henry George

„Richtig verstanden beweisen die Gesetze, denen Produktion und Güterverteilung unterliegen, dass die Not und Ungerechtigkeit in der gegenwärtigen Sozialordnung nicht unvermeidlich sind, sondern dass im Gegenteil eine Sozialverfassung möglich ist, in der die Armut unbekannt ist und alle besseren Eigenschaften und höheren Kräfte sich voll entfalten können.“

Fortschritt und Armut (1879), DĂĽsseldorf 1959, S. 224.

„Wer von der Bemerkung, dass die Menschen durch die Konkurrenz einem Übermaß menschlichen Elends ausgesetzt werden, zu dem Schlusse überspringt, dass die Konkurrenz abgeschafft werden müsse, gleicht denen, die, wenn sie ein Haus brennen sehen, den Gebrauch des Feuers verbieten möchten. …
Wo eine Klasse existiert, der jedes Recht an dem zum Leben und zur Arbeit notwendigen Elemente verweigert wird, ist die Konkurrenz einseitig. … Aber wo die natürlichen Rechte aller gesichert sind, da kann die Konkurrenz – auf beiden Seiten wirkend – zwischen den Arbeitgebern wie zwischen den Arbeitern, zwischen Käufern wie zwischen Verkäufern – niemanden schädigen.
Individualismus und Sozialismus sind in Wahrheit nicht feindlich, sondern zusammengehörig. …
Die Hinwegnahme des sich an das Grundeigentumsrecht knüpfenden Wertes zum Nutzen des Staates würde … größere Einnahmen liefern als die jetzt durch Besteuerung erhobenen, während eine enorme Ermäßigung der öffentlichen Ausgaben in Folge der Abschaffung der gegenwärtigen Besteuerungsarten Platz greifen würde. So würde ein mit der sozialen Entwicklung beständig wachsender Fonds geschaffen werden, der für jetzt vernachlässigte Zwecke verwendet werden könnte.“

Schutz oder Freihandel (1887), New York 1968, S. 273–275 und 278.    y zur Ăśbersicht


||| Dr. Karl Marx und Friedrich Engels

„Der Zins fließt dem Geldkapitalisten zu, der bloßer Eigentümer des Kapitals ist, also das bloße Kapitaleigentum vertritt vor dem Produktionsprozess und außerhalb des Produktionsprozesses …, während der Unternehmergewinn als ausschließliche Frucht der Funktion erscheint, die der Unternehmer mit dem Kapital verrichtet. … Es ist dies eine produktive Arbeit, die verrichtet werden muss in jeder kombinierten Produktionsweise. … Der Unternehmergewinn bildet keinen Gegensatz zur Lohnarbeit, sondern nur zum Zins.“

Das Kapital Band 3 (1894), in: Marx-Engels-Werke Bd. 25, Berlin-Ost, S. 387–397. y zur Übersicht


||| Prof. Dr. Georg Simmel

„Die zentrale Stellung, die das Geld durch das ungeheure Anwachsen des Kreises dadurch erreichbarer Objekte erhält, strahlt in vielerlei einzelne Charakterzüge des modernen Lebens hinein. … Das ungeheure Glücksverlangen des modernen Menschen … ist offenbar an dieser Macht und diesem Erfolge des Geldes genährt. … Es gibt jetzt einen Zentralpunkt, den man wie den Zauberschlüssel im Märchen nur zu gewinnen braucht, um mit ihm zu allen Freuden des Lebens zu gelangen. … Daher die Unruhe, Fieberhaftigkeit, Pausenlosigkeit des modernen Lebens, dem im Gelde das unabstellbare Rad gegeben ist, das die Maschine des Lebens zum Perpetuum mobile macht. … Indem das Geld immer mehr zum absolut zureichenden Ausdrucke und Äquivalent aller Werte wird, erhebt es sich in ganz abstrakter Höhe über die ganze weite Mannigfaltigkeit der Objekte, es wird zu dem Zentrum, in dem die entgegengesetztesten, fremdesten, fernsten Dinge ihr Gemeinsames finden und sich berühren; damit gewährt tatsächlich auch das Geld jene Erhebung über das Einzelne, jenes Zutrauen in seine Allmacht wie in die eines höchsten Prinzips. … Diese Sicherheit und Ruhe, deren Gefühl der Besitz von Geld gewährt, enthält so rein psychologisch sozusagen formal den Gleichungspunkt, der jener Klage üb er das Geld als den Gott unserer Zeit die tiefere Begründung gibt.“

Das Geld in der modernen Kultur (1896), in: Gesamtausgabe Band 5, Frankfurt 1992, S. 190–192.

„Diese Fähigkeit des Geldes, für jeden speziell bestimmten Wirtschaftswert einzutreten, trägt die Kontinuität der wirtschaftlichen Ereignisreihe. … Die bloße Möglichkeit unbegrenzter Verwendung spricht sich positiv darin aus, dass es nicht ruhen mag, sondern wie von sich aus fortwährend zum Verwendetwerden drängt. …

SchlieĂźlich sind alle mannigfaltigsten Waren nur gegen einen Wert: Geld, das Geld aber gegen alle Mannigfaltigkeiten der Waren umzusetzen. GegenĂĽber der Arbeit nimmt dies die besondere Form an, dass das Geldkapital fast immer von einer Verwendung auf die andere … ĂĽbertragen werden kann, die Arbeit aber fast niemals. … Der Arbeiter kann seine Kunst und Geschicklichkeit so gut wie nie aus seinem Gewerbe herausziehen und in einem anderen investieren. In Bezug auf Wahlfreiheit und ihre Vorteile steht er also dem Geldbesitzer ebenso benachteiligt gegenĂĽber wie der Warenhändler. Deshalb ist der Wert einer gegebenen Geldsumme gleich dem Werte jedes einzelnen Objekts, dessen Ă„quivalent sie bildet, plus dem Werte der Wahlfreiheit zwischen unbestimmt vielen derartigen Objekten -  ein Plus, fĂĽr das es innerhalb des Waren- oder Arbeitskreises kaum annähernde Analogien gibt. Das so entstehende Wertplus des Geldes erscheint tiefer begrĂĽndet und höher gesteigert, wenn man die Entscheidung erwägt, zu welcher diese Wahlchance sich in Wirklichkeit zuspitzt. … Nun betrifft ferner diese Wahlchance, die das Geld als abstraktes Mittel besitzt, nicht nur die gleichzeitig angebotenen Waren, sondern auch die Zeitpunkte, in denen es verwendet werden kann. … Dieses Ăśbergewicht des Geldes drĂĽckt sich zunächst in der Erfahrung aus, dass der Verkäufer interessierter und beeiferter ist als der Käufer.“

Philosophie des Geldes (1900), in: Gesamtausgabe Band 6, Frankfurt 1989, S. 129, 267–269 und 273.

„Die Großstädte sind von jeher die Sitze der Geldwirtschaft gewesen, weil die Mannigfaltigkeit und Zusammendrängung des wirtschaftlichen Austausches dem Tauschmittel eine Wichtigkeit verschafft, zu der es bei der Spärlichkeit des ländlichen Tauschverkehrs nicht gekommen. Geldwirtschaft aber und Verstandesherrschaft stehen in tiefstem Zusammenhang. Ihnen ist gemeinsam die reine Sachlichkeit in der Behandlung von Menschen und Dingen, in der sich eine formale Gerechtigkeit oft mit rücksichtsloser Härte paart. … Der moderne Geist ist mehr und mehr ein rechnender geworden. …
Indem das Geld mit seiner Farblosigkeit und Indifferenz sich zum Generalnenner aller Werte aufwirft, wird es der fürchterlichste Nivellierer; es höhlt den Kern aller Dinge, ihre Eigenart, ihren spezifischen Wert, ihre Unvergleichbarkeit rettungslos aus. …
Die GroĂźstädte sind auch die Sitze des Kosmopolitismus gewesen. Vergleichbar der Form der Vermögensentwicklung  - jenseits einer gewissen Höhe pflegt der Besitz sich in immer rascheren Progressionen und wie von selbst zu steigern  - vergrößern sich der Gesichtskreis, die wirtschaftlichen, persönlichen, geistigen Beziehungen der Stadt … wie in geometrischer Progression. … Jede gewonnene dynamische Ausdehnung ihrer wird zur Staffel, nicht fĂĽr eine gleiche sondern fĂĽr eine größere nächste Ausdehnung. An jeden Faden, der sich von ihr aus spinnt, wachsen dann wie von selbst immer neue an, gerade wie innerhalb der Stadt das unearned increment der Bodenrente dem Besitzer durch die bloĂźe Hebung des Verkehrs ganz von selbst wachsende Gewinne zufĂĽhrt.“

Die Großstädte und das Geistesleben (1903), Frankfurt/M. 2006, S. 11, 15, 21 und 32.
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||| Prof. Dr. Ernst Abbe

„Von wesentlicher Hilfe zur Gestaltung meiner Ansichten waren mir die wichtigen Ausführungen der Bodenbesitzreformer, die mir durch die Schriften Flürscheims näher gebracht worden sind. …
   Die Verzinsung des Nationalvermögens beansprucht zur Zeit in Deutschland vorweg ein drittel der gesamten durch die Verbindung von Kapital und Arbeit bedingten Werterzeugung und lässt nur zwei Drittel davon als Entgelt fĂĽr die Arbeitstätigkeit selbst ĂĽbrig. Mithin hat die Gesamtheit aller Arbeitenden in allen Tätigkeitsgebieten, dem Durchschnitt nach, immer zwei tage in der Woche zu arbeiten fĂĽr die Gesamtheit der Besitzenden, d.h. derer, welche MiteigentĂĽmer des Nationalvermögens sind, dessen Verzinsung vorweg aufgebracht werden muss. … Das Beispiel von dem Pfennig, der, seit Christi Geburt zu ganz niedrigem ZinsfuĂź auf Zins liegend, heute den Wert eines Goldklumpens gewonnen haben mĂĽsste, schwerer als alles Gold der Erde zusammengenommen, erläutert die physische Unmöglichkeit von Einrichtungen, kraft welcher Vermögen und Besitz die Eigenschaft haben sollen, in geometrischer Progression anzuwachsen. … Das Fortbestehen solcher Einrichtungen muss schon in absehbarer Zeit dem wachsenden Nationalvermögen rein fiktive Werte einfĂĽgen, die nichts anderes mehr sind als Anweisungen auf den Arbeitstribut zukĂĽnftiger, noch ungeborener Geschlechter. Elimination des Zinswesens aus dem Wirtschaftssystem der Völker ist daher die Voraussetzung fĂĽr eine haltbare, nicht auf völlige Desintegration hinsteuernde Wirtschaftstätigkeit. … Widersinnig wäre es, den EigentĂĽmern von Vermögen das Zinsnehmen etwa gesetzlich verbieten zu wollen. … Das Gesagte begrĂĽndet die Anforderung an die Gesetzgebung: in Form einer Vermögenssteuer den Zinsertrag des Nationalvermögens … fĂĽr den Staat heranzuziehen. … Wir erleben jetzt das klägliche Schauspiel, dass die Gesetzgeber in allen Winkeln herumsuchen, wo etwa noch ‚etwas Steuerbares’ zu finden sein möchte, und allerlei Sophismen helfen mĂĽssen, das Gewissen zu beschwichtigen, welches angesichts feierlicher Zusagen sich dagegen sträubt, dass immer wieder ‚die Masse es bringen’ mĂĽsse. Hier liegt das gesuchte Steuerobjekt: das Nationalvermögen Deutschlands, bei welchem in der Tat ‚die Masse es bringt’, das Gewissen sich aber nicht dagegen zu sträuben braucht.“

Sozialpolitische Schriften, in: Gesammelte Abhandlungen Band 3, Jena 1906, S. 5, 10–11, 16–18.
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||| Dr. Rudolf Steiner  

  
„Es gibt heute etwas höchst Unnatürliches in der sozialen Ordnung, das besteht darin, dass das Geld sich vermehrt, wenn man es bloß hat. Man legt es auf eine Bank und bekommt Zinsen. Das ist das Unnatürlichste, was es geben kann. Es ist eigentlich ein bloßer Unsinn. Man tut gar nichts; man legt sein Geld, das man vielleicht auch nicht erarbeitet, sondern ererbt hat, auf die Bank und bekommt Zinsen dafür. Das ist ein völliger Unsinn.“

Die soziale Grundforderung unserer Zeit – In geänderter Zeitlage (1918).
Dornach 2. Aufl. 1979, S. 50–51.

   „Wenn jemand durch Kauf ein GrundstĂĽck erwirbt, so muss das als ein Tausch des GrundstĂĽcks gegen Waren, fĂĽr die das Kaufgeld als Repräsentant zu gelten hat, angesehen werden. Das GrundstĂĽck selber aber wirkt im Wirtschaftsleben nicht als Ware. Es steht in dem sozialen Organismus als Recht darinnen, das der Mensch auf seine BenĂĽtzung hat. Dieses Recht ist etwas wesentlich anderes als das Verhältnis, in dem sich der Produzent einer Ware zu dieser befindet. …
  „Damit Geld, das nicht in Produktionsbetrieben arbeitet, nicht mit Umgehung der MaĂźnahmen der Wirtschaftsorganisation von Inhabern zurĂĽckbehalten werde, kann Umprägung oder Neudruck von Zeit zu Zeit stattfinden. Aus solchen Verhältnissen heraus wird sich allerdings auch ergeben, dass der Zinsbezug von einem Kapitale im Laufe der Jahre sich immer verringere. Das Geld wird sich abnĂĽtzen wie sich Waren abnĂĽtzen. Doch wird eine solche vom Staate zu treffende MaĂźnahme gerecht sein. ‚Zins auf Zins’ wird es nicht geben können.“

Kernpunkte der sozialen Frage (1919), Dornach 1961, S. 105.

 
"Die ganze Funktion des Geldes besteht darinnen, dass ich einfach für dasjenige, was ich selber arbeite, Anweisung habe auf irgendetwas anderes, was ein anderer arbeitet. Und sobald Geld etwas anderes ist als diese Anweisung, ist es unberechtigt im sozialen Organismus. ... Das Geld wird Anweisung werden, wenn alle übrigen Machinationen aufhören werden, die in die Zirkulation des Geldes hineinspielen. Denn lediglich das Geld ist der gemeinsame Index, der zu dem gemeinsamen Vergleich für die gegenseitigen Werte der Waren da ist. Das ist dasjenige, was durch die Art dieser Dreiteilung erreicht werden kann, und was partiell, einzeln angestrebt wird von der Freiland-Freigeld-Bewegung. Deshalb habe ich in einem solchen Falle gesagt: Ich bin ganz mit dieser Bewegung einverstanden - weil ich immer versuche, die einzelnen Bewegungen in ihrer Berechtigung einzusehen. Und ich möchte sie in einen gemeinsamen großen Strom leiten, weil ich eben nicht glaube, dass ein Mensch oder selbst eine Gruppe von Menschen das Richtige finden kann, sondern weil ich demokratisch glaube, dass die Menschen zusammen in der Wirklichkeit , im Zusammenwirken, allein richtig organisiert, erst das Rechte finden werden."

Die Befreiung des Menschenwesens als Grundlage fĂĽr eine soziale Neugestaltung - Proletarische Forderungen und deren kĂĽnftige praktische Verwirklichung (1919), in: Gesamtausgabe Band 329, Dornach 1985, S. 139-140.

  
„Grund und Boden kann nicht produziert werden. … Boden ist niemals Ware. Er ist von Anfang an etwas, was man nicht kaufen und verkaufen kann. … Dass man Grund und Boden bezahlt mit dem Geld, was man vielleicht aus dem Erlös von Ware hat, das ist keine Wahrheit, das ist eine soziale Lüge. … Alles kommt durch das Geld durcheinander. …
   Dann, wenn man die Dreigliederung des sozialen Organismus hat, kann man Grund und Boden nicht kaufen. … Die Verteilung von Grund und Boden fĂĽr die menschliche Arbeit wird eine demokratische Angelegenheit des politischen Staates und der Ăśbergang von einem zum anderen eine Angelegenheit des geistigen Gliedes des sozialen Organismus.“

Die Konsequenzen der Dreigliederung für Grund und Boden (1920), in: Roman Boos (Hrsg.), Neuordnung des Bodenrechts als soziale Forderung der Gegenwart, Stuttgart 1957, S. 92–94.

  „Was fĂĽr Ansichten herrschen zuweilen heute, wo man ĂĽberall die Tendenz hat, lieber mit Begriffen zu arbeiten als mit Realitäten, das zeigen Ihnen manche Freigeldleute. … Sie kurieren da nur an Symptomen herum.“

Nationalökonomischer Kurs (1922). Dornach 5. Aufl. 1979, S. 80.

  „Die ganze Erde, als Wirtschaftsorganismus gedacht, ist der soziale Organismus. … In allen Ländern, in denen die Hypothekengesetzgebung dahin geht, dass sich das Kapital mit der Natur verbinden kann, bekommen wir ein Stauen des Kapitals in der Natur im Grund und Boden. … Eine der schlimmsten Stauungen im volkswirtschaftlichen Prozess ist diejenige, wo Kapital sich einfach mit der Natur verbindet. …
   Geld ist etwas, was merkwĂĽrdigerweise im volkswirtschaftlichen Leben, trotzdem es ganz in Ă„quivalenz steht mit anderen volkswirtschaftlichen Elementen, sich nicht abnutzt. … Wenn das Geld in Ă„quivalenz steht mit den bearbeiteten GĂĽtern, so mĂĽsste es sich abnĂĽtzen. Das Geld mĂĽsste, genau so wie die anderen GĂĽter, sich abnĂĽtzen. Das heiĂźt, wenn wir nicht abnutzbares Geld im volkswirtschaftlichen Körper drinnen haben, dann verschaffen wir unter Umständen dem Geld einen Vorteil gegenĂĽber den abnĂĽtzbaren GĂĽtern. … Diese Eigenschaft des Geldes ist ganz besonders dazu geeignet, dass man es leicht aufbewahren kann und dass es schon aus diesem Grunde einen verhältnismäßigen Anreiz zur Bereicherung bildet. …
   Wenn wir nun das Geld verwenden als ein Ă„quivalent im reinen Tausch, dann haben wir allerdings in dem Gelde gegenĂĽber den verderblichen Gegenständen einen unreellen Konkurrenten, weil das Geld eben unter gewöhnlichen Verhältnissen nicht zu verderben scheint … Wenn man die Sache nicht der WillkĂĽr ĂĽberlässt, sondern Vernunft in die Sache bringt, brauchen Sie bloĂź die nötigen assoziativen Vereinigungen zu stellen zwischen Kaufgeld, Leihgeld, Schenkungsgeld und Gelderneuerung.“

Nationalökonomischer Kurs (1922), Dornach 1979, S. 22, 73–74, 164, 172, 174 und 182.
 
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||| Dr. Walter Benjamin

„Im Kapitalismus ist eine Religion zu erblicken, d.h. der Kapitalismus dient essentiell der Befriedigung derselben Sorgen, Qualen, Unruhen, auf die ehemals die sogenannten Religionen Antwort gaben. …
Drei Züge sind schon der Gegenwart an dieser religiösen Struktur des Kapitalismus erkennbar:
Erstens ist der Kapitalismus eine reine Kultreligion, vielleicht die extremste, die es je gegeben hat. Es hat in ihm alles nur unmittelbar mit Beziehung auf den Kultus Bedeutung, er kennt keine spezielle Dogmatik, keine Theologie. Der Utilitarismus gewinnt unter diesem Gesichtspunkt seine religiöse Färbung.
Mit dieser Konkretion des Kultus hängt ein zweiter Zug des Kapitalismus zusammen: die permanente Dauer des Kultus. … Es gibt da keinen ‚Wochentag’, keinen Tag, der nicht Festtag in dem fürchterlichen Sinne der Entfaltung allen sakralen Pompes, der äußersten Anspannung des Verehrenden wäre.
Dieser Kultus ist zum dritten verschuldend. Der Kapitalismus ist vermutlich der erste Fall eines nicht entsühnenden, sondern verschuldenden Kultus. Hierin steht dieses Religionssystem im Sturz einer ungeheuren Bewegung. Ein ungeheures Schuldbewusstsein, das sich nicht zu entsühnen vermag, greift zum Kultus, um in ihm diese Schuld nicht zu sühnen, sondern universal zu machen, dem Bewusstsein sie einzuhämmern und endlich und vor allem den Gott selbst in diese Schuld einzubegreifen, um endlich ihn selbst an der Entsühnung zu interessieren. …
Kapitalismus ist eine Religion aus bloßem Kult, ohne Dogma. Der Kapitalismus hat sich – wie nicht allein im Calvinismus, sondern auch an den übrigen orthodoxen christlichen Richtungen zu erweisen sein muss, auf dem Christentum parasitär im Abendland entwickelt, dergestalt dass zuletzt im wesentlichen seine Geschichte die eines Parasiten, des Kapitalismus ist.
Vergleich zwischen den Heiligenbildern verschiedener Religionen einerseits und den Banknoten verschiedener Staaten andererseits. Der Geist, der aus der Ornamentik der Banknoten spricht. …
Überwindung des Kapitalismus durch Wanderung. … Landauer: Aufruf zum Sozialismus. …“

Kapitalismus als Religion – Fragment (1921), in: Gesammelte Schriften Band 6,
Frankfurt/M. 1985, S. 100–103.  
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||| Prof. Dr. Max Weber

„Eine an materialen sozialen Idealen orientierte Anschauung kann sehr wohl gerade die Tatsache, dass die Geld- und Umlaufsmittelbeschaffung in der Verkehrswirtschaft Angelegenheit des nur nach ‚Rentabilität’ fragenden Interessentenbetriebs ist, nicht aber orientiert ist an der Frage nach dem ‚richtigen’ Geldquantum und der ‚richtigen’ Geldart, zum Anlass der Kritik nehmen. …
   In fast allen ethischen Lebensreglementierungen kehrt auf ökonomischem Gebiet ... die Verwerfung des Zinses wieder. … Es handelt sich also um einen prinzipiellen Kampf der ethischen mit der ökonomischen Rationalisierung der Wirtschaft. … Der eigentlich religiöse Grund der Antipathie gegen den Zins lag tiefer und hing mit der Stellung der religiösen Ethik zu der Gesetzlichkeit des rationalen geschäftlichen Erwerbs als solchem zusammen. … Schon deshalb ist der Trieb nach Geld als Typus rationalen Erwerbsstrebens religiös bedenklich. …
   Wo der Markt seiner Eigengesetzlichkeit ĂĽberlassen ist, kennt er nur Ansehen der Sache, kein Ansehen der Person, keine BrĂĽderlichkeits- und Pietätspflichten, keine der urwĂĽchsigen, von den persönlichen Gemeinschaften getragenen menschlichen Beziehungen. … Eine absolute Versachlichung widerstrebt … allen urwĂĽchsigen Strukturformen menschlicher Beziehungen. Der ‚freie’, d.h. der durch ethische Normen nicht gebundene Markt mit seiner Ausnutzung der Interessenkonstellation und Monopollage und seinem Feilschen gilt jeder Ethik als unter BrĂĽdern verworfen.“

Wirtschaft und Gesellschaft (posthum 1922), Frankfurt/M. 2005, S. 139, 452 – 453 und 490.
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||| Prof. Dr. Franz Oppenheimer

„Noch nie hat die Menschheit die volle Wirtschaftsfreiheit am Werke gesehen. Was wir bisher als ‚freie Konkurrenz’ bezeichnet haben, war nicht die freie, sondern die ‚beschränkte’ Konkurrenz innerhalb einer von mächtigen Klassenmonopolen durchsetzten Wirtschaftsgesellschaft. … Von freier Konkurrenz aber dürfen wir nur dort sprechen, wo keinerlei Monopol besteht; denn Monopol und freie Konkurrenz sind einander ausschließende Wechselbegriffe. …
Nicht der Liberalismus ist der Gegensatz des Sozialismus, sondern der Pseudoliberalismus des Großbürgertums. Der echte Liberalismus der Anfänge hat immer die Abschaffung aller Monopole gefordert. … Es ist ein verhängnisvoller Irrtum zu glauben, es gebe nur einen Weg zum Sozialismus: den Weg über die Ausschaltung des Marktes und der Konkurrenz. Ich behaupte, dass es einen anderen Weg gibt, den der Herstellung der freien, der endlich wirklich freien Konkurrenz durch Beseitigung des Klassen bildenden Monopols der Bodensperrung. …
Liberalismus und Sozialismus, die Gefäße der beiden großen Kulturgedanken: Freiheit und Gleichheit, sind nicht unvereinbar wie der Kollektivismus glaubt, weil er die beschränkte Konkurrenz unter dem Monopolverhältnis für die freie Konkurrenz anschaut. Die uralte Antithese … ist der Synthese fähig, ist versöhnbar. Wahrer Liberalismus und Sozialismus sind eins und dasselbe, die Freiheit führt zur Gleichheit und hält sie unerschütterlich aufrecht.“

Die soziale Forderung der Stunde (1919), in: Gesammelte Schriften Berlin 1996, S. 104 –107.

„Mit dem Nachweis, dass die Konkurrenz nicht abgeschafft oder gefesselt, sondern im Gegenteil entfesselt werden muss, sind Faschismus und Kommunismus abgetan.“

Weder so noch so – Der Dritte Weg! (1933), in: Gesammelte Schriften, Berlin 1996, S. 155.
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||| Prof. Dr. John Maynard Keynes

„Von den Leitsätzen orthodoxer Finanz ist sicherlich keiner antisozialer als der Fetisch der Liquidität. … Jene Reformatoren, die in der Erzeugung künstlicher Durchhaltekosten des Geldes ein Heilmittel gesucht haben, sind somit auf der richtigen Spur gewesen und der praktische Wert ihrer Vorschläge verdient erwogen zu werden. …
   So wĂĽrden wir die Zustände eines quasi-stationären Gemeinwesens erreicht haben, in dem Ă„nderungen und Fortschritte sich nur aus Ă„nderungen in der Technik, im Geschmack, in der Bevölkerung und in den Institutionen ergeben wĂĽrden, wobei die Erzeugnisse von Kapital zu einem der in ihnen verkörperten Arbeit usw. entsprechendem Preis verkauft werden wĂĽrden. … Dies wĂĽrde nicht bedeuten, dass die BenĂĽtzung von KapitalgĂĽtern sozusagen nichts kosten wĂĽrde, sondern nur, dass der ertrag aus ihnen nicht viel mehr als ihre Erschöpfung durch Wertminderung und Veralterung … zu decken haben wĂĽrde. Der Gesamtertrag von dauerhaften GĂĽtern während ihrer Lebensdauer wĂĽrde wie im Falle von GĂĽtern von kurzer Dauer gerade ihre Arbeitskosten der Erzeugung plus einer Entschädigung fĂĽr das Risiko und die Kosten der Geschicklichkeit und Aufsicht decken. …
   Wenn ich recht habe in meiner Annahme, dass es verhältnismäßig leicht sein sollte, KapitalgĂĽter so reichlich zu machen, dass die Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals Null ist, mag dies der vernĂĽnftigste Weg sein, um allmählich die verschiedenen anstößigen Formen des Kapitalismus loszuwerden. Denn ein wenig Ăśberlegung wird zeigen, was fĂĽr gewaltige gesellschaftliche Ă„nderungen sich aus einem allmählichen Verschwinden eines Verdienstsatzes auf angehäuftem Reichtum ergeben wĂĽrden. Es wĂĽrde einem Menschen immer noch freistehen, sein verdientes Einkommen anzuhäufen mit der Absicht es an einem späteren Zeitpunkt auszugeben. Aber seine Anhäufung wĂĽrde nicht wachsen. …
   Kapitalzinsen sind heute keine Belohnung fĂĽr ein wirkliches Opfer, so wenig wie die Pachtzinsen von Land. Der Besitzer von Kapital kann Zinsen erhalten, weil das Kapital knapp ist, gerade wie der Besitzer von Land einen Pachtzins erhalten kann, weil das Land knapp ist. Aber während an sich GrĂĽnde fĂĽr die Knappheit von Land bestehen mögen, bestehen an sich keine GrĂĽnde fĂĽr die Knappheit des Kapitals. … Ich betrachte daher die Rentnerseite des Kapitalismus als eine vorĂĽbergehende Phase, die verschwinden wird, wenn sie ihre Leistung vollbracht hat.“

Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes (1935),
Berlin 1974, S. 131, 184-185, 196 und 317.

„Wir brauchen ein Mittel der Beruhigung für eine sorgengeplagte Welt, durch das jedes Land, das seine eigenen Angelegenheiten mit der nötigen Umsicht regelt, von den Sorgen befreit wird, die es nicht selbst zu verantworten hat und die es in seiner Fähigkeit beeinträchtigen, seinen internationalen Verpflichtungen nachzukommen; ein Mittel also, das die Methoden der Restriktion und der Diskriminierung unnötig macht, die die Länder bisher angewendet haben, nicht um Vorteile für sich zu erlangen, sondern um sich vor störenden Einwirkungen von außen zu schützen. …
   Der Vorschlag besteht darin, eine International Clearing Union zu grĂĽnden, die auf internationalem Bankgeld beruht, nennen wir es Bancor …, zu dem Zweck, einen internationalen Zahlungsausgleich zu ermöglichen. … Es werden MaĂźnahmen notwendig sein, um der unbegrenzten Anhäufung von Guthaben und Schulden vorzubeugen. … Die Idee, die einer solchen Union zugrunde liegt, besteht im notwendigen Ausgleich von Guthaben und Schulden. … Die vorgeschlagenen Bestimmungen zielen darauf ab, nicht nur dem Schuldnerland, sondern auch dem Gläubigerland eine Mitverantwortung fĂĽr die Wiederherstellung der Ordnung aufzuerlegen.“

Vorschläge für eine Internationale Clearing Union (1943),
in: Stefan Leber (Hrsg.), Wesen und Funktion des Geldes,
Stuttgart 1989, S. 326–327 und 335.    
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||| Prof. Dr. Roy Harrod

„Im Schlussabschnitt seiner ‚Allgemeinen Theorie’ hat Keynes den bemerkenswerten und wichtigen Ausdruck ‚der sanfte Tod des Rentiers’ gebraucht. Nach meiner Meinung würde er die richtige und abschließende Antwort auf alles sein, was von den Kritikern des Kapitalismus mit Recht vorgebracht wurde. Und weil sie die richtige Antwort darstellt, würde sie uns in die Lage versetzen, auf die kollektivistische Methode des Kampfes gegen den Kapitalismus zu verzichten. …
   Ist nicht die zinsenfreie Gesellschaft, wenn wir sie in nicht allzu ferner Zeit verwirklichen können, eine Alternative zum Kollektivismus? … Ich nehme an, dass neue Staatsanleihen zinsfrei sein wĂĽrden und dass die gesamte Staatsschuld allmählich auf diese Basis umgestellt werden wĂĽrde. Zu gleicher Zeit könnten zinsfreie Darlehen fĂĽr Unternehmer durch die Banken bis zur Grenze der gebotenen Sicherheit erhältlich sein. … Die Kapitalgesellschaften wĂĽrden wahrscheinlich aufhören, jährliche Dividenden zu zahlen. …
   Die Landfrage stellt ein weitaus unangenehmeres Problem dar. An einem geeigneten Punkt auf dem Weg zur Zinsfreiheit mĂĽssten die freien und die LehensgĂĽter, soweit vorhanden, in PachtgĂĽter auf 99 Jahre umgewandelt werden. …
   Habe ich einen zu weiten Gedankenflug unternommen? Ein sehr niedriger ZinsfuĂź  - das ist eine Tatsache, die vor uns liegt. … Ob es möglich ist, die Sozialisten von dieser Idee einer zinsfreien Gesellschaft zu ĂĽberzeugen und sie von ihren verdrieĂźlichen totalitären Neigungen abzubringen?“

Dynamische Wirtschaft (1948), Wien 1949, S. 177 ff.    y zur Ăśbersicht


||| Prof. Dr. Alexander RĂĽstow

„Die erste und wesentlichste jener soziologisch-institutionellen Bedingungen, denen in Wahrheit das wohltätige Walten des Marktmechanismus unterliegt, ist die Ausschaltung jeder Behinderungskonkurrenz und die strenge Beschränkung der Marktfreiheit auf reine Leistungskonkurrenz. Der Monopolismus verhindert die Ausübung der Leistungskonkurrenz. … Der Interventionismus verschafft auf dem Umwege über die Politik einer Gruppe von Produzenten öffentliche Vorteile, die anderen Produzenten nicht zur Verfügung stehen, und deren Kosten Konsumenten und andere Produzenten zu tragen haben. … Wir unterscheiden also von der freien Marktwirtschaft der vollständigen Konkurrenz, wie sie den normalen Gegenstand der liberalen Wirtschaftstheorie bildet, die infolge eines subtheologisch verabsolutierten Laissez-faire entartete subventionistisch-monopolistisch-protektionistisch-pluralistische Wirtschaft des 19. und 20. Jahrhunderts, welch letztere wir ‚kapitalistisch’ und ‚Kapitalismus’ nennen. … In der Überzeugung von der Unhaltbarkeit des Kapitalismus und von der Notwendigkeit seiner Überwindung sind wir mit den Marxisten und Sozialisten vollkommen einig. … Wogegen wir uns wenden, das sind die Irrtümer, die Marx vom historischen Liberalismus übernommen hat. Und wenn wir, gemeinsam mit den Sozialisten, den Kapitalismus ablehnen, so erst recht und umso mehr den Kollektivismus als einen auf die äußerste Spitze getriebenen Kapitalismus. …
Es bleibt uns nichts anderes übrig, als mit dem Mut der Verzweiflung nach dem ‚dritten Wege’ zu suchen, der zwischen dem zusammengebrochenen historischen Liberalismus und dem drohenden Kollektivismus die Menschheit zu einer neuen Möglichkeit führt, als Menschen menschlich und menschenwürdig zu leben. Dieser ‚dritte Weg’ lag als unausgesprochenes Programm schon unserer Kritik des alten Liberalismus und seiner Schwächen und Fehler zugrunde.“

Das Versagen des Wirtschaftsliberalismus, Heidelberg 1950, S. 68, 74, 78 und 90. y zur Ăśbersicht


||| Prof. Dr. Wilhelm Röpke

„Die freie Marktwirtschaft ist nicht etwas, was nach der bloßen Wegräumung von Hindernissen sich selbst überlassen werden dürfte. Diese Aufgabe setzt einen ebenso unabhängigen wie starken Staat voraus. …
Man weiß, dass die Freiheit missbraucht werden kann zur Aufhebung der Freiheit, zur Verfälschung des Wettbewerbs, zur Schaffung von Machtstellungen und zur Begründung von Monopolen. … Nun ist es wichtig, dass der Liberale die Lösung des Problems der wirtschaftlichen Machtkonzentration in der Regel weder in der staatlichen Aufsicht noch in der Abtretung der Macht an den Staat sieht, sondern in ihrer Auflösung und Zerstreuung durch Wiederherstellung des Wettbewerbs und in der Diffusion des Eigentums. … Konzentration wird allein durch Dezentralisation überwunden. …
Muss nicht auch der Liberale anerkennen, dass der Boden ein besonderes Gut ist und dass es weder eine gesunde Wirtschaft noch einen gesunden Staat geben kann, wenn allzu viele vom Boden ausgeschlossen sind? Um einen Begriff von der Verbindung von Bodenreform und Liberalismus zu geben, braucht nur der Name von Henry George genannt zu werden, dessen Ideen heute in modernerer Form in vielen Ländern (so vor allem in Dänemark, Großbritannien und den Vereinigten Staaten) kräftig nachwirken.“

MaĂź und Mitte(1950), Erlenbach-ZĂĽrich 2. Auflage 1979, S. 142–145 und 157.   y zur Ăśbersicht


||| Prof. Dr. Walter Eucken

„Der Rechtsstaat kann sich nur dort vollständig durchsetzen, wo zugleich mit seiner rechtlich-staatlichen Ordnung eine ‚adäquate’ Wirtschaftsordnung verwirklicht ist. Monopole und Teilmonopole aber sind dem Rechtsstaat nicht adäquat, dürfen also nicht Bestandteile einer solchen Wirtschaft sein. … Nicht in erster Linie gegen die Missbräuche vorhandener Machtkörper sollte sich die Wirtschaftspolitik wenden, sondern gegen die Entstehung der Machtkörper überhaupt. …
   Die Kernfrage der modernen Wirtschaftspolitik sollte auch als Kernfrage behandelt werden. Es geschieht, indem die Herstellung eines funktionsfähigen Preissystems der vollständigen Konkurrenz zum wesentlichen Kriterium jeder wirtschaftspolitischen MaĂźnahme gemacht wird. Dies ist das wirtschaftsverfassungsrechtliche Grundprinzip. … Die Hauptsache ist es, den Preismechanismus funktionsfähig zu machen. Jede Wirtschaftspolitik scheitert, der dies nicht gelingt. Das ist der strategische Punkt, von dem aus man das Ganze beherrscht und auf den deshalb alle Kräfte zu konzentrieren sind. … Alle BemĂĽhungen, eine Wettbewerbsordnung zu verwirklichen, sind umsonst, solange eine gewisse Stabilität des Geldwertes nicht gesichert ist. Die Währungspolitik besitzt daher fĂĽr die Wettbewerbsordnung ein Primat.“

Grundsätze der Wirtschaftspolitik, Tübingen: 3. Aufl. 1960, S. 43, 52, 172 und 254 ff.
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||| Prof. Dr. Gunnar Myrdal

„Eine Bodenreform kann in verschiedenen Formen durchgeführt werden, je nach den Zuständen in den verschiedenen Ländern und Bezirken. Eine gleichmäßigere Umverteilung auf die Bearbeiter, einschließlich der Landarbeiter und anderer Gruppen ohne Bodenbesitz, ist eine Möglichkeit. Genossenschaftliche Bewirtschaftung ist eine andere. Gemeindeeigentum oder staatliches Eigentum ist eine dritte. Es ist sogar möglich, dass in einigen Ländern eine kapitalistische Landwirtschaft, in der Erscheinungen wie auswärts lebende Großgrundbesitzer und Zehntpacht beseitigt wären, eine wichtige Rolle spielen könnte.
   Ganz allgemein muss eine neue Beziehung zwischen Mensch und Boden herbeigefĂĽhrt werden, die Möglichkeiten eröffnet und Anreize gibt, mehr und mit mehr Erfolg zu arbeiten und zum Zweck der Landverbesserung zu investieren, was immer man kann - an erster Stelle die eigene Arbeit.
   Bodenreformen stehen auf der politischen Tagesordnung praktisch aller unterentwickelten Länder. Und fast ĂĽberall haben die Regierungen eine Spiegelfechterei veranstaltet. Wenn die Reformen das Gesetzesstadium erreichten, waren es Miniatur-Reformen, und selbst die wurden nicht wirksam durchgefĂĽhrt. Generell wurden die Interessen der landlosen Bauern vollkommen vernachlässigt. Die ergänzenden Reformen - Gemeindeentwicklung, Erweiterung der Bodenkultivierung, Kredit- und andere Genossenschaften - waren leichter durchzusetzen. Aber durch das Fehlen einer Bodenreform neigen sie sehr mehr dazu, die Oberschicht des Dorfes zu unterstĂĽtzen und so in Wirklichkeit die Ungleichheit zu verstärken. ...
   Die allgemeine Hochstimmung, die die 'GrĂĽne Revolution' umgibt, bot den Wissenschaftlern wie den Politikern eine Entschuldigung dafĂĽr, dass sie die Notwendigkeit einer Bodenreform bei ihren Ăśberlegungen zurĂĽcktreten lieĂźen.“

Ă–konomische Theorie und unterentwickelte Regionen, Erstausgabe 1957 / Frankfurt 1974, S. 178 - 179.     y zur Ăśbersicht


||| Prof. Dr. Alexander Mitscherlich

„Alte Städte hatten ein Herz. Die Herzlosigkeit, die Unwirtlichkeit der neuen Bauweise hat eine ins Gewicht fallende Entschuldigung auf ihrer Seite: das Tabu der Besitzverhältnisse an Grund und Boden in den Städten, welches jede schöpferische, tiefer greifende Neugestaltung unmöglich macht. Es ist wohl von niemandem ernstlich bestritten, dass die Misere des deutschen Wiederaufbaus eng mit der Zufälligkeit der Besitzverteilung, den spekulativen Bodenpreisen und dem ausgebliebenen politischen Versuch zu räumlicher Neuordnung der Stadtareale zusammenhängt. Denn Privatbesitz, unbeschadet seiner unter Umständen für die Gemeinschaft tödlichen Auswirkungen, ist ein Tabu, ein Fetisch, an den niemand zu rühren wagte. …
   Jeder Einsichtige weiĂź, dass die Notwendigkeit, zu einer Neuregelung der Bodenbesitzverhältnisse in den Städten zu kommen, ĂĽberhaupt nichts mit Ideologie zu tun hat. … Eine freiheitliche Städteplanung ist so lange unmöglich, als es kein Bewusstsein ihrer wahren Hemmnisse in der Bevölkerung gibt. …
   In diesem Tabu von der Heiligkeit des Besitzes, besonders des Grundbesitzes – in diesem Tabu stecken nicht zu unterschätzende emotionelle Kräfte.  Sie zu entdecken, sie zu entziffern und ihrer Einsicht zugänglich zu machen, ist ein heiĂźes Problem. …
   Hamburgs Stadtbaumeister Hebebrand hat auf eine Regelung der städtischen Bodenverhältnisse hingewiesen, die durch lange Jahrhunderte im Mittelalter bestanden hat und als Anregung fĂĽr die Lösung uns aufgegebener Probleme wertvoll erscheint: es ist das Prinzip der Erbpacht, eine klare Trennung von Boden und Bauwerk; juristisch ausgedrĂĽckt: ein Obereigentum und ein Untereigentum. Das Obereigentum liegt bei der Stadt, das Untereigentum beim BĂĽrger. …
   Es ist natĂĽrlich lukrativer – wie die Dinge liegen – , ein RasenstĂĽck an eine Versicherungsgesellschaft zu verkaufen statt einen Spielplatz fĂĽr Kinder daraus zu machen. Es ist ungleich bequemer, die noch produktiven alten Menschen irgendwo an gottverlassenen Orten in Altersheime auszusiedeln, als sich zu bemĂĽhen, Lösungen zu finden, in denen sie produktiv, und wenn nicht mehr dies, so doch wenigstens respektiert unter uns bleiben können. Manches Altersschicksal verliefe anders, wenn die Struktur unserer Siedlungsräume nicht von bornierter Profitgier verzerrt wäre.
   ‚Nachbarschaft’, dieses sentimentalisierte Schlagwort, behält trotzdem seinen Aussagegehalt. Ohne emotionelle Nachbarschaft kann keine reife Menschlichkeit entstehen. … Die vollendete Auflösung der städtischen Gesellung spiegelt sich in dem Wort ‚Selbstbedienung’.“

Die Unwirtlichkeit unserer Städte – Anstiftung zum Unfrieden, Frankfurt/M. 1965, S. 19–26.
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||| Prof. Dr. Werner Hofmann

„Das Bodeneigentum gehört zu den vernachlässigten Gegenständen unserer Tage. Es ist von größter gesellschaftlicher und ökonomischer Bedeutung. …
   Die Umwälzung des Bodeneigentums steht am Anfang jener sog. industriellen Revolution. … Der Boden wird in Kapital verwandelt. Das Kapitalelement Boden weist allerdings die Besonderheit auf, dass es nicht wie produzierte Kapitalobjekte vermehrt, d.h. akkumuliert werden kann. …
   Die verschiedenen gesellschaftlichen Interessen, die sich auf den Boden richten, die privaten und öffentlichen, die agrarischen und gewerblichen, die Ăśberlegungen derer, die Boden erwerben wollen, und derer, die ihn etwa in spekulativer Absicht zurĂĽckhalten, die Interessen von Verpächtern und Pächtern, von Grundeignern und Bauherren, schlieĂźlich von Wohnungsvermietern und Wohnungsmietern sind untereinander zutiefst unstimmig. Es ist offenbar die Breite des Problems, die seiner Erörterung und vollends praktischen Entscheidungen im Wege steht. …
   Mit alledem stellt sich die Entwicklung des Baubodenmarktes als Quelle wie als Ausdruck einer tiefen Korrumpierung der Wirtschaftsmoral dar. … Die Grundrente bestimmt heute schlechthin die Physiognomie unserer Städte. Sie verweist die Stadtplanung unerbittlich auf intensivste Nutzung des Raumes. Unsere Citys bieten schon baulich das Bild einer planlosen Verdrängungskonkurrenz, bei der das Geschäftshaus ĂĽber das Wohnhaus triumphiert und die Gebäude der Warenhauskonzerne, der Versicherungen und Banken ĂĽber das kleinere Gewerbe. Die Ungleichheit der Renditen und daher der Akkumulationskraft der Gewerbe, ein Ausdruck ungleicher Verteilung der Marktmacht, setzt sich hier unmittelbar sinnfällig um in das Bild unserer Innenstädte. Und es sind heute durchweg die der Produktion, der eigentlichen volkswirtschaftlichen Wertschöpfung fernen Gewerbezweige, die die selektive Wirkung der Grundrente in der City am ehesten bestehen können. … Unsere Stadtgestaltung ist bis in die Architektonik hinein zu einer Funktion der Grundrente (und der Baupreise) geworden. Hochbauten wachsen heute schon in Mittelstädten aus dem Grund. Solche Hochbauten, und nicht mehr die TĂĽrme von Domen und Rathäusern, beherrschen die Stadtsilhouette und die StraĂźenzĂĽge. …
   Es ist der unerbittliche Zwang zur äuĂźersten Nutzung und Verwertung des Raumes, der so viele geschichtlich einmalige Chancen der Neugestaltung hat vertun lassen, der unsere Städte weithin antlitzlos gemacht hat, angefĂĽllt mit Betonmonumenten menschlichen Selbstverlustes.
   Es ist die Kapitalqualität des Bodens, unterstĂĽtzt durch ein entsprechendes Bodenrecht, die heute eine rationale Raumplanung und Raumordnung ungemein erschwert. Jede öffentliche Planung findet ihre Grenze am Prinzip der möglichst ungehemmten Nutzung des Kapitalobjekts Boden. …
   Was sollte geschehen? Was kann geschehen? … Es bliebe schlieĂźlich eine Ă„nderung des Bodenrechts, d.h. vor allem eine Ă„nderung des Eigentumsrechts. … Die bisherigen EigentĂĽmer des Bodens könnten ein Erbpachtrecht oder Erbbaurecht erhalten. Die Verwandlung eines im Grunde nicht erlebbaren abstrakten Eigentumstitels in ein anderes Rechtsverhältnis der Bodennutzer zum Grund und Boden hieĂźe, das Land, ohne Beeinträchtigung seiner Nutzer, als Eigentumsobjekt aus dem Verkehr nehmen, es jenseits des Marktes stellen. Damit wäre zugleich einer planvollen ErschlieĂźung des Raumes die Grundlage gegeben.
   Hier aber stoĂźen wir auf den Kern allen Widerstands gegen eine Unterordnung des Bodeneigentums unter das Prinzip des Gemeinwohls. Solange der Boden Erwerbsvermögen ist, darf das Grundeigentum immer dasselbe Recht der freien Verwertung fĂĽr sich in Anspruch nehmen, das fĂĽr alle anderen Arten des kapitalistischen Erwerbs gilt. … Die Verwandlung bisheriger EigentĂĽmer in Erbpächter oder Erbbauberechtigte muss in der Vorstellungswelt jeder unserer herrschenden sog. Volksparteien als ungeheuerlich erscheinen. … Seit mehr als 100 Jahren dreht sich unsere Politik im Kreise. … Es gehört zur Signatur der Zeit, dass sie kein ernsthaftes gesellschaftliches Problem mehr zu lösen vermag. Die Schwierigkeiten werden nur verschoben.“

Bodeneigentum und Gesellschaft – Theorie und Wirklichkeit, in: Folker Schreiber (Hrsg.), Bodenordnung? – Vorschläge zur Verbesserung der Sozialfunktion des Bodeneigentums, Stuttgart/Bern 1969, S. 13-15, 20–22 und 25–26.                                y zur Ăśbersicht


||| Prof. Dr. Hans Christoph Binswanger

„An der Wurzel des heutigen Raubbaus steht ein umweltunfreundlicher Begriff des Eigentums, insbesondere des Eigentums am Boden und an den Bodenschätzen. … Unser Lösungsansatz geht von der Vorstellung aus, dass die Umwelt an sich ein gemeinschaftliches Gut ist. Auf diesen gemeinschaftlichen Aspekt hin sind die Eigentumsrechte auszubauen. In unserer Strategie bedeutet dies jedoch keine Kollektivierung der Nutzung auf staatlicher Ebene. Vielmehr bedeutet es, dass das Eigentum an der Umwelt durch die Einbeziehung der bisher herrenlosen Güter wie Luft, Wasserqualität, Landschafts- und Stadtbild zu erweitern ist. Es muss aber als gemeinschaftliches Patrimonium, als Erbgut, das wir von unseren Vorfahren erhalten haben und unseren Enkeln möglichst gleichwertig weitergeben sollen, betrachtet werden. Heute schon finden sich Ansätze zu einem solchen Patrimonial-Eigentum in Sonderformen des Eigentums wie Forstrecht, Regalrechten, genossenschaftlichen Korporationen. … Im Hinblick auf die Umweltproblematik sind die Allmend- oder Alpkorporationen in Bezug auf ihnen zugrunde liegende Eigentumskonzeptionen von noch größerer Bedeutung.“

Wege aus der Wohlstandsfalle – Der NAWU-Report. Frankfurt/M. 1979, S. 261–267.

„Die ‚Seele’ der Kapitalgesellschaft ist das Kapital, d.h. jenes Geld, das auf Gewinn angelegt wird und seinen Wert nur behält, wenn es Gewinn abwirft, der dann zur Ausschöpfung weiterer Gewinnmöglichkeiten wieder investiert wird, was zu immer weiterer Expansion führt. Das Wesen der Kapitalgesellschaft ist die beschränkte Haftung, indem für die Schulden nur das Kapital, nicht jedoch das übrige Vermögen der Kapitalgeber haftet. …
   Man hat vergessen, dass der Ursprung der juristischen Person in den merkantilistischen Bestrebungen des 16. und 17. Jahrhunderts liegt. Der Merkantilismus war eine Zeit starker Staatslenkung. Damals entstanden die Handelskompagnien, die Vorbilder unserer Kapital- bzw. Aktiengesellschaften. … Juristische Personen bzw. Kapitalgesellschaften sind sozusagen ‚Ausgeburten des Staates’. … Unter diesen Umständen war es nicht anders als konsequent, wenn die dem liberalen Gedanken verpflichtete Französische Revolution alle Handelskompagnien bzw. Aktiengesellschaften aufhob und als handlungsfähige Personen im Rahmen der Wirtschaft nur die natĂĽrlichen Personen anerkannte. Erst zögernd wurden Gesellschaften mit beschränkter Haftung wieder zugelassen. Zur freien GrĂĽndung von Aktiengesellschaften und zur Gleichstellung mit den natĂĽrlichen Personen kam es jedoch auf dem europäischen Kontinent erst im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts. …
   Im 20. Jahrhundert hat sich die Vorstellung der Existenz juristischer Personen und ihrer Gleichstellung mit der natĂĽrlichen Person in allen wirtschaftlichen Belangen so sehr eingebĂĽrgert, dass man ihre kĂĽnstliche Grundlage völlig vergessen hat. Angesichts der Auswucherung der GroĂźkonzerne gilt es jedoch heute sich wieder daran zu erinnern, dass die juristische Person und damit auch die Aktiengesellschaft bzw. der Konzern ein bloĂźes Geschöpf der Rechtsordnung ist und daher durch Ă„nderung der Rechtsordnung ohne weiteres umgestaltet oder sogar aufgehoben werden kann. …
   Es ist kein Zweifel, dass das wirtschaftliche Wachstum ohne die allgemeine Zulassung und Generalisierung der Kapitalgesellschaft und insbesondere der Aktiengesellschaft nicht zustande gekommen wäre. … Die Diskussion, die Anfang und Mitte des 19. Jahrhunderts um die Kapitalgesellschaft gefĂĽhrt wurde, muss wieder neu aufgenommen werden. … Im Sinne einer Durchbrechung des Wachstumszwangs sollte daher auch im Gesellschaftsrecht eine teilweise Re-Personalisierung der Wirtschaft angestrebt werden.“

Wege aus der Wohlstandsfalle - Der NAWU-Report. Frankfurt/M. 1979, S. 274–277.

„Gewiss, 99 Prozent der Menschen sehen das Geldproblem nicht. Die Wissenschaft sieht es nicht, die Ökonomie sieht es nicht; sie erklärt es sogar als ‚nicht existent’. Solange wir aber die Geldwirtschaft nicht als Problem erkennen, ist keine wirkliche ökologische Wende möglich.“

Wirtschaft: Alchemie in Reinkultur, in: Die neue Wirtschaft – Werte im Wandel Nr. 2/1989, S. 1–3.
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||| Prof. Dr. Wolfgang Zeidler

„Der Staat hat in den letzten Jahrzehnten einige Hundert Milliarden dadurch verschenkt, dass er darauf verzichtet hat, die ungeheuren Vermögen, die im Grundeigentum stecken, in einer auch nur annähernd angemessenen Weise zu besteuern. …
   Da gibt es nicht nur fast unerschöpfliche Goldadern, die sich erschlieĂźen lieĂźen, wenn die Politik nicht einer bestimmten Klientel gefällig wäre. Das jetzige Recht bewirkt eine ungeheure Bevorzugung teils des Grundeigentums, teils aber auch der Gewinne, die aus dem Handel mit GrundstĂĽcken flieĂźen. … In den letzten Jahrzehnten sind in den deutschen Ballungsgebieten die GrundstĂĽcke, die gĂĽnstig lagen, enorm im Wert gestiegen. Kein Mensch ist je ernsthaft darum bemĂĽht gewesen, die gewaltigen Wertzuwächse steuerlich anzuzapfen. …
   So hat sich die Rechtsordnung bisweilen dahin ausgewirkt, dass Eigentum in der Hand eines Reichen und Mächtigen auch wirken konnte wie eine gegen die Mitmenschen gerichtete Waffe. … Auch hier hat der allgemeine Realitätsverlust die Erkenntnis verdrängt, welche EinbuĂźen an Chancengleichheit die unumschränkte Herrschaft eines Besitzstandsdenkens bewirkt. Und völlig vergessen wird: Wo die Möglichkeit zur Reform fehlt, wird Revolution legitim.“

Ungerechtigkeiten im Steuer- und Sozialrecht - Interview mit dem frĂĽheren
Verfassungsgerichtspräsidenten Prof. Dr. Wolfgang Zeidler, in: Der Spiegel Nr. 50/1984
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13511243.html                           y zur Ăśbersicht


||| Prof. Dr. Gunnar Heinsohn

„Alle am Zins hängenden Umstände lassen jenen Wirtschaftsmotor ahnen, der sich von allem unterscheidet, was in Stamm, Gutshof und zentraler Befehlswirtschaft für den Fortgang der Gesellschaft den jeweiligen Angelpunkt abgibt. … Der Zins war ein Aufschlag auf Geborgtes und man bekam nichts geborgt, wenn man nicht Zins zusagte. Hierin lag also die auf den ersten Blick so unverständliche Dynamik dieser eben neuen Gesellschaft. … Der Zins war ein Privateigentumsphänomen. … Das Privateigentum also führt zum Zins, zur großen Macht dieser Gesellschaft. …
   Im Inhaltsverzeichnis der „Theorie des kommunikativen Handelns“ von JĂĽrgen Habermas findet man das Wörtchen Zins nicht. In der Literaturliste finden sich Arbeiten, die die gefĂĽrchtete Gottheit Zins erklären könnten, ebenfalls nicht. Sollte in diesem doppelbändigen Werk eine der beiden Hauptfragen, ĂĽber deren notwendige Beantwortung die Gesellschaftsdenker sich verständigt hatten, gar nicht behandelt worden sein? …
   Wir mĂĽssen darauf hinweisen, dass die eigentlichen Spezialisten fĂĽr den Zins keine plausible Antwort auf die Frage nach seiner Entstehung geben können. HeiĂźen sie Adam Smith oder Karl Marx oder seien sie Ă–konomie-Nobelpreisträger der Gegenwart  - alle stellen ja den Tausch ins Zentrum ihrer wirtschaftstheoretischen Ăśberlegungen und mĂĽssen den Zins dann an den Tausch heften. … Keynes ahnte bereits sehr deutlich, dass zu verzinsende Gläubiger-Schuldner-Kontrakte das ‚Steuerungsmedium’ dieser Gesellschaft darstellen. … Das Versagen der Gesellschaftstheorie erweist sich als Vorgang der Verdrängung gewaltiger, die Menschheitsgeschichte zentral bestimmender Ereignisse.“

Zins, Hexen, Habermas – Gesellschaftserklärung oder Wirklichkeitsverleugnung,
in: Neue Praxis – Kritische Zeitschrift für Sozialarbeit und Sozialpädagogik
Nr. 2/1984, S. 180–186.   
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||| Prof. Dr.  Fernand Braudel

„Ohne Tausch gibt es keine Gesellschaft. Auch Städte hat es bereits in der Frühgeschichte gegeben. Man könnte sagen, die Städte und das Geld haben die Moderne hervorgebracht. ...
Die Marktwirtschaft hat ihre Netze über das alltägliche materielle Leben in seiner Gesamtheit ausgebreitet und dieses Netzwerk aufrechterhalten. Über der eigentlichen Marktwirtschaft hat sich dann gewöhnlich der Kapitalismus entfaltet. Man kann sagen, dass sich die Ökonomie der gesamten Welt wie eine Abfolge von Höhenunterschieden auf einer Reliefkarte darstellen lässt. …
Wie lassen sich Kapitalismus und Marktwirtschaft gültig voneinander unterscheiden? … Es gibt zwei Typen von Austausch. Die eine ist alltäglich und basiert auf Konkurrenz, weil er einigermaßen transparent ist. Der andere – die höhere Form – ist komplex und an Herrschaft orientiert. Diese beiden Typen werden weder durch die gleichen Mechanismen noch durch die gleichen Individuen bestimmt. Nicht im ersten, sondern im zweiten Typus liegt die Sphäre des Kapitalismus. … Soll die Hierarchie, die Abhängigkeit eines Menschen von einem anderen Menschen, zerstört werden? ‚Ja’, antwortete Jean-Paul Sartre 1968. Aber ist so etwas überhaupt möglich? … Nach wie vor teilt sich die Welt strukturell in Privilegierte und Nichtprivilegierte. Man könnte von einer Welt-Gesellschaft sprechen, die ebenso hierarchisch strukturiert ist wie die Gesellschaft eines Landes, zwar sehr stark vergrößert, aber dennoch erkennbar. Mikrokosmos und Makrokosmos haben letztlich die gleiche Struktur. …
Was ich bedaure ist, dass man es sowohl in der kapitalistischen als auch in der sozialistischen Welt ablehnt, zwischen Kapitalismus und Marktwirtschaft zu unterscheiden. … Ist die Gesellschaft, die ich für erstrebenswert halte, überhaupt möglich? Jedenfalls vermute ich, dass sie auf dieser Welt nicht sehr viele Anhänger hat.“

Die Dynamik des Kapitalismus (frz. Erstausgabe Paris 1985), Stuttgart 3. Auflage 1997, S. 22, 36–37, 49, 69, 74 und 100.     y zur Ăśbersicht


||| Prof. Dr. Dieter Suhr

„Die Geldverfassung strukturiert von außen, wie die gegenläufig-dialektische Identität von Eigen- und Fremdinteresse bei allen mit Geld verbundenen Geschäften praktiziert und inszeniert wird. Die Geldverfassung bestimmt, ob diese prozedurale und motivationale Identität gelingt oder scheitert und pervertiert wird. Die Menschen stellen sich mit ihren Erfahrungen, Gewohnheiten, Empfindungsweisen und Verhaltensmustern auf diese vorgegebene Geldverfassung ein. Ja, sie trainieren sich die einschlägigen Wertungs- und Entscheidungsgrundlagen im täglichen Umgang mit dem Geld geradezu als zweite, geldbedingte Natur an. Das Geld hat verlockende Jokerqualitäten. Das macht es begehrter als die waren und Leistungen, die man für Geld bekommen kann, um seine anderen Bedürfnisse zu befriedigen. Infolgedessen wird aus dem bedürftigen Menschen in dem Maße, wie er seine menschlichen Bedürfnisse im Übrigen befriedigt hat, der Geldmensch: der homo monetarius. In ihm ist die Geldverfassung restlos als Teil seiner eigenen Bewusstseinsverfassung verinnerlicht. In ihm gewinnt der monetäre Joker Überhand über die eigentlichen menschlichen Bedürfnisse. Der homo monetarius erlebt sich und die anderen Menschen nicht mehr als bedürftige Menschen, sondern als Mittel und Medium der Geldvermehrung. …
   Wird die Geldverfassung drauĂźen in der sozio-ökonomischen Wirklichkeit umgestaltet in dem kleinen, aber entscheidenden Punkt der Durchhaltekosten auf Liquidität, dann werden sich die Menschen sehr schnell praktisch darauf einstellen: zunächst bloĂź aus Klugheit und Geschicklichkeit im wirtschaftlichen Alltag, doch dann allmählich auch in tieferen Schichten ihres Vorstellens, Wahrnehmens, Erwartens und Empfindens. Das tägliche Training hinterlässt, ob sie es wollen oder nicht, Spuren in ihrer Bewusstseinsverfassung. Und am Ende wird der eine oder andere auf die abgestreifte Geldordnung zurĂĽckblicken wie auf Ruinen alter Tempel, deren Götter sich zurĂĽckgezogen haben.“

Die Geldverfassung im System der Bedürfnisse – Plädoyer der praktischen Philosophie
für einen postkapitalistischen Monetarismus, in: Hegel-Jahrbuch 1984/85, S. 67–68.

„Die monetäre Asymmetrie bewirkt mikro- und makroökonomisch Ungleichheiten und Einkommensströme, die im Gegensinne zum Gebot sozialer Gleichheit im sozialen Rechtsstaat laufen. Unser Geld zeugt ökonomische Effekte, die der verfassungsrechtlichen Gleichheit zuwider laufen und die die Gegenseitigkeit von Geschäften in der Geldwirtschaft korrumpieren.“

Gleiche Freiheit – Allgemeine Grundlagen und Reziprozitätsdefizite
in der Geldwirtschaft. Augsburg 1988, S. 93–94.   
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||| Prof. Dr. Wilhelm Hankel

„Die Doppelrolle des Geldes als Tauschmittel für den Güterkauf und alternative dazu als Wertaufbewahrungsmittel für die Vermögensbildung ist in jeder Marktwirtschaft für Überraschungen gut. Geld ist als kein produktions- und beschäftigungsneutraler ‚Schleier’, sondern die ständig tickende ‚Zeitbombe’, die den marktwirtschaftlichen Zusammenhang zwischen gesamtwirtschaftlichem Angebot und gesamtwirtschaftlicher Nachfrage auseinander reißen kann.“

John Maynard Keynes – Die Entschlüsselung des Kapitalismus, München 1986, S. 59.

„Eine Weltwährungsgemeinschaft, die sich darauf verständigen würde, all ihre verschiedenen Währungen nicht wie bisher in einer zur Leitwährung erklärten nationalen Währung, zum Beispiel dem US-Dollar, auszudrücken, sondern dafür eine übergeordnete Kunstwährung heranzuziehen, hätte mit einem Schlage die Weltwährungsdemokratie eingeführt. … Eine Quasi-Weltzentralbank, eine Clearing Union, sollte ein für alle angeschlossenen nationalstattlichen Zentralbanken verbindliches Rechen- und Reservegeld ausgeben, den ‚Bancor’. Sie sollte ferner auf Rechnung dieser Zentralbanken deren Zahlungsbilanzausgleich über die bei der Clearing-Union unterhaltenen Bancor-Konten vornehmen. … Schließlich erfand Keynes noch einen ebenso gerechten wie einleuchtenden neuen Anpassungsmechanismus: Nicht nur Bancor-Schuldner sollten der Bank Kredit- oder Strafzinsen zahlen, sondern auch Bancor-Gläubiger für ihre aus Überschüssen entstandenen Bancor-Guthaben. Dass auch Gläubiger für verdiente Guthaben Zinsen zahlen müssen, das war neu, um nicht zusagen revolutionär.“

John Maynard Keynes – Die Entschlüsselung des Kapitalismus,
MĂĽnchen 1986, S. 70, 77–78, 121 und 131.    
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||| Prof. Dr. Margrit Kennedy

„Geld ist eines der zentralen Probleme im Leben vieler Menschen. Es ist zutiefst mit dem Bild des Menschen von sich selbst und ihrer Beziehung zur Welt verbunden. Großzügigkeit oder Geiz, Offenheit oder Isolation, Wärme oder Kälte spiegeln sich im Verhalten zum Geld wider. Das größte Hindernis für eine Umwandlung des gegenwärtigen Geldwesens liegt darin, dass so wenige Leute das Problem verstehen und noch weniger wissen, dass eine Lösung vorhanden ist.“

Geld ohne Zinsen und Inflation, MĂĽnchen 1991, S. 211–212.    y zur Ăśbersicht


||| Prof. Dr. Maria Mies

„Wenn wir nach einem Gesellschaftsentwurf suchen, der nicht mehr auf der fortgesetzten Kolonialisierung der Natur, der Frauen und fremder Völker basiert, dann können wir uns nicht mehr weiter auf das Paradigma des Industriesystems und auf ‚nachholende Entwicklung’ beziehen. … Der Kampf der Frauen müsste auch darum gehen, dass Land in Frauenhand kommt, nicht notwendigerweise in der Form von Privatbesitz, sondern in der Form eines den Frauen zustehenden Verfügungsrechts.“

Patriarchat und Kapital, ZĂĽrich 1992, S. 276 und 290.      y zur Ăśbersicht


||| Prof. Dr. Kenneth E. Boulding

„George’s Lösung - das Land im privaten Eigentum zu belassen und seinen ökonomischen Wert (‚surplus’) wegzusteuern - hat den großen Vorzug einer einfachen Realisierbarkeit. Sie ist ein vernachlässigtes Instrument der Sozialpolitik. Sie sollte von Ökonomen, Sozialwissenschaftlern, Philantropen, Reformern und Politikern noch viel ernster genommen werden.“

A Second Look at „Progress and Poverty“, in: Towards a New Economics – Critical Essays
on Ecology, Distribution and Other Themes. Worchester 1992, S. 169.     
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||| Prof. Dr. Karl Georg Zinn

„Mit der seit den 1970er Jahren zunehmenden Abkopplung der Finanztransaktionen von der realwirtschaftlichen Entwicklung wurde ein Auseinanderdriften von Geldkapitalakkumulation und Sachkapitalbildung programmiert, das zuvor für kaum möglich gehalten wurde. Die relative Verselbständigung des Finanzkapitals und der finanziellen Spekulationsprozesse steigert die inneren Risiken der Finanzsphäre, aber damit zugleich auch die Risiken für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung. Je umfangreicher und komplexer die finanziellen Transaktionen gestaltet werden, desto höher wird die Störanfälligkeit. Die tendenzielle Zunahme spekulativer Kapitalverwertung in Relation zur handfesten (Mehrwert-)Produktion des alten Industriekapitalismus verschiebt auch die psychologischen Orientierungen. Anstelle des unternehmerischen Machers, der über Produktion, Beschaffung, Absatz und dergleichen wertschöpfungsrelevante Bereiche Bescheid weiß, tritt der neue Typus des ‚Gewinnmachers ohne Produktion’. Wo Gewinnstreben nicht den schweißtreibenden Umweg über die Produktion nimmt, sondern sich in Spielermentalität der Spekulation hingibt, steigen die Risiken und das Fehleinschätzungspotenzial. … Die theoretische Vorstellung der Klassiker und Neoklassiker, dass von der monetären Sphäre keine realwirtschaftlichen Effekte ausgingen, war zwar von Anfang an nur eine papierene Lehrbuchformel, aber die Instabilitätsrisiken der Finanzsphäre sind heute weitaus größer als in der Vergangenheit. … Die traditionelle Vorstellung, dass der Geld- und Finanzsektor gegenüber dem produktiven, realwirtschaftlichen Bereich eine Hilfsfunktion ausüben soll, ist leider überholt.“

Die neue Qualität des Finanzkapitals,
in: Wirtschaft und Gesellschaft Nr. 1/1993, S. 60 und 64–65.      
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||| Prof. Dr. Carlo Jaeger

„Man kann sich eine Wirtschaft im ‚Zustand der Beständigkeit’ vorstellen, in der Wachstum nicht länger als wünschenswert angesehen würde und in der Zinssätze und Profitraten um null Prozent fluktuieren würden. … Eine Verringerung der Zinssätze auf null erfordert wichtige Modifikationen der heutigen monetären Institutionen. Man braucht zu diesem Zweck irgendeine Liquiditätsgebühr. Die Liquiditätspräferenz könnte durch die Einführung von Geld mit Zeitkennzeichnung dauerhaft gesenkt werden. … Eine Reduktion normaler Profitraten und Zinssätze auf null würde zwischen Nutzungs- und Eigentumsrechten an Renten abwerfenden Ressourcen eine scharfe Trennlinie ziehen. Die alte Idee einer öffentlichen Eigentümerschaft an Land wäre die auf der Hand liegende Lösung des Problems der Eigentumsrechte an Renteneinnahmequellen. Solche Einkommensquellen wären öffentliches Eigentum und die öffentliche Hand würde an periodischen Auktionen frei handelbare Nutzungsrechte verkaufen. … Die systematische Tendenz der heutigen Wirtschaft, Umweltkrisen zu vergrößern, käme unter diesen Bedingungen zu einem Ende.
   NatĂĽrlich braucht es zur Untersuchung der wechselwirkenden Dynamik von Zinssätzen und Profitraten, die zu einer Wirtschaft im Zustand der Beständigkeit fĂĽhren können, noch manche Forschungsanstrengung. Es handelt sich dabei jedoch um eine Forschungsaufgabe von beträchtlicher Bedeutung fĂĽr jegliche langfristige Lösung der globalen Umweltkrise.“

Die Zähmung des Drachens – Führt der globale Schock zu einer ökologischen Wende?,
Opladen 1996, S. 29–31 und 290–293.   
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||| Prof. Dr. Heinz D. Kurz

„Die Frage nach der moralischen Berechtigung, den Ursachen und der Höhe des Zinses ist alt. Mit einer gewissen Übertreibung kann gesagt werden, dass der Unterschied zwischen den modernen, auch ‚bürgerlich’ oder ‚kapitalistisch’ genannten Gesellschaft und der alten, antiken bzw. mittelalterlichen Gesellschaft sich darauf zuspitzen lässt, ob die Zinsnahme als billig und nützlich angesehen wird oder nicht. Während in der Antike und im Mittelalter die Auffassung vorherrschte, dass es sich beim Zins um eine widernatürliche bzw. Gott nicht gefällige Angelegenheit handelt, wird er in der modernen Gesellschaft gemeinhin als nicht weiter zu hinterfragende Selbstverständlichkeit akzeptiert. …
   Die in jĂĽngerer Zeit vorgestellten kapital- und zinstheoretischen Ansätze enthalten nichts genuin Neues, sieht man von wenigen Ausnahmen ab. Man könnte sagen: Alte Bekannte kommen maskiert zum Feste. Geläufige Ideen werden neu und raffinierter gefasst, logische Inkonsistenzen frĂĽherer Formulierungen vermieden, von der Mathematik wird als Hilfsmittel ĂĽppig Gebrauch gemacht. … So ist die in der Nationalökonomie heute dominierende Auffassung ein Abkömmling der Produktivitätstheorie und begreift den Profit bzw. Zins als Knappheitspreis eines Faktors, genannt ‚Kapital’. Wie auch erwähnt, steht es um diese Theorie nicht besonders gut; aber da sie zahlreiche wĂĽrdige Häupter zu ihren Anhängern zählt, wird sie so falsch nicht sein  - so anscheinend der Glaube vieler. …
   Interessanterweise lobt Keynes in seiner ‚General Theory’ die Kanonisten dafĂĽr, dass sie den Zins niedrig zu halten trachteten. … Was den Geldzins anbelangt, argumentiert Keynes wie folgt: Der Zins sei nicht der Preis, der die Nachfrage nach investierbaren Fonds mit dem Angebot an solchen zum Ausgleich bringt, wie traditionellerweise behauptet werde, sondern der Preis fĂĽr die Aufgabe von Liquidität. Mit dieser Auffassung wendet sich Keynes gegen die seit David Hume und Adam Smith vertretene Auffassung, dass das Horten von Geld irrational sei. … Die Pointe des Keynesschen Entwurfs besteht im Versuch der Integration real- und geldwirtschaftlicher Aspekte – eine Integration, die bisher noch keiner Theorierichtung erfolgreich gelungen ist und als Aufgabe fortbesteht. … Die Frage nach den adäquaten produktions-, preis- und verteilungstheoretischen Grundlagen der Nationalökonomie ist daher aufs Neue gestellt. Man wird sehen, welche Antworten hierauf die Zukunft bereit hält.“

Zins, Geld, Profit und Kapital: Ein theoriegeschichtlicher Abriss,
in: Rupert Riedl und Manuela Delpos (Hg.), Die Ursachen des Wachstums:
unsere Chancen zur Umkehr. Wien 1996, S. 139 und 159–160.     
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||| Prof. Dr. Gerhard Scherhorn

„200 Jahre lang wurden wir mit zusehends größerer Einseitigkeit an den ökonomischen Imperativ gewöhnt, der uns vorschreibt, unser Verhalten am privaten materiellen Vorteil zu orientieren. … Kapitaldominierte Entscheidungen sind mechanisch und unpersönlich; sie folgen allein dem Rentabilitätskalkül. … Nach der Logik der Zinseszinsrechnung muss das eingesetzte Kapital mit mindestens gleich bleibender Rate wachsen, also exponentiell. Heute erwarten viele Anleger sogar zunehmende Raten. … Der geforderte Kapitalzins muss durch größere Naturausbeutung oder/und geringere Zahlungen an die Arbeitnehmer finanziert werden. Die Produktionsfaktoren Arbeit und Umwelt werden vom dritten, dem Kapital, langsam ausgesaugt. Seine ungezügelte Expansion schnürt ihnen die Luft ab. … Der technische Fortschritt wird allein vom Kapital gesteuert. Unbehindert von ökologischen und sozialen Rücksichten kann es sich einer einzigen Aufgabe widmen, der exponentiellen Vermehrung der Geld- und Kapitalvermögen. … Der Ausweg kann nur darin liegen, der Kapitalexpansion in marktkonformer Weise ökologische und soziale Grenzen zu setzen. Die gesamte Bevorzugung des Kapitals müsste zurückgenommen werden.“

Arbeitsplatzvernichtung und Umweltzerstörung haben die gleiche Ursache.
Wuppertal: Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt, Energie, 1997, S. 15 und 19–21.

„Das Privateigentum hat viele kleine Herrscher geschaffen, aber um den Preis, dass es die Natur- und Sozialferne verallgemeinert hat. Auf die Spitze getrieben erscheint das in der Unternehmensform der Aktiengesellschaft, in der das Privateigentum im Grunde überhaupt keinem Menschen Autonomie verleiht, sondern die gesellschaftliche Funktion hat, das Kapital zu verewigen und sein unbegrenztes Wachstum zu sichern. Denn die Aktiengesellschaft ist diejenige Institution, die verhindern soll, dass das Kapital wie die beiden anderen Produktionsfaktoren Natur und Arbeit in einem zyklischen Verlauf aufsteigt und wieder vergeht. Mit Hilfe dieser Institution und der Zinseszinsen kann das kapital immer weiter wachsen, ohne an das natürliche Stirb und werde gebunden zu sein.“

Der Mythos des Privateigentums und die Wiederkehr der Commons;
in: Adelheid Biesecker, Wolfram Elsner, Klaus Grenzdörfer (Hg.), Ă–konomie der Betroffenen und Mitwirkenden - Erweiterte Stakeholder-Prozesse. Pfaffenweiler 1998, S. 36.    
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||| Prof. Dr. Franz-Xaver Kaufmann

„Bekanntlich steigt in Europa seit 1974 die Arbeitslosigkeit trendmäßig mit jedem neuen Konjunkturzyklus an, und ein Ende ist nicht abzusehen. Über die Ursachen und erst recht über mögliche Therapien sind die Gelehrten wie auch die Politiker tief zerstritten. … Mehr und mehr scheinen sich die Inhaber großer Kapitalien von Transaktionen auf den Finanzmärkten größere Gewinne zu erhoffen als von Investitionen; das heißt, ihre Liquiditätspräferenz nimmt zu, was tendenziell das Beschäftigungsniveau beeinträchtigt. So stieg zwischen 1990 und 1995 die weltweite Güterproduktion um ein Drittel, die Exporte vermehrten sich um die Hälfte, die Umsätze auf den Finanzmärkten dagegen stiegen um 230 %. Bezogen auf das Jahr 1972 hat sich die Weltproduktion verachtfacht und das Volumen der Exporte verdreizehnfacht. Die Umsätze auf den Finanzmärkten sind dagegen um das 43fache gestiegen. Der Finanzsektor ist der am stärksten wachsende Sektor der Weltwirtschaft.“

Globalisierung und Gesellschaft, in: Aus Politik und Zeitgeschichte –
Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament Nr. 18/1998, S. 8.    
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||| Prof. Dr. Elinor Ostrom

„Es vergeht kaum eine Woche ohne einen größeren Bericht in den Medien über die drohende Zerstörung einer wertvollen Naturressource. … Weder der Staat noch der Markt ist stets ein Garant für nachhaltige und produktive Nutzung der Naturressourcen. … Die Annahme, ein externer Leviathan sei zur Vermeidung von Allmendetragödien notwendig, führt zu der Empfehlung, dass die Mehrzahl der Ressourcensysteme von Behörden eines Zentralstaats kontrolliert werden müssen. ‚Eiserne Regierungen’, wenn nicht gar Militärregime seien notwendig, um die ökologischen Probleme unter Kontrolle zu bringen. … Andere Politologen haben … die Einführung privater Eigentumsrechte gefordert, wo immer sich Ressourcen im Kollektivbesitz befinden. … Sowohl die Verfechter der Zentralisierung wie der Privatisierung setzen dogmatisch voraus, der institutionelle Wandel müsse von ‚außerhalb’ kommen und den betroffenen Individuen oktroyiert werden. … Ich plädiere für keine der beiden Positionen. … Es gibt nicht eine einzige Lösung für ein einzelnes Problem, sondern es existieren viele Lösungen, die mit vielen verschiedenen Problemen fertig zu werden versuchen. … Warum sind einige Versuche, Allmendenprobleme zu lösen, gescheitert, während andere erfolgreich waren? … Viele erfolgreiche Allmende-Ressourcen-Institutionen sind vielfältige Mischformen aus markt- und staatsähnlichen Institutionen, die sich einer Klassifizierung in eine sterile Dichotomie entziehen. … Ein Wettbewerbsmarkt ist selbst ein öffentliches Gut. … Ohne zugrunde liegende öffentliche Institutionen, die ihn aufrechterhalten, kann kein Markt lange existieren. … Eine wichtige Aufgabe, vor der Politologen stehen, ist die Entwicklung von Organisationstheorien, die auf einer realistischen Einschätzung der menschlichen Fähigkeiten und Grenzen im Umgang mit einer Reihe von Situationen basieren, die anfangs einige oder gar alle Merkmale einer Tragik der Allmende aufweisen. … Die vorgestellten empirischen Studien resümieren wichtige Allmende-Ressourcen-Fallbeispiele, die mein Verständnis der Prozesse der Selbstorganisation und Selbstverwaltung vertieft haben. … Alle Versuche, kollektives Handeln zu organisieren – sei es durch eine externe Behörde, einen Unternehmer oder eine Gruppe von Akteuren, die kollektive Vorteile realisieren wollen - , haben es mit einer Reihe gemeinsamer Probleme zu tun. Siemüssen mit dem Trittbrettfahren fertig werden, Probleme der Selbstverpflichtung lösen, neue Institutionen einführen und die Einhaltung ihres Regelsystems überwachen.“

Prof. Dr. Elinor Ostrom, Die Verfassung der Allmende – Jenseits von Staat und Markt, Tübingen 1999, S. 1, 11 – 12, 15, 18 – 19, 30 und 34 – 35.
Vgl. auch das Interview mit Elinor Ostrom „Wir dürfen uns nicht nur auf Klimaabkommen verlassen“ auf der Website
http://www.zeit.de/wirtschaft/2009-10/interview-ostrom           y zur Ăśbersicht


||| Prof. Dr. Immanuel Wallerstein

„Das moderne Weltsystem existiert seit dem langen 16. Jahrhundert. Es war und ist ein kapitalistisches Weltsystem, d.h. ein System, das gemäß dem Primat endloser Kapitalakkumulation operiert. …
Sicherlich degenerieren Revolutionen aller Art aus äußeren wie aus inneren Gründen. … Die ideologische Zelebrierung der so genannten Globalisierung ist in Wahrheit der Schwanengesang unseres historischen Systems. … Wir leben in einer Phase des Übergangs von unserem existierenden Weltsystem, der kapitalistischen Weltwirtschaft, zu einem anderen System oder anderen Systemen. Wir wissen nicht, ob dies zum Besseren oder zum Schlechteren sein wird. Wir werden dies erst wissen, wenn wir dorthin gelangt sind, was möglicherweise noch weitere 50 Jahre dauern kann. …
Der Kapitalismus ist ein System, das die endlose Akkumulation von Kapital zulässt und bekräftigt. Um ein solches System weiterhin erfolgreich zu halten, müssen Kapitalisten bei ihren Investitionen große Profite machen. … Die Konkurrenz ist dem Erzielen großer Profite abträglich. …
Obwohl die Dinge, die wir durchleben werden, schrecklich sind, so werden sie doch nicht permanent sein. Wir wissen, dass chaotische Zustände von selbst neue Ordnungssysteme produzieren. … Wenn man den Primat endloser Kapitalakkumulation eliminiert, so würde dies wahrscheinlich zu einer großen Vielfalt hinsichtlich der Größe wirtschaftlicher Unternehmen führen. Zweifellos würde es weniger gigantische und mehr mittlere Strukturen geben statt der unaufhörlichen Vergötzung der Vergrößerung. … Das erste strukturelle Element, das ich als eine mögliche Basis für ein alternatives System anbiete, ist die Errichtung von dezentralisierten gemeinnützigen Betrieben als Grundlage für den Produktionsmodus innerhalb dieses neuen Systems. … Wie würden vielfältige gemeinnützige Produktionsbetriebe zusammenpassen? Vielleicht … durch den Markt, den wirklichen Markt und nicht den monopolistisch kontrollierten Weltmarkt, den wir im augenblicklichen System haben. Brauchen wir irgendeine Regulierung? Zweifellos zu einem gewissen Grad, vielleicht so etwas wie Verkehrsampeln an einer viel befahrenen Straße. Behörden, die sich mit der Produktionsplanung befassen, braucht es nicht zu geben. Die Regulierung könnte sich darauf beschränken, Betrug zu bekämpfen, den Informationsfluss zu verbessern und bei Über- oder Unterproduktion Warnsignale zu senden. …
Wie gelangen wir dorthin und was können wir in den nächsten 25 bis 50 Jahren tun, um zu einem historischen Gesellschaftssystem zu kommen, das eine höhere ‚materiale Rationalität’ (Max Weber) aufweist? Damit wären wir wieder bei der Übergangsphase, der Periode der ‚Hölle auf Erden’.“

Utopistik – Historische Alternativen des 21. Jahrhunderts (amerikanische Erstausgabe 1998), Wien 2002, S. 15, 17, 41, 43–44, 73, 81, 85–87.                                                       y zur Ăśbersicht


||| Prof. Dr. Bernard A. Lietaer

„Unser vorherrschendes Währungssystem ist ein unbewusstes Produkt der Weltsicht des modernen Industriezeitalters. … Niemals zuvor hatten Währungsfragen überall auf der Welt einen so großen Einfluss auf die Politik. Und deshalb tun wir gut daran, wenn wir uns informieren, um was es geht. …
   Mittlerweile sind 98 Prozent aller Devisentransaktionen spekulativer Natur und nur 2 Prozent hängen mit realen Geschäften zusammen. … Alle Regierungen auf der Welt werden heute von den globalen Devisenmärkten kontrolliert. Wenn eine Regierung irgendwo auf der Welt es wagt, sich diesem finanziellen ‚Diktat’ zu widersetzen, wird auf der Stelle eine Kapitalflucht einsetzen und die Regierung wieder zur Raison bringen. … Die Wahrscheinlichkeit fĂĽr einen Crash wächst mit der Zunahme der spekulativen Kapitalbewegungen. …
   Wenn sich die Arbeitsmarktsituation nicht wie durch ein Wunder verbessert, muss man mit wachsenden Spannungen rechnen, von denen nur extremistische und nationalistische Parteien profitieren. … Seltsamerweise widmet weder die Wirtschaftswissenschaft noch die Geldtheorie der emotionalen Seite des Geldes irgendwelche Aufmerksamkeit. … Unser jetziger Umgang mit Geld muss sich grundlegend ändern.“

Das Geld der Zukunft – Über die destruktive Wirkung des existierenden Geldsystems
und die Entwicklung von Komplementärwährungen. München 1999,
S. 37, 61, 64, 98, 108, 206, 348 und 374.     
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||| Prof. Dr. Joseph Stiglitz

„Die heftige Reaktion gegen die Globalisierung zieht ihre Kraft nicht nur aus dem sichtbaren Schaden, den eine ideologisch verbohrte Politik den Entwicklungsländern zufügt, sondern auch aus den gravierenden Ungerechtigkeiten im Welthandelssystem. Heute verteidigen … nur noch wenige die Heuchelei, so zu tun, als wolle man den Entwicklungsländern helfen, während man gleichzeitig eine Politik betreibt, die die Reichen noch reicher und die Armen noch ärmer – und immer zorniger – macht. …
   Der IWF hat sich seit seiner GrĂĽndung stark verändert. … Keynes wĂĽrde sich im Grab umdrehen, könnte er sehen, was aus seinem Kind geworden ist. … Viele der wirtschaftspolitischen Auflagen des IWF, vor allem die verfrĂĽhte Liberalisierung des Kapitalmarkts, verschärften die Instabilität der Weltwirtschaft. … Der IWF schätzt einerseits die Märkte allzu optimistisch ein, während er andererseits eine allzu geringe Meinung vom Staat hat. …
   Es gibt alternative Strategien, die zum Beispiel eine Bodenreform beinhalten, aber keine Liberalisierung des Kapitalmarktes, Strategien, die vor die Privatisierung einen wettbewerbspolitischen Rahmen setzen und die dafĂĽr sorgen, dass die Handelsliberalisierung von der Schaffung von Arbeitsplätzen begleitet wird. Es ist wichtig, in Zukunft Alternativen auszuprobieren und auszuloten.“

Die Schatten der Globalisierung, Berlin 2002, S. 13, 27, 30 und 107-108.       y zur Ăśbersicht



||| Prof. Dr. Hermann Knoflacher

Die heutige Behandlung des Kapitals steht im krassen Widerspruch zu den Gesetzen unseres Universums und muss damit zwangläufig zu den bekannten Konflikten und Zerstörungen führen. Geld ist daher an die Leistung zu koppeln. Eine Geldvermehrung ohne Leistung darf nicht stattfinden. Geld hat bei Transfer und bei Lagerung Verluste hinzunehmen, ebenso wie die Energie. Die Fachworte dafür heißen Tobinsteuer und Negativzinsen. Mit diesen Maßnahmen kann der Widerspruch zwischen der Irrealität der Ökonomie und der realen Welt abgebaut werden. … Nicht die Menschen oder die demokratischen Regierungen bestimmen heute, was Wirtschaft ist, sondern Konzerne. Die Regierungen agieren heute wie die hilflosen Zauberlehrlinge, die den Zauberspruch vergessen haben. … Der Lösungsweg ‚von unten’ lautet: Entkopplung aus dem Geldkreislauf durch lokale Währungen und lokale Kreisläufe.“

Kapitalismus gezähmt?,
in: Klaus Woltron, Hermann Knoflacher und Agnieszka Rosik-Kölbl (Hrsg.).
Wege in den Postkapitalismus, Wien 2004, S. 60–61.      
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||| Prof. Dr. Christoph Deutschmann

„Wenn man nach überzeugenderen Erklärungen für die heutige Krise sucht, muss man bereit sein, unkonventionelle Erklärungen zu überprüfen. … Es wird immer schwieriger, die wachsenden Geldvermögen durch Investitionen zu absorbieren. Die Folge ist eine chronische Überschussliquidität an den Finanzmärkten, ein Überhang an Anlage suchendem Kapital, der sich in spekulativen Turbulenzen Luft verschafft. … Keine Gesellschaft kann uferlos Innovation und schöpferische Zerstörung betreiben. …
   Die Vermögensdynamik mĂĽsste gestoppt, die extrem ungleiche Verteilung der Finanzvermögen und Einkommen korrigiert werden. Die Zins- und Renditeerwartungen der KapitaleigentĂĽmer, die ja bislang im Gegensatz zu Löhnen, Renten und Sozialleistungen als sakrosankt gelten, dĂĽrften dann nicht länger tabu sein. Eine radikale Zinssenkung wĂĽrde fĂĽr die Wirtschaft eine beträchtliche Kostenentlastung bedeuten und sowohl den Zwang zum Wachstum als auch die Gefahr eines Abschwungs vermindern. Es gibt nämlich nicht nur einen Abgabekeil bei den Sozialkosten  - es gibt auch einen Zinskeil, der bei nahezu allen Kosten direkt oder indirekt beträchtlich zu Buche schlägt, nach realistischen Schätzungen mit 30 – 40 Prozent. Aber eine kapitalzinsfreie Wirtschaft lässt sich nicht mit einem Schlag durch geldtechnische Eingriffe herbeifĂĽhren. … Die Hypertrophie der Finanzvermögen ist ein politisch, nicht nur geldtechnisch zu lösendes Problem.“

Gibt es eine Alternative zur keynesianischen Fiskalpolitik?
in: Leviathan – Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft Nr. 2/2004, S. 154–163.
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||| Prof. Dr. Peter Ulrich

„Der belohende und strafende Finanzmarktgott entzieht einer autonomen Wirtschaftsordnungspolitik der einzelnen Staaten weitgehend den Boden. Dabei wirkt die Globalisierung gleich doppelt, sowohl von außen als auch von innen, auf das tendenzielle Ende der staatlichen Wirtschaftspolitik hin. … Gegen den ökonomistischen Zeitgeist ein ethisch orientiertes, ‚zivilisiertes’ Verständnis von nationaler und supranationaler Ordnungspolitik zu vertreten, braucht vorerst noch ziemlichen Mut.“

Zivilisierte Marktwirtschaft – Eine wirtschaftsethische Orientierung,
Freiburg 2005, S. 164 und 184.    
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|||   Prof. Dr. Mohssen Massarrat

„Grundsätzlich sind natürliche Ressourcen das Erbe der Menschheit und dürfen daher in ihrem Gebrauch nicht durch Personen oder Staaten monopolisiert werden. Insofern verlangt die moralische Maxime der Chancengleichheit, dass die UN-Vollversammlung den gesamten Globus zum Erbe der Menschheit erklärt. Personen und Staaten wären dann nicht mehr Eigentümer, sondern bloße Besitzer von Bruchteilen der Natur. Eigentlicher Eigentümer wäre die Menschheit in ihrer Gesamtheit. Ausnahmslos jeder hätte einen gleichen Anspruch auf vorhandene Ressourcen.
Die gegenwärtigen ökonomischen Aktivitäten ließe die universale Vergesellschaftung unberührt. Privatpersonen oder Staaten würden freilich juristisch in den Status von Besitzern, Pächtern oder Nutzern versetzt und müssten je nach Naturproduktivität an einen von den UN verwalteten Ausgleichsfonds Pacht oder Rente zahlen. Dabei bliebe die Marktförmigkeit der Nutzung – solange es keine bessere Alternative gibt – unangetastet. Und man bräuchte Regeln, um der gesamten Menschheit die erwirtschafteten Einnahmen zurückzugeben, sowie Staaten, denen es an natürlichen Ressourcen fehlt, daran teilhaben zu lassen. …
Chancengleichheit als Universalprinzip legt eine neue Gesellschaftsperspektive jenseits von Kapitalismus und Sozialismus frei.“

Chancengleichheit als Universalprinzip, in: Freitag Nr. 46 vom 16.11.2007 www.freitag.de/2007/46/07461001.php       y zur Ăśbersicht


|||   Dr. Stephan Schulmeister

„Gewinnstreben und Vermögensbildung von Unternehmen und Haushalten haben sich in den vergangenen 25 Jahren zunehmend auf Finanzveranlagung und –spekulation verlagert. Dieser ‚Megatrend’ ist in Deutschland besonders markant ausgeprägt. ‚Paradekonzerne’ wie Siemens stoĂźen immer mehr Teile ihrer industriellen Produktion ab und weiten gleichzeitig ihre ‚treasuries’ aus. Diese erzielen auf den Finanzmärkten hohe Renditen. Solche ‚opportunity profits’ beschränken das Volumen realwirtschaftlicher Investitionen, da realwirtschaftlich Anlegende ähnlich hohe Renditen wie auf den Finanzmärkten fordern. Die Banken verlagern (daher) ihre Aktivitäten von der Investitionsfinanzierung zum ‚asset management’ (Musterbeispiel: Deutsche Bank).   Der Finanzboom hat auch die ‚RenditeansprĂĽchlichkeit’ der privaten Haushalte gesteigert. Unterschiedlichste Investmentfonds verheiĂźen entsprechende Renditen. Bei nahezu stagnierender Realwirtschaft stellen Bewertungsgewinne die wichtigste Profitquelle dar: Hohe Renditen werden daher nur in Phasen boomender Aktienkurse erzielt.
Große Privatvermögen werden vorzugsweise in Hedge Funds vermehrt. Diese erzielen Profite primär auf zwei Arten, als Private Equity Fund (‚Heuschrecke’) oder als ‚Systemspieler ‚ auf Finanzmärkten (‚trend followers’). In beiden Fällen werden kaum reale Werte geschaffen, sondern primär (Bewertungs-)Gewinne durch Umverteilungen erzielt. Gelingt es etwa einem Private Equity Fund, den Unternehmenswert durch Lohnkürzungen zu steigern, so steht dem höheren Barwert der künftigen Gewinne der geringere Barwert der künftigen Lohnzahlungen gegenüber.
Der Staat fördert diese Finanzakkumulation. Bewertungs- und Spekulationsgewinne sind steuerlich besser gestellt als Gewinne aus realwirtschaftlicher Tätigkeit, überdies profitieren Finanzsektor und Aktienmarkt von der Förderung der privaten Altersvorsorge. …
In der ersten Hälfte der Nachkriegszeit konzentrierte sich das unternehmerische Gewinnstreben auf Realinvestitionen und damit indirekt auf die Schaffung von Arbeitsplätzen. … Mit dem Übergang vom Realkapitalismus zum Finanzkapitalismus im Verlaufe der 1970er Jahre musste sich die Dynamik von Realakkumulation, Wirtschaftswachstum und Beschäftigung nachhaltig abschwächen, denn finanzkapitalistische Rahmenbedingungen verlagern das Gewinnstreben zur Finanzveranlagung und –spekulation. …
Die Eliten in Wissenschaft, Medien und Politik werden den irrationalen Charakter des finanzkapitalistischen Systems in seiner Gesamtheit noch einige Zeit nicht ‚wahr nehmen’ (können). Täten sie es, sie würden den Glauben an die ökonomische Fundamentalwahrheit verlieren: Nur die Konkurrenz von Individuen auf freien Märkten ermöglicht das gesamtwirtschaftliche Optimum. Viel zu viel wurde in den letzten 30 Jahren in die Renovierung dieser Theorie des 19. Jahrhunderts investiert, als dass man sie rasch abschreiben könnte. Allerdings: Der Holzwurm des Zweifels bohrt bereits seine Gedankengänge in ihrem Gebälk.“

Finanzspekulation, Arbeitslosigkeit und Staatsverschuldung;
in: Intervention – Zeitschrift fĂĽr Ă–konomie Nr. 1/2007, S. 73–74, 89-90 und 96-97 
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||| Prof. Dr. Jörg Huffschmid

„Die Finanzvermögen sind zwischen 1970 und 2005 von ungefähr 12 Bill. Dollar auf 140 Bill. Dollar, also auf fast das Zwölffache gewachsen. Diese Zunahme war fast dreimal so stark wie die der Weltproduktion, die in der gleichen Zeit nur von 10,1 auf 44,5 Bill. Dollar stieg, also um den Faktor 4,4. … Was hat zu diesem explosiven Wachstum des Finanzsektors geführt? Die Hauptursachen waren die Umverteilung von Einkommen von unten nach oben sowie die zunehmende Privatisierung der Rentensysteme während der letzten 30 Jahre. …
Zur Betreuung und Vermehrung der Finanzvermögen hat sich im Laufe der letzten drei Jahrzehnte – teils durch und mit, teils neben und in Konkurrenz zu den Banken und Versicherungen – eine neue Dienstleistungsbranche herausgebildet, deren bedeutendster Teil die Finanzinvestoren sind. … Auf sie entfielen im Jahr 2006 drei Viertel (62 Bill. Dollar) der insgesamt gut 80 Bill. Dollar privaten Finanzvermögens. … Das durch Private Equity und Hedgefonds angelegte Vermögen hat in den Jahren nach der letzten Finanzkrise besonders stark zugenommen. Bei den Hedgefonds ist es zwischen 2002 und 2006 von knapp 0,6 auf gut 1,5 Bill. Dollar gestiegen, bei den Private-Equity-Unternehmen hat es sich von knapp 100 Mrd auf 365 Mrd. Dollar mehr als verdoppelt. …
Mit dem Aufbau riesiger Finanzmassen bei gleichzeitig schwachem Wirtschaftswachstum hat sich die Funktion der Finanzmärkte grundlegend verändert. Von Institutionen, deren Hauptaufgabe die Bereitstellung von Kapital zur Finanzierung produktiver Investitionen war, sind sie zu Einrichtungen geworden, an denen Anlagemöglichkeiten für das reichlich vorhandene Kapital gesucht werden. Der Engpassfaktor ist nicht mehr das Kapital, sondern seine Anlagemöglichkeit. Das Steuerungs- und Entscheidungszentrum verschiebt sich vom produzierenden Unternehmer zum Finanzinvestor. …
Der langfristig zunehmende Druck der Finanzinvestoren hat bereits zu einer merklichen Verschiebung der machtpolitischen Konstellationen zugunsten des Kapitals geführt, besonders, aber nicht ausschließlich zugunsten der Finanzkonzerne. Insofern sind die Finanzinvestoren die historischen Exekutoren der umfassenden wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Gegenreform, die seit Mitte der 1970er Jahre stattfindet. … Eine langfristige Überwindung der Destabilisierung und Unterwerfung ganzer Gesellschaften unter das Regime der Finanzmärkte macht es erforderlich, an den Ursachen ihrer außerordentlichen Dynamik anzusetzen. … Die Schlüssel zur langfristig wirksamen Gegensteuerung liegen in einer Umverteilung von Einkommen und Vermögen von oben nach unten und in einer Stärkung der öffentlichen umlagefinanzierten Rentensysteme.“

Jenseits der Spekulationskrise – Das Diktat der Finanzmärkte und Perspektiven der Gegensteuerung, in: Blätter fĂĽr deutsche und internationale Politik Nr. 11/2007, S. 1332-1341      y zur Ăśbersicht


||| Peter Barnes

„Die Nachfrage nach dem Grund und Boden steigt beständig – und somit auch seine Rente. Grundeigentümer profitieren folglich von dem, was John Stuart Mill ‚unverdienten Vorteil’ genannt hatte: der Wertsteigerung des Bodens, die nicht den Bemühungen der Eigentümer zuzuschreiben ist, sondern allein der gesellschaftlich erzeugten Nachfrage, die auf ein beschränktes Angebot guten Bodens trifft.
   Noch weiter ging der unterschätzte amerikanische Ă–konom Henry George. In Anbetracht von Glanz und Elend des ‚Gilded Age’ kam er zu der folgerichtigen Frage: Warum gibt es trotz des Wirtschaftswachstums nach wie vor Armut? Die Antwort lag, wie er dachte, in der Aneignung der Bodenrente durch GrundeigentĂĽmer. … George befĂĽrwortete eine starke Besteuerung von Grundbesitz und die Abschaffung aller ĂĽbrigen Steuern. Die Mainstream-Ă–konomie hat ihn niemals ernst genommen.
   Im 20.Jahrhundert hatten die Ă–konomen das Interesse an dieser Grundrente weitgehend verloren. Im Vergleich zu Kapital und Arbeit schien sie ein belangloser Faktor der Vermögensbildung zu sein. Aber die ökologische Krise des 21. Jahrhundert rĂĽckt die Rente wieder in den Mittelpunkt des Interesses. Nur ist es nunmehr nicht allein der Boden, der knapp ist. Rar sind nun auch sauberes Wasser, ungestörte Lebensräume, Artenvielfalt, MĂĽllaufnahmevermögen und unversehrte Ă–kosysteme.
   Das bringt uns zu den Gemeineigentumsrechten zurĂĽck. Die Festlegung und Zumessung von Eigentumsrechten sind die wichtigsten Dinge bei der Bestimmung, wer wem wofĂĽr etwas zahlen soll. Wenn zum Beispiel Verschmutzungsrechte den frĂĽheren Emittenten kostenlos ĂĽberlassen werden, dann wird ihnen auch die Rente auf die schadstoffbelasteten Ă–kosysteme zufallen. … WĂĽrden Verschmutzungsrechte hingegen Trusts ĂĽbertragen, welche die Geschädigten und kĂĽnftige Generationen vertreten, und wĂĽrden diese Trusts den Emittenten jene Rechte verkaufen, dann fiele die Gemeinschaftsrente nicht den Emittenten, sondern den Trusts zu. Teilten die Trusts dieses Geld dann einerseits in Pro-Kopf-Dividenden und andererseits in Investitionen in öffentliche GĂĽter, so hätte jeder etwas davon. … Jeder BĂĽrger erhielte die gleiche Dividende, seine Zahlungen jedoch wären davon abhängig, in welchem Umfang er schadstoffbelastete bzw. umweltbelastende Produkte kauft. Starke Umweltverschmutzer wĂĽrden weniger zurĂĽckbekommen, als sie hinein gesteckt haben; weniger starke Umweltverschmutzer hingegen erhalten mehr zurĂĽck. … Der makroökonomische Zusammenhang der Trusts fĂĽr Gemeineigentum schlieĂźt die Interessen der heute Lebenden mit denen kĂĽnftiger Generationen zusammen, statt sie gegen diese zu stellen. … Es gibt ein weiteres Argument fĂĽr einen treuhandvermittelten Kreislauf der Gemeinschaftsrente. Die Rente geht von denen, die die GemeinschaftsgĂĽter ĂĽbernutzen, an jene, welche diese moderat nutzen. Einkommen wird von den Reichen zu den Armen umverteilt. Dieser Zusammenhang ergibt sich, weil vermögende Haushalte im Durchschnitt die GemeinschaftsgĂĽter stärker in Anspruch nehmen, als diese durch die Haushalte der Armen beansprucht werden.“

Kapitalismus 3.0 – Ein Leitfaden zur Wiederaneignung der Gemeinschaftsgüter
(hrsg. von der Heinrich-Böll-Stiftung), Hamburg 2008, S. 124–127.                     
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||| Prof. Dr. Hazel Henderson

 â€žDie Vertreter eines neuen, zweiten New Deals im Sinne umfassender Wirtschafts- und Sozialreformen bevorzugen ehrliche und stabile Währungen, die zuverlässig werte bewahren und als stabiles Tauschmittel dienen. Geld sehen sie in diesem Kontext als eine spezielle Form der Kommunikation, eine geniale Erfindung des menschlichen Geistes, aber nicht als Ware an sich. … Das Problem liegt darin, Geld als ein ehrliches Medium zu gestalten und seine Rolle als verlässliches Zahlungsmittel zu erhalten, mit dem man eine erbrachte Leistung ausgleicht. …
   Unsere gegenwärtige Krise geht aus meiner Sicht ĂĽber frĂĽhere Crashs, Börsenpaniken und Rezessionen weit hinaus. … Die Vernetzung aller nationalen Ă–konomien durch die Globalisierung der Finanzen und der Technologie hat die Geldschöpfung völlig auĂźer Kontrolle gebracht und sowohl riesige Kreditblasen wie auch Berge von Schulden produziert. Die globale Nutzung des Computers fĂĽr Finanztransaktionen und Märkte hat den Handel auf einen Sekundentakt beschleunigt, die satellitengestĂĽtzte Verbindung zwischen rund um die Uhr operierenden Börsen hat zu einer Explosion von Derivaten und einer noch exotischeren ‚Absicherung’ von Hypothekenpaketen, Studienkrediten und Kreditkartendarlehen gefĂĽhrt. Die Risikoanalysen ĂĽberlieĂź man weltfernen Mathematikern, die mit ihren Algorithmen an der realen Welt vorbei prĂĽften. All das zusammengenommen fĂĽhrte zu einer exponentiellen Geldschöpfung und immer größeren Krediten. …
   Bislang war der politische Einfluss des Finanzsektors so groĂź, dass die Steuerzahler die Quittung bezahlen mussten. Der eklatante Mangel an Fairness und das AusmaĂź an Dummheit dabei hat einen Proteststurm empörter BĂĽrger ausgelöst. Denn mit den Milliarden, die nun in den rachen unverantwortlicher Banker geworfen wurden, hätte man eine allgemeine Gesundheitsversorgung oder bessere Ausbildungen finanzieren können. Aber diese Entwicklung bedeutet auch das Ende eines Finanzsystems, das nur auf Geld und Finanzblasen basiert. Jetzt wissen wir hundertprozentig, dass es bei Finanzen auch um Prioritäten und Werte geht. ... Vielleicht kehren wir zu einem ganz ehrlichen Gebrauch von Geld zurĂĽck, das dann wieder wirkliche Werte von realen Geschäften spiegelt. Aber ich glaube, es wird nicht wieder die Rolle als einziges und dominantes Tauschmittel bekommen. … Das klassische Geld wird wahrscheinlich von allen möglichen digitalen Währungen ersetzt werden, die es ja schon gibt: Angelangen von lokalen Tauschnetzen (LETS) und komplementären Währungen wie den amerikanischen ‚Berkshares’ oder dem Schweizer ‚Wirtschaftsring WIR’ bis zum Schenknetzwerk ‚Freecycle’ oder ähnlichen Tauschforen im Internet, in Telefonnetzwerken oder lokalen Radiostationen. … Ein grundlegender Umbau des weitgehend unregulierten globalen Finanzkasinos ist unverzichtbar, um weitere Schäden bei Unschuldigen, Armen und Schwachen zu verhindern. … Eine global abgestimmte Steuer auf Währungsspekulation, angelehnt an die Ideen von James Tobin, ist sicher der nächste notwendige Schritt. … Heute nun treten alle diese Vorschläge zu den Reformen der Zentralbanken, die Geschichte des Geldes und alternativer Währungen, die noch weitgehend unterdrĂĽckten Erfahrungen mit lokalen Komplementärwährungen, internatioinalem Tauschhandel und elektronischen Währungen endlich in den Vordergrund, ebenso solche Projekte einer ökologischen Ă–konomie. Die Finanzkrise von 2008/2009 präsentiert die beste Chance seit einem Jahrhundert, das Finanzsystem zu erneuern und den Wechsel in eine nachhaltige Wirtschaft zu beschleunigen.“

Es wäre ein Verbrechen, die Krise ungenutzt zu lassen, in: Geseko von LĂĽpke (Hrsg.), Zukunft entsteht aus Krise, MĂĽnchen 2010, S. 374 – 379 und 384 - 386.                          y zur Ăśbersicht


||| Prof. Dr. Rudolf zur Lippe

„Zumindest zeigt sich, dass die Tauschkreise freund-nachbarschaftlichen Charakters, die wir in Deutschland entstehen sehen und mit arrogantem Lächeln zur Kenntnis nehmen, in riesigen Maßstäben arbeiten könnten. In größerem Umfang wurden Erfahrungen mit regionalem Geld, mit Anrechtsscheinen und einem ganzen Kontext kommunitären Wirtschaftens auf Anregung von Gesell ... gemacht. Warum gibt es dazu eine Studie der Bauhaus-Akademie, aber keine Aufmerksamkeit an den Fakultäten für Wirtschafts- und Betriebswirtschaftslehre? Werden die neuen Projekte ähnlicher Art wissenschaftlich begleitet und ausgewertet?“

Plurale Ă–konomie - Streitschrift fĂĽr MaĂź, Reichtum und FĂĽlle, Freiburg 2012, S. 53. 
                                                                                            
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